Moderne Kunst Maler Sigmar Polke ist tot

Maler, Grafiker, Fotokünstler: Sigmar Polke gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Gegenwartskunst. Seine Arbeiten bringen Millionen Euro auf dem Kunstmarkt, was seinen legendären Humor um so schärfer reizte. Jetzt ist der vielseitige Virtuose gestorben.

Künstler Sigmar Polke: Virtuos in vielen Disziplinen
DPA

Künstler Sigmar Polke: Virtuos in vielen Disziplinen


Köln - Der am 13. Februar 1941 im niederschlesischen Oels geborene Sigmar Polke ist in der Nacht zum Freitag nach langem Krebsleiden gestorben. Dies bestätigte sein Galerist Erhard Klein.

Polke galt international als einer der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart. Zusammen mit Gerhard Richter führte er konstant den vom Wirtschaftsmagazin manager magazin ermittelten "Kunstkompass" an, die wichtigste Orientierungshilfe für Sammler. Die Bilder des medienscheuen Malers erreichten auf dem Kunstmarkt Preise im sechs- bis siebenstelligen Euro-Bereich.

Einer Richtung oder Schule ließ sich Polke nur schwer zuschlagen, sein Werk ist komplex und heterogen. Seit seinem Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf, wo er auch von Joseph Beuys unterrichtet wurde, versuchte sich der Künstler in verschiedensten Stil- und Ausdrucksformen.

So treffen in seinem umfangreichen, mit zahlreichen Preisen gekürten Werk abstrakte und gegenständliche, schwarzweiße und farbenprächtige Arbeiten aufeinander. Auch mit Text operierte Polke virtuos, berühmt sind die anspielungsreich-ironischen Titel seiner Arbeiten: "Höhere Wesen befahlen: Obere rechte Ecke schwarz malen". Auf dem Bild ist dann genau jenes schwarze Dreieck zu sehen.

Polkes Werk hat, wie das aller großen Gegenwartskünstler, ideologiekritische Züge. Bereits 1963 gründete er in Düsseldorf gemeinsam mit den Künstlerfreunden Gerhard Richter, Manfred Kuttner und Konrad Lueg die Gruppe "Kapitalistischer Realismus".

Polke, 1953 aus dem Osten in den Westen geflohen, diente die Gruppe zur Unterwanderung etablierter Kunstdogmen. Sowohl der Sozialistische Realismus des Ostens als auch die traditionell im Westen angesiedelte Kunst des Informel sollten wenn nicht überwunden, so doch zerspielt und kommentiert werden.

Der Markt wie gesagt vergoldete diese Haltung, insofern steht Polke auch für den Beginn einer deutschen Pop-Art. Den Verhältnissen den Spiegel vorhalten und dafür gefeiert und prächtig honoriert werden - das gehörte seit jeher zum Vorrecht des Popkünstlers.

Aber auch den direkt politischen Themen wie die Nazi-Herrschaft, die Französische Revolution oder die deutsch-deutschen Wiedervereinigungsprobleme aufgreifenden Künstler wird man noch einmal entdecken wollen. Hier gilt der Satz des Kunstkritikers Laszlo Glozer: "Was Kunst in einer plötzlich als utopielos begriffenen Zeit mitzuteilen vermag, hat Polke zielsicher formuliert."

dan/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.