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"Sunday Times" trifft auf TV-Sender: Wenn Journalisten zu Babyhändlern werden

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"Sunday Times": Zwei Reporter auf der Suche nach dem Scoop

Vier Journalisten auf der Suche nach dem großen Scoop: Zwei britische Reporter sagen, sie wollen ein Baby kaufen, zwei bulgarische haben angeblich eins im Angebot. Wie endet die Geschichte?

Vier Journalisten in zwei Ländern mit einem hehren Ziel: Sie wollen Menschenhandel aufdecken. Ihre Recherche beginnt wie ein Krimi und endet als Komödie. Inzwischen können auch die Beteiligten darüber schmunzeln.

Angefangen hat alles mit einer Anzeige in einem bulgarischen Online-Forum. "Hallo, wir wollen wirklich gern ein Baby haben, vielleicht auch zwei. Wir sind bereit zu zahlen, was es kostet." Hinter der Anzeige verbarg sich ein britisches verheiratetes Ehepaar, er Architekt, sie Hausfrau mit genug Zeit, um sich voll und ganz um die Kinder zu kümmern. So haben sich zwei Journalisten der britischen "Sunday Times" zumindest vorgestellt.

Die Antwort kam schnell: "Wir haben gesehen, dass Sie ein Baby kaufen wollen. Wie alt sollte es sein? Bitte geben Sie mehr Details, wenn Sie noch keins gefunden haben." Hinter der Antwort verbargen sich bulgarische Menschenhändler mit besten Baby-Kontakten - diesen Eindruck wollten die Journalisten des bulgarischen Fernsehsenders Nova zumindest erwecken.

"Das ist uns noch nie passiert!"

Eine Woche später reiste das britische Ehepaar nach Bulgarien in eine Hotellobby mit dunklen Ledersofas und schummrigem Licht. Sie trafen auf eine junge Frau mit langen Haaren, begleitet von einem jungen Herrn in Lederjacke, sie angeblich die Menschenhändlerin, er ihr Übersetzer.

Inzwischen kann jeder an diesem konspirativen Treffen teilhaben: Denn der Sender Nova hat das Recherche-Malheur inzwischen veröffentlicht und ins Netz gestellt. Jeder kann verfolgen, wie die vier über unerfüllte Kinderwünsche sprechen, über Papiere, über legale und illegale Adoptionen in Bulgarien, und wie sich die Parteien irgendwann wieder verabschieden, ohne ein Baby ge- oder verkauft zu haben. Denn wie es sich für investigative Journalisten gehört, haben sie ihr Treffen natürlich aufgezeichnet, ganz unauffällig mit einer versteckten Kamera.

Davon erfuhren die Beteiligten allerdings erst einige Tage später, als sie wieder E-Mails schrieben. Sie gaben sich gegenseitig als Journalisten zu erkennen, stets auf der Suche nach dem großen Scoop. "Wir amüsieren uns sehr darüber", schrieb die Journalistin der britischen "Sunday Times", "das ist uns noch nie passiert!"

fln

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