Gewaltverbrechen Journalist in Mexiko getötet

Er hatte über Menschenrechte berichtet und war bereits in ein Schutzprogramm aufgenommen worden - nun ist der Journalist Rafael Murúa tot.

Auf einer Mauer an der Grenze zwischen den USA und Mexiko steht "140 Journalisten ermordet in Mexiko"
AFP

Auf einer Mauer an der Grenze zwischen den USA und Mexiko steht "140 Journalisten ermordet in Mexiko"


In Mexiko ist erneut ein Journalist getötet worden. Rafael Murúa, der einen Radiosender im Norden des mexikanischen Bundesstaates Baja California Sur geleitet hatte, sei ermordet worden. Das schrieb Gouverneur Carlos Mendoza im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Vergangenes Jahr hatte die Organisation neun Journalistenmorde in Mexiko gemeldet. Damit war es das drittgefährlichste Land für Medienvertreter nach Afghanistan und Syrien. Seit dem Jahr 2000 wurden in Mexiko mehr als hundert Journalisten umgebracht - die meisten dieser Taten blieben straffrei.

Seit Sonntag vermisst

Murúa berichtete beim Radiosender Kashana über Menschenrechte, Umweltschutz und Kultur. Nach Angaben des Mexiko-Chefs von "Reporter ohne Grenzen" war Murúa in ein Schutzprogramm für Journalisten und Menschenrechtsaktivisten aufgenommen worden.

Der 34-Jährige hatte örtlichen Medien zufolge zuvor Morddrohungen erhalten. Am Sonntag war er verschwunden. Die Leiche von Rafael Murúa sei mit schweren Verletzungen an der Brust am Rande einer Landstraße entdeckt worden, berichteten lokale Medien unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft.

"Dieses feige Verbrechen wird nicht ungestraft bleiben", versicherte Gouverneur Mendoza. Es würden alle Hinweise verfolgt, um die Tat aufzuklären. Er sprach Murúas Angehörigen sowie allen Journalisten in Baja California Sur seine Solidarität aus.

Verstärkt durch den blutigen Drogenkrieg und politische Korruption sind Gewaltverbrechen in Mexiko sehr weit verbreitet. Nun meldeten die Behörden des Landes eine Rekordzahl an Tötungsdelikten. Demnach kamen vergangenes Jahr 33.341 Menschen gewaltsam ums Leben. Bereits 2017 war mit 28.866 Tötungsdelikten ein neuer trauriger Rekord aufgestellt worden.

Nicht-funktionierender Sicherheitsapparat

Die Mordrate in Mexiko steigt stetig an, seit der frühere Staatschef Felipe Calderón 2006 einen Krieg gegen die mächtigen Drogenkartelle im Land begonnen hatte. Experten wie Raúl Benítez von der Autonomen Nationalen Universität von Mexiko machen einen nicht funktionierenden Sicherheitsapparat dafür verantwortlich. "Die Armee wurde gelähmt durch zahlreiche Anti-Drogen-Einsätze und der Angst, wegen Menschenrechtsverletzungen beschuldigt zu werden", sagte Benítez.

Die Regierung des neuen linksgerichteten Staatschefs Andrés Manuel López Obrador will daher eine Nationalgarde gründen, die die Aufgaben der unter der Kontrolle der Armee stehenden Zivilpolizei übernehmen soll. Diese Reform erfordert allerdings eine Verfassungsänderung.

Im Video: Mein Mexiko - Drogenkrieg, Gewalt und Korruption

dbate.de

sth/AFP/dpa



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.