Millionenbetrug Kunstfälscher muss sechs Jahre in Haft

In einem der größten Kunstfälscher-Prozesse seit dem Zweiten Weltkrieg ist das Urteil gefallen: Der Kölner Wolfgang Beltracchi wurde wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu sechs Jahren Haft verurteilt. Seine drei Mittäter kommen zum Teil mit Bewährungsstrafen davon.

Wolfgang Beltracchi: Milde Strafe wegen ausführlichen Geständnisses
dapd

Wolfgang Beltracchi: Milde Strafe wegen ausführlichen Geständnisses


Hamburg/Köln - Im Kölner Kunstfälscherprozess hat das Landgericht Haftstrafen von bis zu sechs Jahren gegen die vier Angeklagten verhängt. Die höchste Strafe erhielt der Drahtzieher und Maler Wolfgang Beltracchi, 60. Er und drei Mittäter hatten gestanden, über Jahre hinweg gefälschte Meisterwerke bekannter Maler wie Max Pechstein und Max Ernst in den Kunstmarkt geschleust und dafür Millionenbeträge kassiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte die Gewinne auf 16 Millionen Euro geschätzt. Das Verfahren galt als einer der größten Kunstfälscherprozesse seit Jahrzehnten.

Bei den betrügerischen Geschäften gaben die Angeklagten unter anderem vor, die Bilder stammten aus einer in Wahrheit nicht existierenden "Sammlung Werner Jägers" beziehungsweise einer ebenfalls fingierten "Sammlung Wilhelm Knops". Die Fälschungen waren jahrelang nicht aufgefallen und über renommierte Auktionshäuser und Galerien verkauft worden.

Beltracchis Frau Helene, 53, muss laut Urteil vier Jahre ins Gefängnis, der Komplize Otto S.-K. fünf Jahre. Helene Beltracchis Schwester Jeanette S., 54, erhielt ein Jahr und neun Monate auf Bewährung. Das Gericht sprach das Quartett des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs schuldig.

Die vergleichsweise milden Strafen sind das Ergebnis einer Absprache zwischen den Prozessbeteiligten. Mitte Oktober hatte das Gericht den Angeklagten im Falle umfassender Geständnisse Haftstrafen bis zu höchstens sechs Jahren und die Einstellung weiterer Ermittlungen in Aussicht gestellt. Ursprünglich war die Vernehmung von mehr als 160 Zeugen und zehn Gutachtern geplant. Durch die ausführlichen Geständnisse der Angeklagten verzichtete das Gericht aber auf die Vernehmungen und kam deutlich früher zu seinem Urteil.

sha/dpa/afp



insgesamt 27 Beiträge
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huberwin 27.10.2011
1. Da wird er fleißig weitermalen
und die erlauchte Kunstwelt wird dann endlich einen echten BELTRACCI kaufen können. Ergänzt wird das ganze dann durch Kunstdrucke, Bücher und Talkshowauftritte in sämtlichen deutschen Medien.
verissimus 27.10.2011
2. Armselige
Zitat von sysopIn einem*der größten Kunstfälscher-Prozesse seit dem Zweiten Weltkrieg ist das Urteil gefallen: Der Kölner Wolfgang Beltracchi wurde wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu sechs Jahren Haft verurteilt. Seine drei Mittäter kommen zum Teil mit Bewährungsstrafen davon. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,794348,00.html
Strafjustiz. Mag diese Absprache (mittlerweile) auch legal sein, das Ergebnis zeigt erneut, dass die deutsche Strafjustiz längst zur Lachnummer verkommen ist. Wenn die Kosten für den Steuerzahler nicht so hoch wären, könnte man sich mit Gelächter dem breiten Grinsen der Verteidigerin anschließen. So aber, bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Eine Bankrotterklärung des Rechtsstaates, die auch noch mit Sparbemühungen begründet wird; absurdes Theater!
spiegel-hai 27.10.2011
3. .
Zitat von sysopIn einem*der größten Kunstfälscher-Prozesse seit dem Zweiten Weltkrieg ist das Urteil gefallen: Der Kölner Wolfgang Beltracchi wurde wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu sechs Jahren Haft verurteilt. Seine drei Mittäter kommen zum Teil mit Bewährungsstrafen davon. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,794348,00.html
na ja, die Strafen sind schon OK. Trotzdem kann ich eine gewisse Schadenfreude nicht unterdrücken, wie die Bande der selbstgefälligen Kunstszene eines auf die Nase gegeben hat.
rudolf_mendt 27.10.2011
4. Snakes & Arrows
Die Kölner! Warum wollen die mit 60 Jahen noch immer so aussehen wie Jan von Werth?
eigene_meinung 27.10.2011
5. Widersinn
Das zeigt jedenfalls, wie widersinnig hoch die Preise für sogenannte Kunstwerke sind. Warum werden denn zig Millionen für das Bild eines Künstlers gezahlt, wenn es doch offensichtlich auch für andere möglich ist, Bilder zu malen, die selbst (sogenannte) Experten für Werke des Künstlers halten? Ist es nicht eine viel größere Kunst, einen anderen so perfekt nachzumachen? Und machen die meisten Künstler nicht letztlich ihre eigenen Bilder immer wieder selbst nach (mit kleinen Änderungen)?
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