Medienkrise "New York Times" druckt gesponserten Artikel

Mehr als zehntausend Dollar hat die Recherche einer Reportage der "New York Times" gekostet. Doch die Zeitung hat nicht selbst bezahlt - die Reisekosten wurden großteils durch Spenden finanziert.

Zentrale der "New York Times": Kritik am Verhalten der Redaktion
AFP

Zentrale der "New York Times": Kritik am Verhalten der Redaktion


Washington - Die "New York Times" hat am Dienstag einen Artikel abgedruckt, der bereits vor der Veröffentlichung für Furore gesorgt hat. Allerdings nicht wegen seines Inhalts - einem kilometerlangen Müllteppich im Südpazifik. Im Vorfeld wurde vielmehr die ungewöhnliche Finanzierung der Geschichte diskutiert.

Denn die Autorin Lindsey Hoshaw konnte die Redaktion zwar von ihrer Idee überzeugen - nicht allerdings, die Reisekosten von 10.000 Dollar aufzubringen. Nur 750 Dollar für die Bildrechte wurden der freien Journalistin angeboten.

Eigentlich wäre die Geschichte damit gescheitert, da Hoshaw die vierwöchige Fahrt nicht selbst finanzieren konnte. Doch sie wollte nicht aufgeben und rief im Internet zu Spenden auf - auf der Plattform Spot.Us. Dort können Autoren ihre Ideen präsentieren und Sponsoren suchen. Das Modell nennt sich crowd funded, das heißt, der Beitrag wird von einer Masse von Privatleuten finanziert. Etabliert ist Spot.Us bereits in der Film- und in der Musikbranche.

Hoshaws Youtube-Video auf Spot.Us schlug ein, mehr als hundert Menschen überwiesen Geld, um der Nachwuchsjournalistin die Recherche zu ermöglichen - meist Beträge von 20 bis 50 Dollar. Unter den Sponsoren waren der Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales und der Ebay-Mitbegründer Pierre Omidyar.

Das Verhalten der "New York Times" hatte in den USA Kritik ausgelöst, da die Zeitung die Geschichte zwar haben wollte, aber nicht bereit war, für die Reisekosten aufzukommen. Der Vorwurf: Die Redaktion zwinge eine junge Journalistin zur Bettelei. Die "New York Times" verteidigte sich mit dem Hinweis, Spesen würden nur bei Geschichten gezahlt, die man selbst in Auftrag gegeben hätte. Hoshaw hätte dagegen ihre Idee im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs vorgebracht, man habe ihr unverbindlich Interesse signalisiert. Der Redakteur Clark Hoyt schrieb eine Kolumne über spendenfinanzierten Journalismus - und verschaffte Hoshaw so die nötige Öffentlichkeit.

Ob das private Sponsoring von Recherchen ein Zukunftsmodell sein kann, wird in den USA kontrovers diskutiert. Befürworter sagen, dass dadurch Qualitätsjournalismus auch in Zeiten einbrechender Werbeeinnahmen gesichert werde. Kritiker warnen dagegen davor, dass Medien die Kontrolle über ihre Veröffentlichungen verlieren könnten. So besteht beispielsweise die Gefahr, dass Unternehmen über Mittelsmänner ihnen genehme Geschichten einkaufen könnten - ohne dass dies jemand bemerkt.

cte/AP



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nicolai-bruno 12.11.2009
1. Guter Journalismus kostet geld
Zitat von sysopÜber 10.000 Dollar hat die Recherche einer Reportage der "New York Times" gekostet. Doch die Zeitung hat nicht selbst bezahlt - die Reisekosten wurden großteils durch Spenden finanziert. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,660685,00.html
Guter Journalismus kostet Geld, das im Internet-Zeitalter kaum mehr zu refinanzieren ist. Das ist bei SPON sicher ähnlich. Das hat auch nichts mit Ausbeutung zu tun. Meiner Ansicht nach müssen die Medienhäuser mehr auf Bezahl-Inhalte im Netz setzen. Aber Vorsicht: Für Murks zahlt keiner. Also ich würde für das meiste nix zahlen - für SPON schon.
sl007 12.11.2009
2. Gang und gäbe
Tja, leider ist das gang und gäbe. Alle guten Fotojournalisten sind doch entweder "eingeknickt" und machen nun credibile Werbung oder aber, sie versuchen alles dafür zu tun, wichtige Themen mit eigenen Mitteln, Stipendien oder Kultursponsoring zu erzählen. Das Thema ist mir nur zu bekannt, denn im Südpazifik gibt es viele Konflikte. Der Südpazifik leidet ganz besonders unter unserem Müll und unseren Emissonen, aber auch der SPIEGEL schickt vermutlich kein Team hin. Meine Geschichte im Südpazifik sind die versinkenden Atolle und ersaufenden Menschen, die nicht schnell genug evakuiert werden können. Diese Geschichte über Klimaflucht hat freundlicherweise das Stipendium der VG Bildkunst zur Hälfte bezahlt. In Deutschland war sie Titelgeschichte im Klima-Magazin, einem Magazin, das es ebenfalls ohne private Gelder oder Spenden vermutlich nicht gegeben hätte. Fotojournalisten, die Entscheidung ist doch einfach : Entweder wir schauen uns zu jedem Konflikt das Bild eines deutschen Krankenwagens an, das es für das Magazin im dpa-Abo für wenige Cent gibt oder Wir versuchen alles um unsere Herzensthemen umzusetzen - egal mit welchem Geld (solange wir unabhängig sind).
DJ Doena 12.11.2009
3. Spon-soring
Jeder Artikel ist irgendwo gesponsert, sei es durch Werbekunden oder durch PR-Agencies, die komplette Texte liefern...
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