Medienskandal: Murdoch-Vertraute Brooks erneut festgenommen

Sie sollen illegal Mobiltelefone abgehört haben, um exklusive Storys zu schreiben: Im Bespitzelungsskandal der Boulevard-Blätter des Medienmoguls Rupert Murdoch hat Scotland Yard sechs Journalisten festgenommen - unter ihnen ist erneut auch Ex-Chefredakteurin Rebekah Brooks.

Ex-Chefredakteurin Rebekah Brooks (Archivbild): Neue Verdachtsmomente Zur Großansicht
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Ex-Chefredakteurin Rebekah Brooks (Archivbild): Neue Verdachtsmomente

London - Im Bespitzelungsskandal in den britischen Medien wurden nach Angaben von Scotland Yard fünf Männer und eine Frau in Gewahrsam genommen - bei der weiblichen Person handelt es sich offenbar um die Murdoch-Vertraute Rebekah Brooks. Der Polizei zufolge wurden die Wohnungen der Festgenommenen durchsucht. Die Razzia sei Teil der laufenden Ermittlungen zu unlauteren Recherchen von Journalisten aus dem Medienhaus Murdoch.

Dabei handele es sich um Fälle von Telefonbespitzelungen britischer Boulevard-Blätter, vor allem der Zeitung "News of the World". Die Festnahmen erfolgten zwischen fünf und sieben Uhr Ortszeit an verschiedenen Orten in und nahe der Hauptstadt London. Den Journalisten wird vorgeworfen, illegal Mobiltelefongespräche abgehört zu haben, um an exklusive Informationen zu gelangen.

Die Festgenommenen würden der Justizbehinderung verdächtigt. Die Polizei nannte keine Namen. Sie sprach aber unter anderem von einer 43-jährigen Frau aus Oxfordshire bei London, die der Sender Sky News sowie weitere britische Medien als Brooks identifizierten. Auch ihr Ehemann Charlie, ein enger Freund von Premierminister David Cameron, sei unter den Festgenommenen.

Brooks arbeitete einige Jahre als Chefredakteurin für die inzwischen eingestellte "News of the World" und leitete später Rupert Murdochs Medienunternehmen News International. Sie war nach Bekanntwerden des Skandals bereits im vergangenen Jahr wenige Tage nach ihrem Rücktritt von dem Posten an der Spitze von News International kurzzeitig wegen des Verdachts des Abhörens von Telefongesprächen und Bestechung festgenommen worden. Bislang beteuerte die Murdoch-Vertraute beharrlich ihre Unschuld. Am Dienstag gab Brooks' Sprecher zunächst keine Stellungnahme ab.

Der Großverleger Rupert Murdoch war zuletzt Anfang März von dem schwelenden Bestechungsverdacht wieder eingeholt worden, als die Militärkorrespondentin der britischen Zeitung "The Sun" festgenommen wurde.

Die Ermittler werfen der Journalistin vor, Beamte für Informationen bezahlt zu haben. Inzwischen befindet sich die Frau gegen Kaution auf freiem Fuß. Die 32-Jährige ist die erste weibliche Militärkorrespondentin der "Sun" und hatte im vergangenen Jahr unter anderem aus Libyen berichtet.

Mit dem aktuellen Fall erhöht sich die Zahl Festnahmen nun von elf auf 17. Vielen Verdächtigten wird vorgeworfen, mit illegalen Methoden recherchiert zu haben.

Mindestens sieben von ihnen hatten leitende Positionen inne, darunter der stellvertretende Chefredakteur und der Chef des Auslandsressorts der "Sun". Auch ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums steht unter Verdacht. Die zuvor festgenommenen Journalisten wurden auf Kaution freigelassen. Die Verfahren gegen sie laufen jedoch weiter.

bos/AP/Reuters/AFP

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1. Boomboom Presse
ManfredoRSA 13.03.2012
Zitat von sysopAFPSie sollen illegal Mobiltelefone abgehört haben, um exklusive Stories zu schreiben: Im Bespitzelungsskandal der Boulevard-Blätter des Medien-Mogul Rupert Murdoch hat Scotland Yard sechs Journalisten festgenommen. Der Zugriff erfolgte am frühen Dienstagmorgen. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,820986,00.html
Es wird hoechste Zeit, dass man die boomboom Presse in UK endlich versucht auszumisten- obwohl das sicher nicht freiwillig geschehen ist. Die hatten halt keinen "Wallraffer", der frueh genug die Grenzen gezeigt haette. Schade um die immer beneidenswerte englische Presse, immer ein Vorzeige-Modell fuer die freie Welt.
2. Vorschlag ...
guggisberger 13.03.2012
... Es ist ja inzwischen allemein bekannt, das eine Polemik GEGEN etwas sinnlos ist ... man muss nur lange genug warten, bis gewisse Herrschaften einfach selbst die Maske fallen lassen, bzw. sich sogar selbst herunterreissen. Die Rolle insbesondere der britischen Medien war ja nie eine sonderlich beispielgebende. Viele der Macher waren immer wie zerfressn von einer eiskalten Niedertracht, die keine Schranke von Gesinnung kannte. Vielleicht ist es ja nun auch möglich, einmal die Rolle der britischen Presse bei der Vorbereitung zweier Weltkriege näher zu beleuchten. Es ist doch problemlos möglich. Alle ehemaligen Besatzungmächte haben nun genug eigene Probleme und ihre Empörung würde eïnfach nur lau daherkommen und die Vergangenheitsbewältiger in D. spüren, dass sei einfach funktionalisiert worden sind ...¨haben auch längst das Pathos der Empörung abgelegt und versuchen sich in Sachlichkeit ...
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