Medienkrise: "New York Times" streicht bis zu 150 Stellen

Fast 6000 Medienarbeitsplätze sind im vergangenen Jahr in den USA gestrichen worden. Nun ergreift auch die renommierte "New York Times" drastische Maßnahmen: Bis zu 150 Stellen sollen gestrichen werden - davon 100 in der Redaktion.

"New York Times"-Gebäude in Manhattan: Auch Entlassungen möglich Zur Großansicht
AFP

"New York Times"-Gebäude in Manhattan: Auch Entlassungen möglich

New York - Man wolle Angestellte mit Abfindungen zum freiwilligen Ausscheiden bewegen. Wenn das Ziel damit nicht erreicht werde, seien auch Entlassungen möglich, schrieb "New York Times"-Chefredakteur Bill Keller am Montag in einer Mitteilung an die Belegschaft.

Bis zu 150 Arbeitsplätze könnten abgebaut werden, darunter 100 in der Redaktion. Das Flaggschiff des gleichnamigen Verlags kürzt damit acht Prozent seines Personals, um angesichts eines branchenweiten Anzeigenrückgangs Kosten einzusparen.

Bereits im vergangenen Jahr hat die "Times" schon 100 Stellen in der Redaktion gestrichen, die damit aber weiter den größten Newsroom aller Zeitungen in den USA hat. Nach den jetzt beschlossenen Kürzungen verbleiben noch etwa 1150 Redakteure und Reporter. Im vergangenen Jahr sind in den USA 5900 Arbeitsplätze in Medienredaktionen gestrichen worden.

Hilfe vom Staat

Passend zur verschärften Lage veröffentlicht die Columbia University Journalism School eine umfassende Studie zur Situation des Nachrichtenjournalismus. Die Autoren Len Downie, ehemaliger Chefredakteur der "Washington Post", und der Journalismus-Professor Michael Schudson sprechen von einer massiven Gefährdung qualitativer Berichterstattung. Die amerikanische Gesellschaft müsse Gegenmaßnahmen ergreifen, um die Funktionen einer unabhängigen Berichterstattung für die Demokratie zu erhalten, heißt es in dem Papier.

Die Autoren fordern, dass Regierung, Universitäten und gemeinnützige Organisationen neue Projekte eines unabhängigen Lokaljournalismus' unterstützen, wenn dieser von den zunehmend in ihrer Existenz bedrohten Zeitungen nicht mehr gewährleistet werden kann.

"Weil die meisten amerikanischen Zeitungen den Großteil der ursprünglichen Berichterstattung produziert haben, ist die unabhängige Lokalberichterstattung am meisten gefährdet", schreiben die Experten.

Sie empfehlen eine steuerliche Unterstützung von lokalen Medienprojekten und regen die Einrichtung eines Fonds an, der sich aus Gebühren von Telefon- und Internetzugangsanbietern speisen soll.

dan/AP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema New York Times
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback