Nach umstrittenem Tweet MDR sagt Sendung zu "politischer Korrektheit" ab

Der MDR Sachsen wollte über Sprachtabus diskutieren - und löste vorab mit einer provokativen Frage Kritik aus. Zwei Gäste sagten ihre Teilnahme ab. Nun wurde die Radiosendung gestrichen.


Die Diskussion hätte am Dienstagabend um 20 Uhr beginnen sollen. Eingeladen hatte der MDR Sachsen, er wollte eigenen Angaben zufolge mit vier Gästen darüber sprechen, warum "politische Korrektheit" zur "Kampfzone" geworden ist, es sollte um "moralische Normen und Tabus in der Sprache und deren Verletzung" gehen. Doch so weit kam es nicht: Der Sender sagte die Ausgabe der Radiosendung "Dienstags direkt" ab.

Hintergrund ist massive Kritik, die der MDR Sachsen mit seiner Programmankündigung für die Diskussionsrunde ausgelöst hatte. Via Twitter fragte die Redaktion: "Darf man heute noch 'Neger' sagen?"

Darüber hätten die Rechtspopulistin Frauke Petry und der konservative Publizist Peter Hahne mit der Linken-Politikerin Kerstin Köditz und dem Soziologen Robert Feustel diskutieren sollen. Nach dem Ankündigungstweet sagten Köditz und Feustel ihre Teilnahme an der Sendung allerdings ab.

"Das Thema wurde bei einer kurzfristigen Sendungsankündigung mittlerweile in eine Richtung (weiter-)gedreht, die vollends indiskutabel ist", schrieben sie in einer gemeinsamen Erklärung via Twitter. "Auf das Konzept der Sendung, den Tenor der Ankündigung und weitere Gäste hatten wir freilich keinen Einfluss."

Sie seien zum Thema "politische Korrektheit" angefragt gewesen, heißt es in den Twitternachrichten von Köditz und Feustel. "Unseres Erachtens ist das ein Kampfbegriff der Rechten, und unser Ziel war, ihn nicht unwidersprochen zu lassen." Die beiden bekräftigten kritische Stimmen, "die grundsätzlich fragen, warum keine Menschen eingeladen wurden, die selbst von Rassismus betroffen sind".

Auf die Absage der beiden reagierte dann der MDR Sachsen: Man habe die Folge von "Dienstags direkt" am 17. April abgesetzt, teilte der Sender mit. "Uns ist eine ausgewogene Gästerunde zur politischen Diskussionskultur wichtig. Wir prüfen einen neuen Sendetermin."

Die ehemalige AfD-Politikerin Petry - inzwischen fraktionslose Bundes- und Landtagsabgeordnete - schrieb via Twitter, es sei "schade, dass der MDR es nicht durchgezogen hat". Die Absagen dokumentierten den "Status der Diskussionsfähigkeit".

Bereits zuvor hatte der MDR Sachsen bei Twitter um Entschuldigung für "die rhetorisch gemeinte Einstiegsfrage unseres Tweets" gebeten. "Wir haben mit der Überspitzung die Gefühle vieler verletzt."

aar/dpa

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.