Monroe-Fankult "Marilyn ist wie ein Orgasmus"

Drogen, Alkohol und Ehekräche? Skandalgeschichten interessieren die Präsidentin des deutschen Marilyn-Monroe-Fanclubs nicht. Für Martina Kurpiela ist die Hollywood-Legende weder Sexsymbol noch Schnapsdrossel. Sondern eine Freundin.

Von Bernhard Riedmann


Martina Kurpiela war neun, als sie die Liebe ihres Lebens traf. Es war im Jahr 1978. Spätabends flimmerte der Film "Misfits" in schwarzweiß im Fernsehen, und sie spürte es zum ersten Mal. Dieses Kribbeln, das sich durch den ganzen Körper ausbreitet, dieses Gefühl zu fliegen.

"Es ist immer noch wie ein Orgasmus, wenn ich Marilyn sehe." So beschreibt sie es heute.

An jenem Abend erfuhr das junge Mädchen jedoch auch, dass es eine unerfüllte Liebe bleiben sollte, denn die berühmteste Erfindung Hollywoods war bereits tot. Dass es Selbstmord war, verschwieg ihr die Mutter. Bis heute lässt Martina Kurpiela die Nacht vom 4. zum 5. August 1962 nicht mehr los, die Nacht, in der sich Marilyn Monroe den tödlichen Medikamentencocktail verpasste.

Auch im Fanclub "Some Like It Hot" diskutiert Martina Kurpiela regelmäßig über Monroes Todesnacht. "Die über 100 Mitglieder kommen aus der ganzen Welt, und für viele ist Marilyns mysteriöser Tod der Antrieb", sagt sie. In der Zeitschrift "Marilyn Today", die der Club viermal im Jahr herausgibt, werden neben selbstrecherchierten Geschichten auch Mitgliederberichte über Reisen, Buchrezensionen und Auktionen gedruckt. Die neuesten Nachrichten stehen auf der Homepage des Fanclubs: "Marilyns Krododilpumps von Salvatore Ferragamo in einer Ausstellung in Bremen zu sehen!" heißt es da oder: "Neue Sitzbank am Westwood Memorial Friedhof aufgestellt!"

Der Traum: Etwas Persönliches von Marilyn besitzen

Auf dem kleinen Friedhof in Hollywood findet jeden August die Gedächtnisfeier am Grab von Marilyn Monroe statt. 1997 durfte Martina Kurpiela die Gastrede halten. Nervöser war sie höchstens, als sie - dank guter Kontakte - auf Marilyns Sofa Platz nehmen durfte. "Damit hatte ich wirklich große Schwierigkeiten", sagt sie. Es sei ihr wie eine Entweihung vorgekommen. Man müsse Monroes Hinterlassenschaften einfach mit Respekt behandeln. "Marilyn", so nennt sie Martina Kurpiela, und sie erklärt: "Über die Jahre ist sie zu einer echten Freundin geworden, uns verbindet vieles."

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Marilyn-Monroe-Fanclub: Norma Jean im Treppenhaus
Martina Kurpiela steigt über die Treppen in ihrer Wohnung in Hildesheim. Dutzende Marilyns in feinsten Bilderrahmen lächeln von der Wand, daneben Filmplakate, Postkarten, auch Autogramme hängen dort, allerdings keines von der großen Liebe selbst. "Ich hatte einmal die Möglichkeit, eines zu kaufen", sagt sie, "für 2400 Dollar. Eigentlich ein fairer Preis, aber ich hatte einfach nicht das Geld dazu." Ihr großer Traum wäre es, etwas Persönliches von Marilyn zu besitzen, einen Ohrring, einen Schuh, ein Kleid. Davon träumt sie seit 1978.

"Sie war ein anständiges Mädchen"

Genau so lange regt sich Martina Kurpiela jedoch auch auf. Etwa darüber, wie die Medien über Marilyns Alkohol- und Drogenexzesse berichten. "Sie war keine Schnapsdrossel", sagt sie, "damals haben die doch alle gerne ein wenig getrunken. Sie war ein anständiges Mädchen, bei ihr war immer alles nett." Auch die Geschichte der Ehe mit dem Schriftsteller Arthur Miller werde immer falsch erzählt, sagt sie, "die Schöne und das Genie, heißt es immer, doch das war nicht so. Sie standen sich intellektuell sehr nah und haben sich wirklich geliebt. Außerdem hat Marilyn für diese Ehe gekämpft."

Die Ehe ging in die Brüche. "Misfits" (deutsch: "Nicht gesellschaftsfähig") war der letzte Film, den Marilyn Monroe drehen sollte, bevor sie selbst zerbrach. Aus dieser späten, abgründigen Phase Marilyns, aus ihren Kämpfen mit sich selbst und dem Ringen mit dem Leben, daraus zieht Martina Kurpiela Kraft für ihren Alltag. "Ich habe oft Stress in der Arbeit, pflege meinen Vater und habe daneben noch ein Kind zu versorgen", sagt sie, "da wird einem plötzlich alles zu viel. Das ist genauso wie bei Marilyn."

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specchio, 06.10.2010
1. Marilyn ist wie ein Orgasmus
... zu einem solchen hat die selige Frau Monroe auf legendären Parties nicht wenigen verholfen. Das ist hinreichend bekannt. Aber mit solchem Schmutz muss man sich ja nicht beschäftigen. Wozu?
hambürger 06.10.2010
2. So 'ne Ahnung, aber keine Peilung
Marilyn Monroe liegt in einem Mauergrab in Westwood, nicht weit von der UCLA entfernt. Hollywood ist 'ne ziemlich andere Ecke. Sie würden auch kaum schreiben, Hans Albers (liegt auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf) sei in St. Pauli beerdigt.
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