Ausstellung über den "King of Pop" So sahen Künstler Michael Jackson

Pop-Genie oder Zerrbild seiner selbst? Michael Jackson polarisiert. Wie nahmen Künstler den Star wahr? Eine Ausstellung zeigt Porträts - darunter Werke von Andy Warhol und David LaChapelle.

Kehinde Wiley/ Olbricht Collection/ Foto: Jeurg Iseler/ Courtesy of Stephen Friedman Gallery/ Sean Kelly Gallery/ Kehinde Wiley

Von Katharina Koerth


Mit blauem Umhang, Schwert und Ritterrüstung sitzt Michael Jackson auf einem Schimmel. Zwei Engel schweben über ihm, einer hält einen Blätterkranz - das Bild erinnert an den Kitsch, mit dem sich Jackson zu Lebzeiten auf seiner Neverland-Ranch selbst umgab. Gesehen hat Jackson das bei Kehinde Wiley in Auftrag gegebene Porträt nicht mehr, er starb bevor es fertig war. Wahrscheinlich hätte er sich aber für gut getroffen gehalten - königlich, mit einer Vorliebe für exzentrische Outfits.

Die Fans, die Jackson noch immer als genialen Musiker und Tänzer verehren, werden diese Deutung wohl mitgehen. Für andere symbolisiert der Popstar bis heute das Krankmachende im Show-Business: ein schwarzer Hoffnungsträger, der mit Hautbleichungen und Nasenverkleinerungen sich selbst wegzuoperieren schien - und am Ende unter Pädophilie-Verdacht stand.

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Ausstellung über Michael Jackson: So hat die Kunstwelt den "King of Pop" gesehen

Die Kontroversen um Jackson haben auch in der modernen Kunst ihre Spuren hinterlassen - über Generationen, Geschlechter und Genres hinweg: Er beeinflusste die Arbeiten von internationalen Größen wie Starfotograf David LaChapelle, Künstlerin Isa Genzken und Quilt-Malerin Faith Ringgold.

Zwischen Kunst und Realität

Die National Portrait Gallery in London zeigt nun in der Ausstellung "On the Wall", wie 48 Künstler Michael Jackson gesehen haben - und fängt dabei ganz unterschiedliche Facetten seiner popkulturellen Bedeutung ein: Das Porträt in Ritterrüstung etwa ist dem Gemälde des spanischen Königs Philipp II. nachempfunden, das einst Rubens anfertigte. Jackson hat darauf weiße Haut, langes, glattes Haar und eine spitze Nase. Auch Gary Hume stellt Jackson so dar, wie er in seiner letzten Lebensphase aussehen wollte. Allerdings weniger idealisiert: Ein Auge ist schwarz umrandet, das Weiß seiner Haut steht im maximalen Kontrast zu seinen schwarzen Augenbrauen und Haaren:

Michael Jackson von Gary Hume
Gary Hume/ Courtesy of Sprüth Magers & Matthew Marks/ DACS

Michael Jackson von Gary Hume

Starfotograf David LaChapelle wiederum inszeniert Jackson in einer Zwischenwelt aus Künstlichkeit und Realität: Ein Model läuft über einen Weg aus leuchtenden Kuben und streckt die Arme Richtung Jackson aus, der mit einem Standbild aus dem Kurzfilm "Billie Jean" dargestellt ist. Auch Andy Warhol verewigte für das Titelbild des Time-Magazins 1984 den jungen Michael Jackson: leicht lächelnd, mit blau umrahmten Gesicht vor knallgelbem Hintergrund. Warhol kannte den Sänger persönlich - der "King of Pop Culture" porträtierte den "King of Pop".

Politischer geht es bei Todd Gray zu: Er war von 1979 bis 1983 der persönliche Fotograf des Stars. Für "On the Wall" wollte er ursprünglich Kritik an Jacksons Streben nach weißen Schönheitsidealen üben. Dann änderte er seine Pläne - er hätte erkannt, dass Jacksons Operationen nur Symptom für ein systemisches Problem der amerikanischen oder westlichen Kultur seien. Jetzt mischt Gray seine Jackson-Bilder mit Fotografien aus Ghana, um "Michael in der afrikanischen Diaspora zu platzieren; um ein Gespräch über Kolonialismus anzustoßen."

Einige Künstler verarbeiten Jacksons Lebenswerk aus der Perspektive seiner Bewunderer. Manche brechen die Verehrung dabei nur subtil: Catherine Opie gestaltet den archetypischen Fan-Nachttisch, Candice Breitz lässt 16 Anhänger das gesamte Thriller-Album parallel singen.

Dann wieder wird das Fantum aber direkt gespiegelt: Rodney McMillian fotografiert das Publikum, um zu zeigen: Jemanden anzuhimmeln ist ein zutiefst menschlicher Impuls.


Die Ausstellung "On the Wall" ist noch bis zum 21. Oktober 2018 in der National Portrait Gallery in London zu sehen. Vom 22. März bis zum 14. Juli 2019 gastiert sie in der Bundeskunsthalle in Bonn.



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