Bedeutender deutscher Fotograf Michael Schmidt ist tot

Er gilt als einer der wichtigsten Fotografen weltweit, das New Yorker MoMA würdigte den Deutschen mit einer eigenen Schau: Michael Schmidt. Nun ist der Künstler im Alter von 68 Jahren gestorben.

Schmidt im Januar 2013 im Gropius-Bau in Berlin in seiner Ausstellung "Michael Schmidt. Lebensmittel"
DPA

Schmidt im Januar 2013 im Gropius-Bau in Berlin in seiner Ausstellung "Michael Schmidt. Lebensmittel"


Hamburg/Berlin - Jahrzehntelang fotografierte Michael Schmidt nur in schwarz-weiß und in den Vierteln West-Berlins - und galt als bester Porträtist dieser Alltagswirklichkeit vor der Wiedervereinigung. Im Alter von 68 Jahren ist der deutsche Fotograf nun gestorben, wie die Nachrichtenagentur AP und das Kunstmagazin Monopol berichten. Besonders in den USA gilt der 1945 in Berlin geborene Künstler als Koryphäe. Er war einer der ersten deutschen Fotografen, dem das Museum of Modern Art (MoMA) in New York eine Einzelausstellung widmete.

Zuletzt hatte er 2012 mit der Serie "Lebensmittel" für Aufsehen gesorgt. Dafür hatte er Lachsfarmen, Brotfabriken, Milchviehbetriebe, Schlachthöfe und Gemüseproduktionen besucht und Aufnahmen gemacht. So dokumentierte er, wie Lebensmittel industriell produziert werden. Für das Projekt hatte er erstmals vereinzelte Farbfotografien angefertigt. Erst drei Tage vor seinem Tod soll er erfahren haben, dass er dafür in der Schweiz ausgezeichnet werden sollte.

Schmidt ist in Berlin-Kreuzberg geboren. Zunächst machte der spätere Künstler eine Malerlehre, die er aber abbrach. 1963 trat er in den Polizeidienst ein. Zwei Jahre später, im Alter von 20 Jahren, begann er, sich das Fotografieren als Autodidakt beizubringen.

Er selbst sah sich als neutralen Dokumentaristen. Bekannt wurde er vor allem durch seine umfangreichen Fotoserien, an denen er jeweils mehrere Jahre kontinuierlich arbeitete. 1975 gründete er die Werkstatt für Photographie an der VHS Kreuzberg, die zum bedeutendsten internationalen Forum für die Diskussion über Fotografie in West-Berlin avancierte. 1988 gelang ihm mit "Waffenruhe" der internationale Durchbruch.

Noch bis zum 14. Juni ist eine Ausstellung von ihm im Victoria and Albert Museum in London zu sehen.

vks/AP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.