Medien Springer kehrt zur reformierten Rechtschreibung zurück

Der Axel Springer Verlag will die vor zwei Jahren aus Protest gegen die Reform eingeführte alte Rechtschreibung wieder aufgeben. Nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz am vergangenen Donnerstag will sich das Medienhaus einer einheitlichen Orthographie nicht verschließen.


Berlin - 2004 war die Axel Springer AG in einem Akt des Protests gegen die Wirrnisse der Rechtschreibreform zur alten Schreibweise zurückgekehrt. Nun schwenkt das größte deutsche Zeitungshaus ("Bild", Welt") wieder auf Reformkurs.

"Bild"-Schlagzeile vom 8. August 2004: Abkehr von der Abkehr
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"Bild"-Schlagzeile vom 8. August 2004: Abkehr von der Abkehr

Anlass der neuerlichen Umstellung sei der Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 2. März, die Rechtschreibreform entsprechend der Vorschläge des Rats für deutsche Rechtschreibung verbindlich zu ändern, teilte Springer heute mit. Die Schreibweise soll demnach bis spätestens 1. August in den Zeitungen und Zeitschriften sowie den Online-Angeboten des Unternehmens geändert werden.

Die AG wolle sich der Chance auf einen Konsens in Fragen der deutschen Orthografie nicht entgegenstellen, erklärte ein Sprecher. Das Unternehmen äußerte aber zugleich sein Bedauern, dass die Rechtschreibreform alles andere als ein überzeugendes Ergebnis vorzuweisen habe. Eine Einheitlichkeit existiert mit reformierter Rechtschreibung nicht mehr. Der Verlag werde nach Umstellung auf reformkonforme Schreibung bei Schreibweisen mit mehreren Optionen weitestgehend die klassische Rechtschreibung anwenden.

Die damalige Abkehr von der Reform sieht Springer-Vorstand Mathias Döpfner inzwischen mit gemischten Gefühlen: "Der Ansatz war völlig richtig. Wir haben aber die politische Wirkung unterschätzt. Das war naiv. Denn sofort begannen die Angriffe, ein Kartell habe sich Rechte angemaßt, was allein dem Parlament und dem Gesetzgeber zustehe. Warum haben Politiker eigentlich mehr Rechte als die, die von Sprache leben: Schriftsteller, Journalisten, Verleger?", sagte Döpfner dem Publizisten Michael Jürgs in einem Porträt, das heute in der "Süddeutschen Zeitung" zu lesen ist. Das jüngst gefundene Ergebnis wiederum könne sich, so Döpfner, "drucken lassen".

Die von der Kultusministerkonferenz abgesegneten Änderungen an der deutschen Rechtschreibung sollen frühestens am 30. März offiziell beschlossen werden. An diesem Tag tagt die Ministerpräsidentenkonferenz, die sich voraussichtlich mit dem Thema befassen wird.

bor/AP



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