Mehrwertsteuer EU will höhere Abgaben auf Kunst

Schönheit soll kosten: Die EU-Kommission fordert Deutschland auf, den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Kunstwerke abzuschaffen. Bisher war Kunst hierzulande mit nur sieben Prozent besteuert. Weil es dafür keine europäische Sondergenehmigung gibt, droht nun ein Strafverfahren.

Werke und Betrachter bei Kunstauktion: EU-Forderung könnte Preise steigen lassen
AP

Werke und Betrachter bei Kunstauktion: EU-Forderung könnte Preise steigen lassen


Brüssel - Kunstwerke in Deutschland werden teurer, wenn es nach der EU-Kommission geht. Die Brüsseler Behörde forderte Deutschland am Montag auf, die abgesenkte Mehrwertsteuer für Kunst- und Sammlerstücke anzuheben. Für sie gilt in Deutschland eine Mehrwertsteuer von sieben Prozent anstatt der üblichen 19 Prozent.

Der EU-weite Mindestsatz für die Umsatzsteuer liegt bei 15 Prozent. Je nach Land gibt es Ausnahmen für bestimmte Waren und Dienstleistungen. Da Deutschland keine Sondergenehmigung für Kunstgegenstände hat, drohen nun ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg und Geldstrafen.

Steuervergünstigungen für die meisten Kunstgegenstände gibt es laut Arbeitskreis Deutscher Kunsthandelsverbände seit Jahrzehnten in Deutschland - ausgenommen sind aber zum Beispiel Fotografien, Siebdrucke oder Lichtkunst. Auch die Gewerbesteuer oder andere Abgaben fallen für Kunst niedriger aus. "Zielsetzung aller Regelungen ist es, den Menschen einen möglichst breiten Zugang zu allen Formen von Kunst und Kultur zu ermöglichen", heißt es dazu beim Bundesfinanzministerium.

kuz/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Gerüchtsvollzieher 27.02.2012
1. Schönheit soll kosten....
...dann aber bitte auch sofort ein Strafverfahren wg. des ermässigten Steuersatzes auf Schnittblumen! Mach doch bitte Einer das dieser miese EU-und Euro-Film bald zu Ende ist, egal wie...
Tahlos 27.02.2012
2. Vielleicht sollter der
Zitat von sysopSchönheit soll kosten: Die EU-Kommission fordert Deutschland auf, den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Kunstwerke abzuschaffen. Bisher war Kunst hierzulande mit nur sieben Prozent besteuert. Weil es dafür keine europäische Sondergenehmigung gibt, droht nun ein Strafverfahren. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,817800,00.html
ermäßigte Steuersatz einfach nur für Dinge gelten die wirklich lebensnotwendig, wie "normale Lebensmittel" z.b. Warum ausgerechnet auf Kunst davon betroffen ist, wissen vermutlich nur diejenigen, die soviel Geld über haben, das sie Kunst als lebensnotwendig erachten (möchten). Was genau in diejenigen gefahren sein mag (außer persönlichem Vorteil) die das so geregelt haben, wird vermutlich ein ewiges Rätsel bleiben.
marcaurel1957 27.02.2012
3.
Zitat von sysopSchönheit soll kosten: Die EU-Kommission fordert Deutschland auf, den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Kunstwerke abzuschaffen. Bisher war Kunst hierzulande mit nur sieben Prozent besteuert. Weil es dafür keine europäische Sondergenehmigung gibt, droht nun ein Strafverfahren. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,817800,00.html
Die Kommission hat völlig recht, wenn es keine Ausnahmegenehmigung gíbt, dann hat Deutschland die MwSt unverzüglich zu erhöhen. Kritik daran fordert zur Vertragsuntreue auf und ist absurd. Eine andere Frage ist, weshalb es so viele Ausnahmen gibt, meiner Ansicht nach genügt es die Basics, also Lebensmittel und einge wenige andere Dinge von der Steuer zu befreien oder mit eine abgesenkten Steuer zu belegen, ganz sicher kein Hotelübernachtungen oder Schnittblumen
pannenbaker 27.02.2012
4.
Zitat von Tahlosermäßigte Steuersatz einfach nur für Dinge gelten die wirklich lebensnotwendig, wie "normale Lebensmittel" z.b. Warum ausgerechnet auf Kunst davon betroffen ist, wissen vermutlich nur diejenigen, die soviel Geld über haben, das sie Kunst als lebensnotwendig erachten (möchten). Was genau in diejenigen gefahren sein mag (außer persönlichem Vorteil) die das so geregelt haben, wird vermutlich ein ewiges Rätsel bleiben.
Möglicherweise der Gedanke, es unbekannten Künstlern zu erleichtern, weiterhin künstlerisch tätig zu sein und leichter Abnehmer zu finden. Interessanterweise müssen auch Künstler sich darum kümmern, wie die Butter aufs Brot kommt. Da die tägliche Produktion von Mona Lisas mit millionenschwerem Markwert eher nicht der Wirklichkeit entspricht ist, ist die verminderte Mehrwertsteuer in diesem Bereich durchaus sinnvoll - sonst würde Kunst noch mehr zum Luxusgut für Reiche. Fragwürdig ist eher, warum Fotokunst u.ä. davon ausgenommen sind.
M J F 28.02.2012
5. Belastung freischaffender Künstler
Als freischaffender Künstler ist es ausgesprochen schwierig, von der eigenen Kunst zu leben. Nur ganz wenigen Künstlern gelingt dies überhaupt. Man wählt seinen Beruf als Künstler aus "Berufung" und trägt dabei das Risiko einer sehr schwer abzusichernden Existenz. Persönlich bin ich seit einiger Zeit in der seltenen und glücklichen Lage, von meiner Malerei auch den persönlichen Bedarf decken zu können, aber eine Anhebung der Mehrwertsteuer bei Kunstobjekten von 7% auf 19% würde de facto eine Senkung des Lebensstandards und des Einkommens unserer Familie um 12% bedeuten. Leider sind nämlich Kunden nicht bereit, mehr als bestimmte Beträge für Kunstwerke auszugeben. Dieses Limit bleibt bestehen, auch wenn die Mwst. erhöht wird. Bestraft würde bei einer solchen Maßnahme eine der einkommensschwächsten Berufsgruppen. Getroffen werden Menschen, die Ihren Beruf aus reinem Idealismus ausüben, meist in vollkommen unsicheren Lebenssituationen existieren und für die eine weitere Einkommenssenkung – denn genau das bewirkt die Anhebung des Steuersatzes - eine existenzbedrohende Belastung darstellt. Glauben Sie mir, reiche Künstler sind eine hauchdünne Minderheit!
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