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"Mephisto": Schauspieler Romuald Pekny ist tot

Als Schauspieler wollte sich Romuald Pekny in kein Korsett zwängen lassen, gebrochene Charaktere waren ihm die liebsten. Jetzt ist der widerspenstige Österreicher und Goethe-Mime im Alter von 87 Jahren gestorben.

Wien - Der österreichische Schauspieler Romuald Pekny gehörte zu den bedeutendsten Charakterdarstellern des deutschsprachigen Theaters. Heute ist er nach langer, schwerer Krankheit in einem Linzer Krankhaus gestorben. Das teilte die Nachrichtenagentur AP mit. Er wurde 87 Jahre alt.

Kammerschauspieler Pekny: Paraderolle "Mephisto"
DPA

Kammerschauspieler Pekny: Paraderolle "Mephisto"

Die österreichische Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) würdigte Pekny mit den Worten: "Jede Rolle schien ihm auf den Leib geschrieben zu sein. Die Bühnenwelt, die Welt des Wortes, verliert mit seinem Tod einen ihrer größten Vertreter".

Der 1920 in Wien geborene Pekny absolvierte das Max-Reinhardt-Seminar und spielte an vielen Bühnen Deutschlands, der Schweiz und Österreichs. Ab 1958 war er Ensemble-Mitglied der Münchner Kammerspiele und gastierte am Wiener Burgtheater und bei den Salzburger Festspielen.

Zu seinen herausragenden Rollen zählen die Titelrolle in Lessings "Nathan der Weise" und der "Mephisto" in Goethes "Faust". In München sah man ihn unter Fritz Kortner in drei bedeutenden Shakespeare-Rollen: In "Timon von Athen (1961), Jago im "Othello" (1962 und 1964 am Burgtheater) und als "Richard III" (1963).

Einem breiten Publikum bekannt wurde der Wiener durch Rollen in Fernsehspielen und Literaturverfilmungen. So erlebte man ihn 1964 in "Professor Bernhardi" nach dem Stück von Arthur Schnitzler oder in Rolf von Sydows "Der Floh im Ohr" (1966). 1975 spielte er in Georg Büchners Lustspiel "Leonce und Lena" den König Peter an der Seite von Klaus Maria Brandauer.

In den vergangenen Jahren widmete sich Pekny vor allem der Rezitation. Er begeisterte das Publikum mit klassischen Balladen und literarischen Texten. Gemeinsam mit seiner Frau initiierte er den "Ausseer Kultursommer". Den österreichischen Fernsehzuschauern ist er als "Abraham a Santa Clara" (1644 -1709) bekannt. Zehn Jahre lang erweckte er die wortgewaltigen Barockpredigten des Augustiners zum Leben.

Als besondere Stärke galt Peknys Interpretation von gebrochenen, nachdenklichen Figuren mit Ängsten und Schwächen. Für seine schauspielerischen Leistungen wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1982 mit dem Grillparzer-Ring und 1995 mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Im Jahr ernannte ihn der österreichische Bundespräsident zum Kammerschauspieler.

tho/AP

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