Medienkonzern im Umbruch Der WAZ-Verkauf ist besiegelt

Der Deal ist eingefädelt: Mit einem Millionengeschäft hat der WAZ-Konzern nach monatelangem Gezerre seine Eigentumsverhältnisse neu geordnet. Petra Grotkamp übernimmt die Mehrheit an der Mediengruppe - Geschäftsführer Hombach wird das Unternehmen verlassen.

Zentrale der WAZ-Mediengruppe in Essen: Eine neue Ära beginnt
dapd

Zentrale der WAZ-Mediengruppe in Essen: Eine neue Ära beginnt


Essen - Bei der WAZ-Mediengruppe beginnt eine neue Ära: Das Unternehmen hat nach monatelangem Hin und Her seine Eigentümerverhältnisse neu geregelt - die drei Erben des Mitbegründers Erich Brost haben ihren 50-Prozent-Anteil an Petra Grotkamp verkauft.

Zusammen mit den ihr bereits gehörenden 16,7 Prozent verfüge Petra Grotkamp nun über 66,7 Prozent der Anteile der WAZ-Mediengruppe. Das Bundeskartellamt habe der Transaktion bereits zugestimmt. Der Erwerb erfolgt rückwirkend zum 31. Dezember 2011. Grotkamp ist die Tochter des zweiten Firmengründers Jakob Funke.

Die Verlagsgruppe teilte mit, der Testamentsvollstrecker der Brost-Erben habe zugestimmt und die Verträge seien unterschrieben. Zum Kaufpreis gab es keine Angaben. Er soll laut Branchenkreisen bei etwa 500 Millionen Euro liegen.

Der frühere Kanzleramtsminister Bodo Hombach, der zehn Jahre lang WAZ-Geschäftsführer war, scheidet aus dieser Position aus, wie er mitteilte. Er werde der neuen Eigentümerfamilie Grotkamp, Schubries und Holthoff-Pförtner aber weiter beratend zur Seite stehen und die WAZ-Mediengruppe im Initiativkreis Ruhr repräsentieren.

"Von Anfang an habe ich den Verkauf der WAZ-Anteile der Brost-Erben an Frau Grotkamp als richtig erachtet", schreibt Hombach in einer Presseerklärung. Er biete "eine große Chance für eine neue WAZ-Ära in einer im Umbruch befindlichen Medienlandschaft".

Die WAZ-Mediengruppe mit 40 Zeitungen und mehr als 100 Zeitschriften erwirtschaftete 2011 mit etwa 15.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro, 2010 waren es noch 1,2 Milliarden Euro Umsatz. Nach deutlichem Personalabbau soll das Betriebsergebnis 2011 wieder im dreistelligen Millionenbereich liegen.

Der Sozialdemokrat Erich Brost und der Konservative Jakob Funke hatten 1948 die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) mit einer Lizenz der britischen Militärregierung gegründet. Aus ihr entstand einer der größten regionalen Zeitungsverlage Europas.

lgr/dpa/dapd

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