Mohammed-Karikaturen Kultur-Chef würde Zeichnungen wieder drucken

Flemming Rose, Feuilleton-Chef der Zeitung "Jyllands-Posten", bereut nichts. Das dänische Blatt hatte vor einem Jahr den Karikaturenstreit ausgelöst. Die umstrittenen Zeichnungen würde Rose jederzeit wieder publizieren. Die Absetzung der Mozart-Oper "Idemeneo" in Berlin kritisiert er scharf.


Kopenhagen - Allein um "Nein zur Einschüchterung zu sagen", würde er die Karikaturen wieder drucken, sagte Flemming Rose. Seine damalige Entscheidung sei absolut richtig gewesen. Rose hatte im vergangenen Jahr einen Wettbewerb für Mohammed-Karikaturen ausgeschrieben. Ende September 2005 druckte der "Jyllands-Posten" zwölf Abbildungen. Nach eher verhaltenen Protesten in Dänemark schwappte Anfang 2006 eine Welle der Empörung und Gewalt durch die islamische Welt. Die Veröffentlichung der Karikaturen sei "hilfreich" gewesen, sagte Rose. So sei schneller bekannt geworden, inwieweit "manche Muslime darauf bestehen, dass jeder auf der Welt ihre Dogmen respektiert".

Die Absetzung der Mozart-Oper "Idemeneo" kritisierte er scharf. "Was jetzt in Berlin passiert ist, ist nur ein weiteres Beispiel dieser Besorgnis erregenden Selbstzensur", sagte er. Dies sei gefährlich. Muslime, die in einer Gesellschaft leben wollten, in der Religion eine Privatangelegenheit sei, könnten "verraten werden". Die Intendantin der Deutschen Oper in Berlin, Kirsten Harms, hatte "Idomeneo" wegen möglicher islamistischer Bedrohungen abgesetzt.

Rose und die zwölf Karikaturen-Zeichner leben bis heute unter Polizeischutz. Auf Anraten der Behörden haben die Zeichner sich bisher mit öffentlichen Äußerungen zurückgehalten. Laut Rose sei "der Sturm" inzwischen vorüber. Doch nur einer der Karikaturisten, Kurt Westergaard, trat am Montag öffentlich auf. Er hatte die umstrittenste Zeichnung von Mohammed mit einer Bombe in seinem Turban gezeichnet. Er bereue nichts und würde es "ohne Zweifel" wieder tun, sagte er.

fho/AFP



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