Melania Trump First Witzfigur

Ist Melania Trump eine Gefangene im Weißen Haus? Muss sie vor Donald Trump gerettet werden? Wer so fragt, tut so, als ginge es um die First Lady. Tatsächlich ist sie allen egal - es geht nur um ihren Mann.

Melania Trump (2016)
DPA

Melania Trump (2016)

Eine Kolumne von


Melania Trump hat es gewagt, sich 25 Tage lang nicht leibhaftig der Öffentlichkeit zu präsentieren und die Unruhe war groß: Da konnte was nicht stimmen. Die Frau musste wahlweise gerettet oder verhöhnt werden. Wer würde es schaffen, die plausibelste Verschwörungstheorie oder den besten Witz über die First Lady zu machen?

Es gab weltweit großes Engagement, darunter gefälschte Suchanzeigen wie bei vermissten Kindern, oder die Idee, Donald Trump habe seine Frau wie einen Hund ausgesetzt, die Leute gaben sich alle Mühe. Immer mit der Grundidee: Melania Trump ist Opfer der Umstände, in denen sie gefangen ist, sie ist überhaupt nicht anders denkbar denn als Geknechtete, Ausgenutzte, Hilfsbedürftige. Ganz weit vorne im Rennen stand ein Twitternutzer, der einen Tweet von Melania Trump so umstellte, dass die Anfangsbuchstaben der Sätze das Wort "HELP" ergaben.

Eine geheime Botschaft! Der Screenshot wurde über 340.000 mal geliked. Dass er nicht echt war - egal. Zu lustig, die Frau des US-Präsidenten würde... ja, was eigentlich? In einer derart missbräuchlichen Beziehung stecken und so verzweifelt sein, dass sie wildfremde Leute um Hilfe anfleht? Witzig!

Nicht freiwillig?

Diese Sorte von Witzen gibt es schon seit einer Weile. Vor #missingMelania gab es schon #freeMelania, und die Idee war ähnlich: Es kann nicht sein, dass Melania Trump freiwillig in dieser Situation ist, sie muss da rausgeholt werden. Auf dem Women's March, der nach Donald Trumps Amtseinführung stattfand, gab es zahlreiche Schilder wie "Melania, blink for help" oder Bilder von Melania mit pinkem Pussyhat und Sonnenbrille, wie sie heimlich auf der Demo für Frauenrechte mitläuft. Nicht immer waren diese Witze so ganz gut getrennt von der Häme, die Melania Trump ohnehin für ihr Aussehen und ihre Aussprache erhält, für ihre Nacktfotos und schlechten Reden und den vielleicht falsch angegebenen Uniabschluss. Sonderausgabe "Sexismus und Klassismus gegen ganz oben", alles so geil billig im Vergleich zu classy Michelle Obama.

Es sind tausend Gründe denkbar, warum Melania Trump sich eine Weile der Öffentlichkeit entzogen hat und angekündigt hat, ihren Mann nicht auf allen Reisen zu begleiten. Man kann sich gut vorstellen, dass bei Familie Trump der Haussegen schief hängt seit den Missbrauchsvorwürfen gegen Trump, seit der Veröffentlichung seiner "grab them by the pussy"-Sprüche, seit der Affäre um Stormy Daniels, die darüber plauderte, wie sie Trump den Hintern versohlte.

Es ist nicht schön, sich vorzustellen, wie sich das anfühlt, wenn man die Frau ist, die neben diesem Typen in der Öffentlichkeit eine Rolle spielen muss, in der sie möglichst vorbildlich rüberkommt. Eine Öffentlichkeit, die jede Handbewegung registriert, jeden Blick und jede Kleiderwahl. Und dann schreibt ihr Mann auch noch ihren Namen falsch auf Twitter. Vielleicht ist das alles schrecklich für sie. Aber: Wir haben keine Ahnung. Wir wissen nicht, welche Deals das Ehepaar untereinander hat und warum Melania Trump nicht jeden Tag aus dem Haus gehen will.

ANZEIGE
Margarete Stokowski:
Untenrum frei

Rowohlt; 256 Seiten; 12 Euro

Die First Lady wurde erst vor Kurzem an der Niere operiert. Man kann schon mal das Bedürfnis haben, danach im Bett zu bleiben. Vielleicht hat sie auch einfach wahnsinnigen chronischen Durchfall, und wer will das so genau wissen, bitte. Vielleicht ist ihr nicht wohl in ihrer Situation, vielleicht versucht sie trotzdem, das Beste draus zu machen.

Vielleicht findet sie ihren Mann manchmal unerträglich. Sie hat kritisiert, dass seine Sprache unangemessen war in den "grab them by the pussy"-Sprüchen, aber verteidigte ihn ansonsten. Er sei da reingezogen worden. Vielleicht steht sie auch einfach politisch exakt auf seiner Seite, vielleicht hat sie kein Problem mit all den Dingen, die ihm vorgeworfen werden.

Ehefrauen als Statussymbole?

Wie auch immer es sein mag: Wir werden es wahrscheinlich nie rausfinden. Es wäre entsetzlich, wenn Melania Trump tatsächlich in einer derart schrecklichen Lage ist, wie in den Witzen und Demosprüchen über sie suggeriert wird: in einer kaum aushaltbaren Beziehung in einem Gefängnis namens Weißes Haus, mit dem bekanntesten Pussygrabber der Welt. Wer allerdings tatsächlich diese Art von Sorgen um Melania Trump hat, der wird keine pinken Demoschilder dazu malen. Der wird sich dreimal überlegen, wie lustig es ist, über Dinge wie häusliche Gewalt oder Frauen, die irgendwo eingesperrt sind, Witze zu machen.

Aber man kann davon ausgehen, dass das nicht die Hauptsorgen derer sind, die #freeMelania- und #missingMelania-Witze machen. Melania Trump ist eigentlich egal. Nichts von dem, was sie tut, ist wirklich skandalös, aber alles davon ist gut genug für Witze, die ihrem Mann schaden sollen. Wahlweise, weil er seine Frau nicht unter Kontrolle hat - wenn er versucht ihre Hand zu greifen - oder weil er sich keine repräsentativere Frau gesucht hat - die gute Reden hält und alle mitreißt wie Michelle Obama. Da kann man sich dann vielleicht noch mal in Ruhe überlegen, ob es so eine gute Idee ist, Ehefrauen als geglückte oder nicht geglückte Statussymbole zu betrachten.

Mehr zum Thema
Newsletter
Kolumne - Oben und unten


insgesamt 106 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
quark2@mailinator.com 05.06.2018
1.
Woher eigentlich der Anspruch der Öffentlichkeit auf Melania Trump ? Sie hat sich nie zur Wahl gestellt, sondern ihren Mann begleitet. Als sie ihn heiratete hat sie wohl eher nicht vorhersehen können, daß er kandidieren würde. Er wurde gewählt, er macht den Job. Sie tut das Notwendige, um ihn nicht im Stich zu lassen, aber sie ist nicht Teil der Präsidentschaft. Im Gegensatz zu Hilary Clinton oder Michele Obama ist Melania Trump offenbar nicht interessiert daran, selbst politisch tätig zu sein. Aus meiner Sicht ist das ihr gutes Recht. Warum kann man es ihr nicht zugestehen und sie einfach in Ruhe lassen ? Das der Mann von Angela Merkel sich raushält, hat bisher auch nicht zu Aufständen geführt, oder ?
lollopa1 05.06.2018
2. ohje Frau Stokowski.......
mehr Konjunktiv in einen Artikel packen geht echt nicht!
vetris_molaud 05.06.2018
3.
Schon vor Trumps Präsidentschaftswahlkampf war Trumps Verhaltensweisen, Einstellungen und Mentalität zumindest in den USA allseits bekannt. Einer Frau, die so einen Mann heiratet, und, wichtiger noch - bei ihm bleibt, muss gewichtige Gründe haben. Faktisch spielt sie „Die Schöne und das Biest“, und muss eben mit Kommentaren, Satire und Spott über ihre Person klarkommen.
jujo 05.06.2018
4. ...
Das Problem von Typen wie Trump ist, das sie keine Frauen an ihrer Seite haben wie z.B. Michelle Obama. Ich will der Frau Trump nicht zu nahe treten, aber sie mußte, schon vor der Wahl, mitbekommen haben was für ein Typ ihr Mann ist. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.
bitte.was 05.06.2018
5. Kollumne gelesen
und trotzdem absolut keine Ahnung worum es jetzt genau ging oder was die Message sein soll...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.