Michael Wolff Wer ist der Autor des Trump-Enthüllungsbuchs?

Er wurde bekannt als scharfzüngiger Kolumnist - nun will Michael Wolff enthüllen, dass Donald Trump über seinen Wahlsieg schockiert gewesen sei. Doch der Publizist ist umstritten.

Michael Wolff (im New Yorker Trump Tower)
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Michael Wolff (im New Yorker Trump Tower)


Steve Bannon halte Donald Trump Jr., den Sohn des Präsidenten, den er einst beriet, für einen Verräter. Und Donald Trump selbst hätte im Wahlkampf nicht an seinen Sieg geglaubt - und eigentlich gar nicht Präsident werden wollen.

Das sind nur zwei von vielen spektakulären Aussagen aus einem Enthüllungsbuch, das die USA in Atem hält, seit der britische "Guardian" und das "New York"-Magazin Auszüge vorab veröffentlicht haben. Die Nachfrage ist groß: "Fire and Fury: Inside the Trump White House" hat es direkt auf Platz eins der Amazon-Bestsellerliste geschafft.

Einen solchen Erfolg hat der Buchautor Michael Wolff bisher noch nicht erlebt. Aber es ist nicht sein erster Bestseller. Wolff schrieb über den Goldrausch des Dotcom-Zeitalters, er porträtierte den Medienmogul Rupert Murdoch, er feierte die Renaissance des Fernsehens in den Nullerjahren. Doch seine Geschichten aus dem Weißen Haus schlagen alles.

Mehr als 200 Interviews habe er für das Buch geführt, mit Insidern der Trump-Kampagne, mit Personal aus dem Weißen Haus, schreibt Wolff. Manche Gesprächspartner hätten sich umstandslos zitieren lassen, andere überließen ihm Informationen in Hintergrundgesprächen, deren Zitierfähigkeit dann später nebenbei bescheinigt worden sei. Die Unerfahrenheit der Regierenden und ihre Verachtung der politischen Normen habe zu einem "Kuddelmuddel der journalistischen Anforderungen" geführt, heißt es in einem Begleitkasten zur Vorabveröffentlichung des "New York"-Magazins.

Präsident Trump hat über seine Anwälte Steve Bannon bereits eine Unterlassungsklage angedroht. Seine Regierungssprecherin Sarah Huckabee Sanders sagte, Wolffs Buch sei "gefüllt mit falschen und irreführenden Darstellungen Einzelner, die keinen Zugang zum Weißen Haus oder keinen Einfluss" auf den Präsidenten hätten. Keine ungewöhnliche Reaktion der Sprecherin auf Kritik an Trump.

Konventionelles Reportertum ist seine Sache nicht

Doch das "Kuddelmuddel" löste auch bei langjährigen Beobachtern der Medienszene Skepsis aus. Paul Farhi, der Medienreporter der "Washington Post", schreibt, dass zwar niemand den Buchautor Wolff für einen Langweiler halte. Aber Kritiker würden ihm nachsagen, die Fakten so weit wie möglich zu dehnen - und manchmal sogar noch weiter.

Michael Wolff wurde in der New Yorker Medienszene Ende der Neunziger- und Anfang der Nullerjahre berühmt und berüchtigt als scharf formulierender Kolumnist. Den "It-Boy der New Yorker Medien" nannte ihn das Magazin "New Republic" 2004 in einem großen Porträt anlässlich seines Wechsels zu "Vanity Fair".

Darin hieß es bereits, Wolff erzähle keine Szenen nach, sondern erfinde sie - auf der Basis seines auf Cocktailpartys und bei Mittagessen aufgeschnappten Wissens. Dass das konventionelle Reportertum seine Sache nicht sei, gab er damals in dem Text selbst freimütig zu - und beschrieb 2012 in einem Kommentar für den "Guardian" noch ausführlicher Vorwürfe solcher Art als einen Konflikt zweier journalistischer Schulen, zwischen den "Wörtlichnehmern" und den "Fabulierern". ("It's the literalists versus the fabulists.")

Er lobt in dem Text etwa Truman Capote als den Autor, der mit seiner literarischen Reportage "In Cold Blood" die Verbrechensberichterstattung "gerettet" habe - das bloße nachrichtliche Umschreiben von Polizeiberichten bezeichnete er als "verkommene Form". Für die sinkende Leidenschaft der Leser für den Journalismus machte er nicht gelegentliche Faktenfehler verantwortlich, sondern schlechte Schreiber.

Kritiker sahen das anders: Wolffs erster Bucherfolg "Burn Rate" über seine Zeit als Gründer eines Internet-Start-ups in den Neunzigern (auf Deutsch unter dem Titel "Goldrausch" erschienen), wurde dafür kritisiert, dass darin aus Gesprächen ausgiebig und wörtlich zitiert werde, bei denen sich der Autor nur wenige Notizen gemacht hätte.

Und über Wolffs Biografie seines Vaters (auf Deutsch als SPIEGEL-Buch "Der Medienmogul: Die Welt des Rupert Murdoch" erschienen) sagte James Murdoch im SPIEGEL: "Ich kann Ihnen nur raten, vorsichtig mit dem Wort Biograf umzugehen. Dieser Mann macht jetzt Karriere, indem er sich an eine Person und ein Unternehmen hängt, das er nicht wirklich kennt."

Wie gut sich Michael Wolff in Donald Trumps Weißem Haus auskennt, wird zunächst umstritten bleiben. Zuletzt hieß es, dass Wolff Aufnahmen seiner Quellen habe - Dutzende Stunden. Sie könnten Zweifel zerstreuen.

feb

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spassig 04.01.2018
1. News vs Fake News
Falls es stimmt was Herr Wolff schreibt, dann sind es News. Falls es nicht stimmt was Herr Wolff schreibt, dann sind es halt Fake News. Jochen
romeov 04.01.2018
2. Wenn ich das so lese
...glaube ich die USA zerlegt sich selbst. Mir klingelt noch das Zitat in den Ohren: „Fragt nicht, was Euer Land für Euch tun kann, fragt, was Ihr für Euer Land tun könnt.“ Aber das scheint lange her zu sein.
amon.tuul 04.01.2018
3. Wir haben leider Null
echte Debatten über echte Entscheidungen. Der deutsche Wähler durfte Mrs. alternativlos nicht abwählen trotz lächerlichen 30% für Union. Deutschland braucht anderes Wahlsystem. Wir sind nur noch lobbygesteuert. In Usa gibts wenigstens noch Zoff. Hier gibts Altmayer und Maassen und Blödzeitung.
geotie 04.01.2018
4.
Zitat von romeov...glaube ich die USA zerlegt sich selbst. Mir klingelt noch das Zitat in den Ohren: „Fragt nicht, was Euer Land für Euch tun kann, fragt, was Ihr für Euer Land tun könnt.“ Aber das scheint lange her zu sein.
Wenn man so sieht, für wenn der Präsident so alles arbeitet, ehhh beglückt, warum sollten die Bürger nicht ebenfalls für sich sein und nicht den Präsidenten unterstützen. Im Grunde ist der schon viel zu lange auf dem Chefsessel!
Bueckstueck 04.01.2018
5. Wurscht
Ob der Inhalt im Detail stimmt oder nicht, ist mir herzlich egal. Wichtig ist alleine, dass trump sich in der Reaktion darauf weiter isoliert, weil er selbst auch nicht weiss wer was über ihn gesagt hat. Ausserdem ist wichtig, dass es nun zwischen den beiden faschistoiden Clowns trump und bannon Krieg geben wird und in der Folge wird auch trumps Gefolge sowie seine apathischen Stangenhalter in der Partei hineingezogen. Das wird ein rechts-aussen Gemetzel welches am Ende vor allem trump selbst und der republikanischen Partei schaden wird - den Demokraten wurde heute die midterms auf dem Silbertablett päsentiert, sie müssen nur noch zugreifen. Wenn sie es richtig anstellen ist trump heute in einem Jahr nur noch eine böse Erinnerung.
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