Mit Rechten reden Unendlich öde!

Während die Linken über gelungene Gesprächsführung mit Schlägern, Brüllern und Menschenhassern nachdenken, formiert sich in aller Ruhe eine faschistische Bewegung. Die Zeit des Redens ist vorbei.

Tumulte auf der Frankfurter Buchmesse
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Tumulte auf der Frankfurter Buchmesse

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Oh, was ist das denn? Eine Petition, wie schön, eine Petition.

Für das Recht der Rechten, ungestört Menschenhass zu verbreiten. Für den friedlichen Frieden, den Rechte nicht wollen, aber brauchen, um gegen Menschen zu hetzen, die nicht männlich und biodeutsch sind. Für den Schutzraum, den Rechte brauchen, um Andersdenkende auszubuhen, körperlich anzugreifen, mit Trillerpfeifen und der immer gleichen Verächtlichmachung zum Schweigen zu bringen.

Es braucht Zonen der Ruhe, damit Rechte sich entfalten können und Feuerchen vor Heimen legen und Juden angreifen, dafür müssen wir unbedingt und dringend eintreten, wir müssen den Dialog suchen, die andere Wange hinhalten, denen demokratische Grundrechte zusichernd, die die Demokratie verachten, Trutzburgen schaffen für Hetze, die sich blumengleich entfalten darf und muss. Wir müssen Lichterketten für Verlage mit klar intellektueller rechtsextremistischer Ausrichtung bilden, beten für deren Autoren, die bekennende Faschisten sind.

Und endlich ist da wieder eine Klarheit vorhanden, was früher verwässert und ohne Bedeutung war, gilt wieder was. Es gibt rechts und links.

Und man muss sich positionieren. Die Trägheit der Politik und den Schwachsinn des unregulierten Kapitalismus vergessend, heißt es Stellung beziehen, in einer Zeit, in der das Phlegma des Geistes nach einfachen Lösungen schreit und in der ein Kampf begonnen hat, darum, wie die Menschen leben wollen. In einer Diktatur der Lautesten, die sich außer Verachtung, Herabsetzung und Asozialität durch nichts auszeichnet, oder in einer Welt, in der die Menschen wider ihre Natur versuchen, miteinander auszukommen und schwächere Mitglieder der Gemeinschaft zu schützen.

Die Zeit des Redens ist vorbei

Das ist so unendlich öde. Diese rückwärtsgewandten Links-rechts-Schlachten, es hält von dem ab, was wirklich wichtig wäre - der Kampf gegen die sich selber fressende neoliberale Aushöhlung der Menschlichkeit. Aber dann halt: Während die Staatsorgane klarmachen, wo der Hammer hängt und Widerstand von Jugendlichen gegen neoliberale Politik, die - krass - Bierflaschen geworfen haben, mit aller gegebenen Härte bestraft, damit sich so ein Angriff nie wiederholt, damit klar wird, dass linker Widerstand im Zweifel immer härter geahndet wird als rechte Pöbeleien, Straftaten, Schlägereien, Angriffe.

Es gilt, Position zu beziehen. Die unglaubliche Schlaffheit linker Positionen, dieses Tee trinken und kuscheln, der Kampf für Sojaburger und Wiesenblumen gehen an dem vorbei, was sich draußen formiert: faschistische Bewegungen, mit denen nicht zu reden ist, weil man nicht gegen Schreien anreden kann.

Vielleicht ist der Schwarze Block, die jungen Menschen der Antifa, die Faschisten mit dem einzigen Argument begegnen, das Rechte verstehen, die einzige Bewegung neben einem digital organisierten Widerstand, die eine Wirkung hat. Es wird nichts mehr von alleine gut. Die Regierung wird uns nicht retten. Allein eine Neudefinition des Begriffs linker Aktivismus kann den Schwachsinn des Hasses und der Menschenverachtung stoppen. Ein wunderbares Buch dazu.

Während die guten Linken immer noch sitzen und über eine gelungene Gesprächsführung mit Schlägern, Brüllern und Menschenhassern nachdenken, spielt draußen das gute alte Liedgut, die ersten Schaufenster werden beschmiert und Fahnen gehisst.

Die Zeit des Redens ist vorbei. Es geht um die Rettung der Menschlichkeit.

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insgesamt 394 Beiträge
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Seite 1
paulvernica 21.10.2017
1. Diskussion
Dann versuchen Sie mal mit der Antifa zu reden. Dies ist genauso unmöglich wie mit radikalen Rechten. Wünschenswert wäre in der Tat eine Diskussion über Probleme bei der Migration im weitesten Sinne. Wer jedoch überhaupt nicht erkennen will, dass es Probleme gibt verweigert sich nur der Diskussion und beleidigt den Überbringer der schlechten Nachricht als Nazi und Rechtsradikalen.
FischerKielSchwerin 21.10.2017
2. Danke
Danke für Ihre mutige und klar positionierte Kolumne.
heradweger 21.10.2017
3. Zitat: "Das ist so unendlich öde."
Dem ist nichts hinzuzufügen.
B!ld 21.10.2017
4.
Schublade gegen Schublade - ob das Sinn macht?
mucschwabe 21.10.2017
5. Bertolt Brecht
“Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“ meinte Herr Brecht schon und ist sicher richtig. Momentan sehe ich aber keinen konkrete Veränderung unseres Rechtsstaates. Unsere Regierung hält sich an das Grundgesetz und die Menschenrechte. Selbst die AfD, so unsympathisch und menschenverachtend viele ihrer Mitglieder auch sind, betreiben keinen offenen Rechtsbruch. Ich halte eine harte inhaltliche diskussionsbasierte Auseinandersetzung für zielführender und angebrachter, als einen linken schwarzen Block auf AfD-Mitglieder oder Pediga-Rentner zu hetzen.
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