Missbrauchsskandal um Savile: BBC-Spitze zieht über eigenes Haus her

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BBC-Moderator Jeremy Paxman: "Sicher nicht besonders kreativ"

"Mehr alte Vorsitzende als China": An der Spitze der britischen BBC denken einige nicht sehr gut über ihr eigenes Sendehaus. Das zeigen Protokolle und E-Mails, die Ermittler über den Skandal um Jimmy Savile sammelten. Der Starmoderator soll Dutzende Kinder missbraucht haben.

Hamburg/London - Führende Köpfe der BBC haben keine besonders hohe Meinung von ihrem eigenen Unternehmen: Das britische Sendehaus veröffentlichte am Freitag zahlreiche E-Mails und Interviews aus dem vergangenen Jahr, als der Skandal um Jimmy Savile die BBC erschütterte. Der einst gefeierte Moderator hatte offenbar Dutzende Kinder missbraucht. Entsprechende Vermutungen gab es bereits zu seinen Lebzeiten, doch öffentlich wurden sie erst nach seinem Tod.

Der Skandal war durch eine Dokumentation des britischen Senders ITV bekanntgeworden, im Oktober wurden Ermittlungen eingeleitet. Die BBC selbst hatte einen kritischen Beitrag über Savile zuvor zurückgehalten. Dazu hätten schlechte Entscheidungen auf Führungsebene geführt, hieß es später in einem Bericht zu den Vorfällen, der unter der Leitung des ehemaligen Sky-News-Chefs Nick Pollard erstellt wurde.

In den insgesamt rund 3000 Seiten langen Protokollen und Mails, auf die sich Pollard bezog, finden manche Spitzenkräfte der altehrwürdigen BBC harsche Worte für ihr Unternehmen. Die BBC stellte die Dokumente am Freitag selbst ins Internet. Der prominente Nachrichtenmoderator Jeremy Paxman sagte darin, die BBC habe viele Leute eingestellt, die "sicher nicht besonders kreativ" seien.

BBC-Verwaltungsratschef Chris Patten kritisierte, die Organisation habe "mehr alte Vorsitzende als China". Ex-Nachrichtenchefin Helen Boaden verglich die Sendung "Newsnight", die im Zuge des Skandals Missbrauchsvorwürfe gegen einen unschuldigen Tory-Politiker verbreitet hatte, mit einer "alten Kolonialmacht mit vielen alten kolonialen Gepflogenheiten".

son/AP

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