"Mini-Monet": Achtjähriges Wunderkind begeistert Kunstszene

Er ist kleiner als jede Staffelei und gehört vielleicht doch schon bald zu den Großen seiner Zunft: Der achtjährige Kieron Willamson gilt als Junggenie der Malerei. Sammler stehen Schlange, Galeristen sind begeistert. Und der Junge: bleibt cool.

Kieron Williamson: Kleiner bekennt Farbe Fotos
AP

Holt/Großbritannien - "Mini-Monet" wird er von der Presse genannt: Ein achtjähriger Junge ist zurzeit der meistbeachtete Künstler in Großbritannien. Seine Bilder haben sich auf einer Ausstellung binnen einer halben Stunde für 150.000 Pfund (183.000 Euro) verkauft. Für seine Werke gibt es lange Wartelisten, und das Kind hat neben einer Website bereits eine eigene Visitenkarte.

Kieron Williamson selbst bleibt bei der weltweiten Aufregung um seine Malerei allerdings gelassen: "Das fühlt sich für mich normal an", sagt der Blondschopf. Kühe seien besonders einfach zu malen. "Man muss sich nicht um so viele Details Gedanken machen." Bei Pferden werde es schon schwieriger: "Ihre Beine muss man richtig hinbekommen."

In der Picturecraft Gallery in seinem Heimatstädtchen Holt, nordöstlich von London, stellt Kieron Pastellmalereien, Aquarelle und Ölgemälde aus. Die meisten Motive hat er aus dem Internet, variiert sie aber, oder, wie sein Mallehrer Tony Garner erklärt, er "kieronisiert sie". Kein Wunder, dass der Achtjährige inzwischen von Touristen angesprochen wird, die eine Postkarte mit einem Motiv signiert haben wollen. Und Journalisten aus aller Welt möchten ihn zu Hause interviewen.

Kierons Eltern Keith und Michelle sind von der Aufregung um ihren Sohn immer noch überwältigt. Der Kunsthändler und die Ernährungsberaterin waren überrascht, als ihr Junge im Alter von fünf Jahren das erste Mal um Stifte und Papier bat und im Urlaub in Cornwall ein technisch exzellentes Bild von Booten im Hafen zeichnete. Sie beschäftigten sich beide nicht mit Malerei, "daher ist es für uns schwierig zu wissen, was in seinem Kopf vorgeht", sagt Michelle Williamson. "Wir wissen nicht, wo das herkommt. Aber er ist hartnäckig, und das ist es, was er tun will." Sie und ihr Mann würden Kieron nach Kräften unterstützen, erklärt die 37-Jährige.

Cash und Kunst

Trotzdem machen sich die Eltern Sorgen, ob sie das Richtige für ihren Jungen tun, schließlich ist Kieron schon ein kleiner Medienstar. "Es ist nicht natürlich, dass man sein Kind ins Rampenlicht stellt", sagt Michelle Williamson. Die Familie habe "viele Abzocker" getroffen: "Alles, was die sehen, ist das Finanzielle."

Dabei wirkt Kieron, der eine sechsjährige Schwester hat, recht bodenständig: Der Junge trägt Shorts und Turnschuhe, spielt begeistert Fußball und treibt sich gern am Strand in der Nähe von Holt herum. Zugleich kann er über die Auswahl einer ganz bestimmten Farbe diskutieren und über das Wechselspiel von Licht und Schatten. Und wenn er anfängt zu zeichnen, verschwindet alles Kindliche an ihm. Seine Eltern sind froh, wenn ihm andere beim Malen zuschauen - das zerstreut jegliche Zweifel, dass die hochgelobten Bilder gar nicht von ihm stammen.

Wie bei jedem Künstler gehen auch bei Kierons Werken die Meinungen der Kritiker auseinander. Vor allem Experten beschäftigt die Frage, ob Älterwerden und künstlerische Meisterschaft des Jungen Hand in Hand gehen werden. Pablo Picasso, der selbst im Kindesalter zu malen begonnen hatte, erklärte einst, dass es anders als in der Musik in der Malerei keine Wunderkinder gebe. "Was die Menschen als frühreife Begabung betrachten, ist die Begabung der Kindheit. Sie verschwindet allmählich, wenn sie (die Kinder) älter werden."

Der Psychologe Jack Boyle aus Glasgow betont, dass die meisten Pianisten oder Fußballspieler, die im Alter von acht Jahren brillante Leistungen erbringen, ihr Können nicht bis ins Erwachsenenalter mitnehmen.

Kierons Eltern sollten sich allerdings nicht zu viele Sorgen um ihren Sohn machen, rät Boyle: Das Talent des Jungen werde ihm schließlich nicht schaden. "Kinder wollen erfolgreich und die Besten sein", sagt der Experte. Sein Rat an die Eltern: Möglichst viel Geld mitnehmen, ohne dem Kind zu schaden. "Entwickelt seine anderen Interessen - und verkauft so viele Bilder wie ihr könnt."

Michelle Williamson freut sich im Moment auf den Beginn des neuen Schuljahres im September, wenn Ausstellungen und Interviews von Hausaufgaben und der Routine eines konventionellen Kinderalltags abgelöst werden. Kierons Galerie hat für den kommenden Sommer eine neue Ausstellung geplant, zurzeit sind zwei Landschaftsmalereien in einer Internet-Auktion im Angebot.

Sollte ihr Sohn irgendwann nicht mehr malen wollen, wären sie nicht enttäuscht - so lange Kieron glücklich ist, sagen Michelle und Keith Williamson. "Wir wissen, was auch immer er letztlich macht, Kieron wird 200 Prozent geben", erklärt seine Mutter. Der Achtjährige selbst weiß schon, was er werden will: "Maler und Fußballer."

Und er hat Tipps für andere aufstrebende Künstler parat: "Niemals aufgeben" lautet der eine, "keinen einfarbigen blauen Himmel malen" der andere.

Von Jill Lawless, APD

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. begeistert die Kunstszene?
al-berlin 15.08.2010
Wirklich? Wen denn? Fragen Sie doch mal Ihre eigenen kunstversierten Mitarbeiter, ob sie davon begeistert sind? Oder sind die alle im Urlaub, und deshalb übernehmen sie unbesehen alles was in anderen Zeitungen schon vor Wochen im Bereich Vermischtes vermeldet wurde. Vielleicht gibt es ja auch schon irgendwo 8-jährige Autoren, die den online-Journalismus revolutionieren. Seichter kann es ja kaum noch werden.
2. Apropos
avollmer 15.08.2010
Bevor sich wieder ein paar SPON-Leser den eigenen Massstab verbiegen lassen, genial ist etwas anderes. Wikipedia schreibt: Ein Genie ist eine Person mit überragend schöpferischer Geisteskraft. Die Bilder sind aber nicht überragend und auch nicht schöpferisch. Es ist nichts was man von der Art her nicht schon gesehen hätte, keine stilistische Neuschöpfung, deshalb ist auch der Vergleich mit dem jungen Picasso nicht angebracht. Es ist für sein Alter nicht üblich und er erreicht das Niveau vieler Fußgängerzonenportraitisten, aber wie gesagt, genial ist etwas anderes, außergewöhnlich trifft es vielleicht. Aber das ist ein Kalb mit zwei Köpfen auch. Nebenbei bemerkt, kleinere Staffeleien gibt es schon ewig. Und der Vergleich mit Monet ist impertinent, zum Vergleich http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b6/Monet-montorgueil.JPG.
3. Naja,
blue_plasma 15.08.2010
Was man da so in SPON und im Netz findet mutet mir doch sehr stark antrainiert und von bekannte Künstlern abgekupfert an. Nicht das der Junge nicht begabt wäre. Aber ich kann mich des Eindrucks einfach nicht erwehren, dass da Papa und Mama genau wussten was dem gehobenen, betuchten Publikum gefällt. Es wäre nicht das erste trainierte Kind...
4. ++
saul7 15.08.2010
Zitat von sysopEr ist kleiner als jede Staffelei und gehört vielleicht doch schon bald zu den Großen seiner Zunft: Der achtjährige Kieron Willamson gilt als Junggenie der Malerei. Sammler stehen Schlange, Galeristen sind begeistert. Und der Junge: bleibt cool. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,711914,00.html
Eine beachtliche Leistung des Achtjährigen. Wenn das Talent im Laufe der Jahre versiegen sollte, wird er hoffentlich so viel verdient haben, dass er davon leben kann...
5. Und?
shokaku 15.08.2010
Die Kunstszene ist halt leicht zu begeistern, hat ja auch schon mal ein Schimpanse geschafft.
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