Medienkrise: "New York Times" verkauft Teile des Firmensitzes

Die Finanzkrise bringt die renommierte "New York Times" immer stärker in Bedrängnis. Jetzt verkauft das Traditionsblatt Teile seines Stammsitzes für 225 Millionen Dollar - um die Büroräume für 24 Millionen pro Jahr zurückzumieten.

New York - Erst im November 2007 war das Hochhaus an der 8th Avenue nahe Times Square eröffnet worden. 52 Stockwerke umfasst der Wolkenkratzer, 28 davon gehören der "New York Times". Jetzt hat der Verlag 21 an eine Immobilienfirma verkauft - zum Preis für 225 Millionen Dollar, wie die New York Times Company am Montag mitteilte.

"New York Times"-Zentrale: "Eigenes Schicksal bestimmen"
AFP

"New York Times"-Zentrale: "Eigenes Schicksal bestimmen"

Mit dem Geld will der Verlag Kredite bedienen: Im Mai werden 400 Millionen Dollar fällig, berichtet die "Washington Post" am Dienstag. In zwei Jahren stehe die nächste große Tilgung an.

Profitieren wird der Käufer, die Investmentgesellschaft W.P. Carey & Co. Von ihr wird die "New York Times" ihre Firmenzentrale wieder zurückmieten - für 24 Millionen Dollar pro Jahr.

Der mit Carey abgeschlossene Vertrag soll über 15 Jahre laufen und räumt auch die Möglichkeit des Rückkaufs in zehn Jahren ein. Dann aber müsste die Zeitung 250 Millionen Dollar bezahlen.

Die Schulden der "New York Times" beliefen sich bereits Ende 2008 auf insgesamt 1,1 Milliarden Dollar. Bis 2010 hofft der Verlag, 300 Millionen fällige Kredite abzahlen zu können.

Wenig erbaulicher Immobiliendeal

Es sei eine bittere Pille, dass der Deal zu einer so ungünstigen Zeit für Immobilienverkäufe durchgezogen worden sei, erklärte der auf Bonds spezialisierte Analyst Mike Simonton der Nachrichtenagentur AP. Allerdings beweise der Schritt auch die Fähigkeit des Verlags, "weiterhin sein eigenes Schicksal zu bestimmen".

"Gawker", New Yorks prominentester Gesellschaftsblog, unkte derweil: "Die 'New York Times' ist in schlechterer Verfassung als der durchschnittliche US-Konsument."

Der Immobilien-Verkauf ist nur eine von zahlreichen Maßnahmen zur Rettung des Verlags. So wurde dieses Jahr die Dividenden-Ausschüttung für Aktionäre ausgesetzt, um 133 Millionen Dollar einzusparen. Hinzu kam eine Finanzspritze des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim von 250 Millionen Dollar - zum Prozentsatz von stolzen 14 Prozent. Dem Mogul wurde außerdem ein großzügiges Aktienpaket garantiert.

Verlagseigene Zeitungen sollen ebenfalls verkauft werden, so auch der "Boston Globe". Die Zeitung macht Branchenmeldungen zufolge derzeit eine Million Dollar Verlust pro Woche und sei aktuell nur 20 Millionen Dollar wert. Wenn überhaupt, werde das Blatt lediglich als Online-Ausgabe überleben. Der "Boston Globe" steht auch auf der "Time"-Liste der zehn am stärksten gefährdeten Zeitungen Amerikas.

Auf der Liste finden sich unter anderem Blätter wie die "The Miami Herald", "The San Francisco Chronicle" und die "Chicago Sun-Times". Die renommierte "Rocky Mountain News" (vier Pulitzer-Preise seit 2000) wurde bereits abgewickelt, der Seattle "Post-Intelligencer" muss vermutlich ebenfalls bald die Segel streichen und nur noch online weitermachen.

dan/AP

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