Medienurteil Veronica Ferres scheitert mit Klage gegen Magazin

Die Story behagte ihr nicht, deshalb klagte Veronica Ferres gegen das Magazin "Park Avenue". Doch die Darstellerin zieht den Kürzeren: Das Hamburger Landgericht wies ihre Klage ab.


Hamburg - Auch wenn das Magazin selbst eingestellt werden musste: Für das Verlagshaus Gruner + Jahr ist es ein klarer Sieg. Die Klagen von Veronica Ferres und Martin J. Krug vor dem Hamburger Landgericht auf hohe Geldentschädigungen wegen angeblicher schwerwiegender Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte gegen "Park Avenue" wurden vom Hamburger Landgericht abgewiesen.

Schauspielerin Ferres, Martin Krug: Nicht persönlich verletzt
DPA

Schauspielerin Ferres, Martin Krug: Nicht persönlich verletzt

Das Gesellschaftsmagazin hatte in seiner Juni-Ausgabe vom 21. Mai 2008 einen großen Artikel über die Darstellerin und ihren Lebensgefährten veröffentlicht. Titel der Reportage: "Fall Ferres - Eine Schauspielerin zwischen Gutmenschen-Sucht und Geltungsdrang".

Der Fernseh- und Filmstar hatte sich mit großer Vehemenz gegen die Veröffentlichung gewehrt, sprach von einer "Hetzkampagne", die die Persönlichkeitsrechte schwer verletzt hätte. Die geforderten Geldentschädigungssummen hatten sich auf mindestens 100.000 beziehungsweise 80.000 Euro belaufen.

"Park Avenue" hatte erklärt, man habe nur wahrheitsgemäß über die beruflichen und sonstigen öffentlichen Aktivitäten der Kläger berichtet.

Das Hamburger Landgericht wies nun die Ansprüche auf Zahlung von Geldentschädigungen ab, wie Gruner + Jahr, das Verlagshaus von "Park Avenue", bekanntgab.

"Im vorliegenden Fall fehlt es an einer schweren Persönlichkeitsverletzung", befanden die Richter. "Die vorliegende Berichterstattung berechtigt weder hinsichtlich einzelner Äußerungen noch in ihrer Gesamtschau die Zuerkennung einer Geldentschädigung."

Im Hinblick auf bestimmte angegriffene Äußerungen des Artikels heißt es in dem Urteil weiter: "Daneben enthält die Berichterstattung zulässige Meinungsäußerungen."

"Stern"-Chefredakteur Andreas Petzold, damals zusätzlich Herausgeber von "Park Avenue", erklärte: "Das Urteil ist eine Genugtuung für gut recherchierende Journalisten. Es macht deutlich, dass sachlich fundierte Kritik am öffentlichen Auftreten Prominenter nach wie vor zulässig ist und dass es ihnen nicht gelingt, die Veröffentlichung unliebsamer Fakten zu unterdrücken."

Dem Mediendienst "Meedia" erklärte Petzold, man habe im Fall Ferres zwar eine Gegendarstellung drucken müssen, weil sie unabhängig vom Wahrheitsgehalt einer Tatsachenbehauptung durchgesetzt werden könne. Ansonsten aber bestehe man auf journalistische Qualität. Petzolds Fazit: "Man muss sich der Prominenz nicht immer auf Knien nähern."

Ob Ferres und Krug gegen das Urteil Berufung einlegen, ist zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht bekannt.

dan



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