Bilbo-Beutlin-Fans stören Aufführung Applaus, Applaus für seinen Namen

In London verärgern junge Fans von Martin Freeman, der bei Peter Jackson Bilbo Beutlin verkörperte, Theaterbesucher. Sie jubeln und klatschen immer dann, wenn der Hobbit-Darsteller die Bühne betritt. Dabei will der britische Schauspieler doch als Richard III. Zuschauer anlocken.

Martin Freeman: Jubel für den Hobbit
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Martin Freeman: Jubel für den Hobbit


London - Er hat das Gesicht eines Spitzbuben, meist wuschelige Haare und einen durchdringenden Blick. Martin Freeman ist ein britischer Schauspieler, der in "Ali G in da House" (2002) mitgespielt hat, in "Per Anhalter durch die Galaxis" (2005) und in der Fernsehserie "Sherlock" (seit 2010). Viele kennen ihn allerdings nur in einer Rolle - und zwar als Bilbo Beutlin. Zuletzt verkörperte Freeman den Hobbit in Peter Jacksons "Smaugs Einöde" (2013).

Nun spielt der 42-Jährige den englischen König Richard III. in einer Theateraufführung in den London Trafalgar Studios. Streng sieht er da aus, das Haar zurückgekämmt, die Haut sehr blass. Viele Menschen sind gekommen, um das Stück zu sehen. Viele alte, aber auch viele junge Zuschauer sind da. Einige interessieren sich für die Geschichte von Richard III., andere interessieren sich offenbar nur für Martin Freeman, denn sie applaudieren immer zum falschen Zeitpunkt, etwa dann, wenn er die Bühne betritt. Dies ist nun zu einem großen Störfaktor geworden, wie der "Telegraph" meldet.

"Es hat mich irritiert, dass die Zuschauer das Stück unterbrochen haben, um in der ersten Szene mit Martin zu klatschen und zu jubeln", sagte eine Zuschauerin. Schauspielerin Eileen Atkins stimmt nach Angaben der "Dailymail" zu: "Das geschieht nur, weil 'The Hobbit' so erfolgreich ist." Freeman spreche ein Publikum an, das Theater noch nicht so gut kenne. Auch Judi Dench sei sehr bekannt, deren Fans würden sich aber nicht so verhalten.

Regisseur Jamie Lloyd verteidigte die jungen Theatergänger: Der Applaus gelte dem ganzen Cast, nicht nur Martin. Jüngere Zuschauer seien eben lauter und eher geneigt, herauszuschreien, wenn ihnen etwas gefalle. Vielleicht aber ist das Theater auch ein bisschen selbst an den vielen jungen Fans Schuld, die ins Theater strömen, schließlich wirbt es sehr offensiv mit Freeman in der Rolle des Königs. Sein Konterfei prangt zumindest recht groß auf einem Plakat zum Stück.

kha

insgesamt 7 Beiträge
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Ballonmütze 07.07.2014
1. am Alter liegts nicht.
Ich habe in Berlin mal eine Aufführung von ''Von Mäusen und Menschen'' gesehen. Unter anderem spielte dort Hannes Jaenicke. Immer wenn er die Bühne betrat oder auch nur einen Satz sprach, brach das grauhaarige Publikum ü50 jedes mal in tosenden Applaus aus. Das war eher so das Vorabend ARD Publikum, aber eben keine Teenager. Die haben sich verhalten wIe beim Fernsehgarten, nicht wie im Theater.
insomnium 07.07.2014
2.
Es erscheint mir ein recht grundsätzliches Problem zu sein, dass insbesondere Jugendliche nicht mehr wissen, wie man sich im Theater zu verhalten hat: Permanentes Schwätzen, Rascheln, usw. erlebe ich in letzter Zeit leider immer öfter. Dass man in Anwesenheit "seines" Stars ein bisschen hibbelig ist, kann ich ja nachvollziehen, aber soweit sollte man sich schon zusammenreißen können, dass man mit den Jubelausbrüchen bis zur Pause bzw. dem Schlussapplaus wartet.
Herr wirf Hirn vom Himmel 07.07.2014
3.
Jetzt schreibt SPON schon bei der Daily Mail ab. Dieser Artikel ist absoluter Schwachsinn und entspricht nicht den Tatsachen. Da werden aus 5 klatschenden Zuschauern in EINER Vorstellung nach EINEM Szenenwechsel (über die eine Bloggerin in ihrem privaten Blog schrieb) in einem aufgeblasenen erfundenen 'Artikel' "kreischende Hobbitfans die sich nicht zu benehmen wissen und während des gesamtes Stücks klatschen und jubeln" . Schlicht nicht wahr. Regisseur Jamie Lloyd hat nicht nur jüngere, neue Theaterbesucher 'verteidigt' sondern auch mehrmals klargestellt, dass dies so nicht passiert ist. Ebenso wie weitere mitwirkende Schauspieler hat er betont, dass sich das gesamte Publikum respektvoll und angemessen verhalten hat.
davornestehtneampel 07.07.2014
4.
Zitat von insomniumEs erscheint mir ein recht grundsätzliches Problem zu sein, dass insbesondere Jugendliche nicht mehr wissen, wie man sich im Theater zu verhalten hat: Permanentes Schwätzen, Rascheln, usw. erlebe ich in letzter Zeit leider immer öfter. Dass man in Anwesenheit "seines" Stars ein bisschen hibbelig ist, kann ich ja nachvollziehen, aber soweit sollte man sich schon zusammenreißen können, dass man mit den Jubelausbrüchen bis zur Pause bzw. dem Schlussapplaus wartet.
Die Kiddies wissen wenigstens, wie man sein Quatschbrikett so einstellt, dass es nicht während der Vorstellung losplärrt - wenn man ihnen vorher sagt, dass das nicht erwünscht ist. Die Silberrücken lassen dagegen gerne mal Beethovens Fünfte durchklingeln, ehe sie geruhen, ihren Laberbalken stillzulegen...
jd81 07.07.2014
5. Are you kidding me?
Ernsthaft jetzt liebes Spiegel Team? Ihr gebt den Müll wieder den die Daily Fail verbreitet? Als jemand der selbst in der ersten Vorstellung von Richard III war - ich lebe in der Nähe von London - kann ich nur bestätigen, dass es nicht einen einzigen Zwischenruf oder irgendeine Störung gab. Siehe die Twitter Beiträge von Jamie Lloyd oder Martin Freemans Partnerin. Ansonsten noch das eigentlich Wesentliche: Das Stück ist großartig und definitiv einen Theaterbesuch wert!
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