Antisemitismus-Vorwürfe Met sagt Mord-Oper ab

"Perverser Versuch, einen Mord zu legitimieren"? Die Metropolitan Opera hat eine Kinoübertragung von John Adams Oper "The Death of Klinghoffer" abgesagt - das Werk behandelt den schockierenden Tod eines jüdischen US-Amerikaners.

AP

New York - Die New Yorker Metropolitan-Oper hat eine weltweite Kinoübertragung der Oper "The Death of Klinghoffer" abgesagt. Die für den November geplante Vorführung in mehr als 60 Ländern werde gestrichen, teilte das Opernhaus am Dienstag mit. Die geplanten acht Vorstellungen an der Metropolitan-Oper selbst sollen im Herbst aber wie geplant stattfinden.

Wie die "New York Times" berichtet, habe sich die Metroplitan Opera nach Einwänden der Anti-Defamation League (ADL), einer US-amerikanischen Organisation, die Diffamierung von Juden bekämpft, gegen die Übertragung entschieden. Nach Angaben der Zeitung äußerte die ADL die Sorge, eine Kinoübertragung würde antisemitische Ressentiments anfachen - wenn auch das Werk selbst nicht als antisemitisch bezeichnet werden könne.

Die Oper "The Death of Klinghoffer" ist ein Werk des amerikanischen Komponisten John Adams. 1991 in Brüssel uraufgeführt, handelt sie von den Umständen des Todes Leon Klinghoffers, eines Amerikaners jüdischer Konfession. Der querschnittsgelähmte, damals 69-jährige Mann wurde 1985 auf dem entführten Kreuzfahrtschiff "Achille Lauro" von Palästinensern ermordet - die Terroristen hatten ihn aufgrund seiner Staatsbürgerschaft und seiner Glaubens unter den über 500 Passagieren ausgesucht und getötet. Anschließend zwangen sie Mitglieder der Besatzung, den Leichnam samt Rollstuhl ins Mittelmeer zu werfen.

John Adams, Jahrgang 1947, gilt als einer der profilierten Komponisten seiner Generation. Bekannt wurde unter anderem seine Oper "Nixon in China". Das bis heute häufig aufgeführte und sogar verfilmte Werk "The Death of Klinghoffer" löste nach seiner Erstaufführung in den USA, 1991 in San Francisco, eine heftige Debatte aus, in der dem Libretto von Alice Goodman unter anderem Naivität vorgeworfen wurde.

Umstritten ist "The Death of Klinghoffer" unter anderem wegen des Eröffnungschorus, in dem Palästinenser einseitig als Opfer des israelischen Staats dargestellt werden.

Die Töchter des Ermordeten bezeichneten das Werk in der "New York Times" nun als "perversen Versuch, den Mord an ihrem Vater zu romantisieren, zu rationalisieren und zu legitimieren". Adams selbst teilte mit, seine Oper verurteile den brutalen Mord an Leon Klinghoffer rundheraus.

sha/dpa

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