Verlage gegen ARD und ZDF "DDR statt Nordkorea"

Verlegerpräsident Mathias Döpfner ist das Textangebot von ARD und ZDF im Internet ein Dorn im Auge. In dem Streit spitzte er stark zu. Nun beugt sich der WDR.

Axel-Springer-Chef Döpfner (Archivbild)
AFP

Axel-Springer-Chef Döpfner (Archivbild)


Beinahe sieht es so aus, als habe Mathias Döpfner mit seiner Strategie der markigen Worte Erfolg. Im September hatte der Chef des Axel-Springer-Verlags und Präsident des Verlegerverbandes BDZV gewarnt, ARD und ZDF würden mit ihrem Textangebot im Netz die Existenz der Zeitungsverlage gefährden. Von "Staatspresse" und "Nordkorea" sprach Döpfner - zum Ärger der Öffentlich-Rechtlichen. Seither ist aus dem Streit ein verbaler Kleinkrieg geworden. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

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Heft 50/2017
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Doch nun kündigte WDR-Intendant Tom Buhrow an, Frieden mit den Verlagen zu suchen: Auf dem Onlineportal des Senders soll künftig mehr Film und weniger Text zu sehen sein. "Das freut mich sehr", sagte Döpfner dem SPIEGEL. "Dass WDR-Intendant Tom Buhrow das Miteinander von Verlagen und Sendern fördern möchte, ist ein gutes Signal. Vielleicht ermutigt das andere, so zu handeln, vor allem, wenn man sieht, dass es dem Erfolg des Senders nicht schadet, sondern nützt."

Gelöst aber sieht Döpfner das Problem damit nicht: "Einschränkend muss man sagen, der WDR spricht hier für sich und nicht für die ganze ARD." Es brauche eine klare Regelung im Rundfunkstaatsvertrag. Das Vorgehen des WDR allerdings dürfte den Druck innerhalb der ARD erhöhen, den seit 2012 schwelenden Kampf mit den Verlagen zu beenden und eine Lösung zu finden.

Staatspresse und Staatsfernsehen

Zu seinem umstrittenen Nordkorea-Vergleich steht Döpfner auch weiterhin. "Für mich ist der Begriff nicht wichtig, aber wenn Sie so wollen, hat er seinen Zweck erfüllt. Er hat große Aufmerksamkeit für ein unterschätztes Thema geschaffen", sagte Döpfner dem SPIEGEL. Die Zuspitzung im Streit zwischen Verlagen und ARD und ZDF erfolge jetzt, weil "wir Verlage uns nicht mehr anders zu helfen wissen."

In einer Rede Mitte September hatte der BDZV-Präsident gesagt, wenn es eines Tages nur noch Staatspresse und Staatsfernsehen im Netz geben sollte, wäre das "eher nach dem Geschmack von Nordkorea." Er sei aus Kreisen der ARD darauf hingewiesen worden, "dass es vielleicht besser gewesen wäre, den Begriff DDR statt Nordkorea zu wählen. Da wäre ich durchaus verhandlungsbereit", so Döpfner gegenüber dem SPIEGEL. Lieber aber wäre ihm ein Ende des Streits: Wenn "ich den Begriff zurücknehmen soll und dafür eine Lösung mit der ARD bekäme - dann schlage ich sofort ein."

Deutliche Kritik übte Döpfner an dem öffentlich-rechtlichen Jugendangebot Funk im Internet, das gerade unter dem Hashtag #Scheisswerbung eine Kampagne gegen werbefinanzierten Journalismus fährt. Die Kampagne diskreditiere die entscheidende Einnahmequelle der Verlage und damit deren Existenzgrundlage. Sie sei "ein propagandistisches Meisterwerk in öffentlich-rechtlicher Sache" sagte Döpfner. "Seht her: Wir sind nicht kommerziell, wir machen im Gegensatz zu den privaten Verlagen guten Journalismus."

Die Funk-Videokolumne "Fickt euch!" hat es Döpfner dabei besonders angetan: Da würden "wirklich interessante Standards gesetzt, was den Qualitätsanspruch öffentlich-rechtlicher Jugendpflege angeht. Und das in einem Angebot, das die Gebührenzahler pro Jahr mit 45 Millionen Euro finanzieren."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 20 Beiträge
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maphry 08.12.2017
1. Verlage selber schuld
Textinhalte der öffentlich-rechtlichen sind gut und wichtig, zumindest sollten alle Beiträge die mit den gebühren finanziert wurden auch textlich im Netz zur verfügung stehen. Wenn die Verlage endlich mal vernünftige Angebote schaffen würden, würde es ihnen auch nicht so schlecht gehen, aber da der öffentlich-rechtliche Rundfunk so enorm wichtig ist um überhaupt in Deutschland halbwegs vernünftige Nachrichten zu bekommen halte ich das geheule der Verlage für überflüssig.
hape2412 08.12.2017
2. Gerade Döpfner muss
seinen Mund ganz weit aufreißen. Wenn man das Onlineangebot von Springer betrachtet, sieht das wesentlich eher nach Staatsinformationen aus als das gute und seriöse Onlineangebot der Öffentlich-Rechtlichen, naja - nicht nach Staatsfernsehen, sondern wohl eher nach Ballermann. Springer strebt doch nach einer Monopolstellung in den Printmedien und deren Onlineangebot. Bisher haben sich die Plusangebote von Springer wohl nicht hinreichend rentiert, weil wohl wenige Benutzer für Krawalljournalismus Geld bezahlen wollen.
Rainer Heidelberg 08.12.2017
3. Es kann nicht angehen
dass öffentlich, rechtliche Sender mit unseren Rundfunkgebühren rund um die Uhr Nachrichten senden und damit den privaten Verlagen Konkurrenz machen. Das ist gar nicht deren Aufgabe. Erst die Rundfunkgebühren hoch schrauben und dann noch den Steuer zahlenden Unternehmen Konkurrenz machen. Na super. Schuster, bleib bei deinen Leisten!
tanzindenmai 08.12.2017
4. fernsehen
ich zahle meine zwangsgebühren für fernSEHEN. wenn ich was lesen will abboniere ich eine zeitung, paper oder table. offensichtlich haben ard und zdf zuviel geld. fernsehapps abschaffen, grundsätzlich ! gerade die regionalzeitungen leiden darunter und müssen ihre redaktionen schrumpfen. ich will keinen gebührenmißbrauch !
dasfred 08.12.2017
5. Döpfner bürgt für Qualität
Jahrzehnte Springer Presse haben dem Journalismus neue Impulse gegeben. Nur beschreiben, was passiert ist, ist nicht mehr zeitgemäß. Beschreiben was passiert sein könnte, noch bevor irgendwas gesichert ist, ist der neue Standart. Presse muss aktiv eingreifen, wenn die Polizei nicht mehr nachkommt. Siehe Fotojagt nach Demonstranten bei G20 Krawallen. Kann sowas öffentlich rechtliches Fernsehen? Nein. Was sich Döpfners Verein über Jahrzehnte herausgenommen hat, darf sich kein ARD und ZDF Sender Leisten, von daher ist hier auch keine wirkliche Konkurrenz zu erwarten. Umsatz macht, wer die Ansprüche seiner Kunden befriedigt und ich bin überzeugt, die Ansprüche der Springer Kunden an Hetze und Krawall werden die Öffis nie erfüllen.
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