Medien RTL prüft Einstieg in Zeitungsmarkt

Wird RTL bald eine Zeitung herausgeben? Der größte deutsche Privatsender und der norwegische Schibsted-Verlag prüfen eine Zusammenarbeit mit dem Ziel, Gratiszeitungen in Deutschland zu etablieren. Die Skandinavier fühlen aber auch bei einigen Großverlagen vor.


Verteilung von "20 Minuten Köln" (Archiv): Vorbild für die RTL-Zeitung?
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Verteilung von "20 Minuten Köln" (Archiv): Vorbild für die RTL-Zeitung?

Hamburg - Wie der SPIEGEL aus Unternehmenskreisen erfuhr, werde auch ein möglicher Export eines solchen Modells in andere Märkte geprüft, in denen die RTL-Group aktiv ist. Eine ähnliche Kooperation existiert bereits auf dem französischen Markt, wo mit TF1 der größte Privatsender an den französischen Aktivitäten des schwedischen Schibsted-Konkurrenten Metro beteiligt ist.

Schibsted hatte sich vor fünf Jahren bereits mit dem Gratisblatt "20 Minuten Köln" in Deutschland versucht, die deutsche Verlagsbranche damit in helle Aufregung versetzt und war nach 19 Monaten am vereinten Widerstand von DuMont Schauberg und Axel Springer gescheitert, die im Abwehrkampf beide eigene Gratisblätter auf den Markt warfen.

Bei seinem erneuten Anlauf planen die Norweger ausweislich diverser Anfragen bei Druckereien, Verkehrsbetrieben und Dienstleistern Gratisblätter in Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart sowie im Ruhrgebiet, die allmorgendlich von 6 Uhr bis 9.30 Uhr an Passanten verteilt werden sollen. Später sind danach offenbar auch Ausgaben in Münster, Bremen, Hannover, Karlsruhe und Nürnberg geplant.

Neben RTL haben die Norweger auch mit der Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe Gespräche aufgenommen, wo man Partner für die Expansion seines Frankfurter "News"-Projektes sucht. Gespräche sowohl mit Metro, wo man ebenfalls einen Start in Deutschland sondiert, als auch mit Schibsted bestätigt WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach: "Wir wollen die Entwicklung aber weder anstoßen noch beschleunigen." Mit benachbarten Verlagen wie DuMont seien bereits Strategien durchgesprochen. "Wir sind präpariert", sagt Hombach, "und wir werden nicht zulassen, dass eine fremde Macht billig in unsere Märkte kommt."

Auch Springer-Chef Mathias Döpfner bekräftigte vorige Woche vor Presse-Grossisten seine Haltung zum Thema: "Entweder es gibt keine Gratiszeitung in Deutschland - oder wir sind aktiv dabei."



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