Monty-Python-Comeback Der Sinn des Lachens

Monty Python kehrt nach mehr als 30 Jahren auf die Bühne zurück. "Wir sind schamlos", verspricht Eric Idle vor dem Comeback. "Wir sind gealtert", gesteht John Cleese. Aber sie wissen, wer Weltmeister wird.

Python (Monty) Pictures Limited

London - Geliebte Sketche werden wieder aufgelegt, alte Lieder gesungen, und auch ein bisschen Moderne soll mit einfließen: viel Technik, Filmeinspieler und Tanzeinlagen junger, leicht bekleideter Frauen. "Damit wir ein paar gut aussehende Menschen auf der Bühne haben", sagt Eric Idle.

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Heft 27/2014
Strapazieren statt schonen: Wie Gelenke gesund bleiben

Neben dem britischen Komiker sitzen Terry Jones, John Cleese, Terry Gilliam und Michael Palin, zusammen bekannt als Monty Python. Einen Tag vor ihrem ersten Auftritt seit mehr als 30 Jahren geben die britischen Komiker in London eine Pressekonferenz und beantworten geduldig die Fragen von Journalisten aus Ländern wie Brasilien, Israel, Kanada und Spanien.

In der O2-Arena in der britischen Hauptstadt werden sie am Dienstag vor mehr als 15.000 Fans zu sehen sein. Schnelle Wechsel zwischen den Szenen soll's geben, viele Kostüme. Und Terry Gilliam sagt, er sei ohnehin nur da, um verkleidet zu werden und dann schnell wieder von der Bühne zu fliegen. "Was ich mache, funktioniert in allen Sprachen." Idle hakt ein: "Nur nicht in Englisch."

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Monty-Python-Comeback: Die schamlosen Hüftlahmen
Mit ihrem anarchischen Humor haben sich Monty Python in den Siebzigern über das Leben und die Geschichte, die Religion und das englische Establishment lustig gemacht, das Leben an sich aufs Korn genommen, der Realität ins Gesicht gelacht, ein bisschen, als wäre Beckett ein Humorist. Die Sketch-Serie "Monty Pythons Flying Circus" brachte ihnen den Durchbruch. Filme wie "Die Ritter der Kokosnuss" (1975) und "Das Leben des Brian" (1979) machten sie international bekannt.

"One Down Five to Go" haben die nun ihre Show genannt, frei übersetzt: "Einer ist weg, fünf werden folgen". Der Show-Titel gilt Graham Chapman, dem sechsten Mann der Truppe, der vor 25 Jahren an Krebs gestorben war. Bereits 1983 hatte sich die Truppe aufgelöst. Die Menschen sollten sie so in Erinnerung behalten - so und nicht als altgewordene Clowns, die noch einmal ins Rampenlicht wollten. Jahrzehntelang sträubten sich die Pythons daher dagegen, wieder zusammen aufzutreten. Sie wollten nicht auf die Bühne zurück - nicht ohne Graham Chapman.

Im November hatten sie dann überraschend ihr Comeback angekündigt. Binnen 43,5 Sekunden war die Komikertruppe die Karten für ihre erste Bühnenshow losgeworden. Als eine Viertelstunde nach Beginn des Vorverkaufs die Preise für die knapp hundert Euro teuren Karten im Internet bereits auf rund 1900 Euro angestiegen waren, hatte die Gruppe vier weitere Auftritte angekündigt. Nun werden es zehn Shows sein. Die letzte am 20. Juli soll in mehr als 500 Kinos des Landes übertragen und auf einem Fernsehkanal gezeigt werden. Dann sei aber wirklich Schluss.

Der Druck, oh Gott dieser Druck!

Was würde Chapman über das Comeback denken, werden die Komiker gefragt. "Er hätte keine Ahnung, was vor sich gehen würde", sagt Eric Idle. "Aber er wird präsent sein. Er ist nicht vergessen." John Cleese, der Riese, der Schlaksige, der Beamte im Ministry of Silly Walks, sagt, wie auch früher schon, Chapman sei ein großer Schauspieler gewesen. "Aber er kam immer zu spät." Diesmal wird er gar nicht kommen.

Mick Jagger wird zur Pressekonferenz eingespielt. Er macht Werbung für das große Comeback, er hat mit den Pythons eines gemeinsam: das Alter. Männer im Herbst ihres Lebens, die Komiker sind zwischen 71 und 74 Jahre alt. Männer, die es noch einmal oder immer noch wissen wollen. Das Publikum müsse verzeihen, dass einige Sketche wohl wegen des Alters, wegen künstlicher Hüftgelenke ausfallen müssten, hatten sie bereits Ende 2013 vorgewarnt, als sie die Rückkehr auf die Bühne öffentlich machten.

Die Pythons haben sich mit Wandern und Reisen körperlich für die Show fit gemacht, sagen sie nun in London, einer habe sogar eine Woche auf Alkohol verzichtet. John Cleese streicht sich über den Hals, so als hätte er eine Erkältung. Grauhaarige Männer, die ein bisschen fülliger geworden sind. Eric Idle und Terry Gilliam tragen wild gemusterte Hemden, die anderen treten bedeckter auf.

"Wir sind schamlos", sagt Eric Idle. Auch einen Special Guest soll es geben: den britischen Physiker Steven Hawking. "Er ist ein großer Fan, wir fragten ihn, und er hat innerhalb von einer Minute ja gesagt", verrät Idle. Ob das wirklich stimmt? Man kann's nicht sagen, unklar, wann hier die Wahrheit aufhört und die Ironie anfängt.

Mit dem ganzen Druck könnten sie nur schlecht umgehen, sagt Eric Idle. "Sehr schlecht." Man könne ja nie sagen, ob das Publikum den Humor noch möge oder die Sketche überhaupt witzig finde. "Es ist nicht einfach, die Leute zum Lachen zu bringen", doziert John Cleese. "Humor ist subjektiv."

Und auch zur Weltmeisterschaft in Brasilien werden die Komiker befragt. "Wer wird gewinnen", will jemand wissen. Eric Idle antwortet trocken: "England wird die WM gewinnen." Da wird ihr bei diesem ansonsten doch recht gesetzten Auftritt endlich auch mal ins Gesicht gelacht, der tristen Realität.

kha

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insgesamt 47 Beiträge
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iffel1 30.06.2014
1. In den 70ern waren sie der Hit !
Auch die Filme schauen wir noch immer gerne an, wir sind mitgealtert und können trotzdem noch über die Witze von damals lachen ! Wir drücken ihnen die Daumen !
joesh 30.06.2014
2. Ein Wunder, Ein Wunder
selten so gelacht, wie damals
murun 30.06.2014
3. Sicherlich waren die Pythons...
Sicherlich sind die Pythons unerreichbar ist Sachen subversiven, bösen und hintergündigen Humor, oft mit herrlichem Klamauk gepaart. Aber es ist ja nicht so, dass nach der Auflösung alles vorbei war: Cleese und Idle sind immer noch tolle Schauspieler und Komiker, Palin und Jones schreiben wunderbare Bücher, Gilliam ist als Regisseur ein visuelles Genie. Ich freue mich trotz Bäuchen und grauen Haaren auf meine Helden in Sachen Humor in alter Besetzung!
slotermeyer 30.06.2014
4. Lol
Die Verhandlungen mit Graham Chapman's Agenten über das Comeback, von denen Eric Idle öfters sprach, scheinen erfolgreich verlaufen zu sein....
andi2603 30.06.2014
5. Always look on the bright side of life...
Endlich, es lebe die Rückkehr der Komiker!!! Nieder mit den "Comidians". Lachen über gute Witze, britischer Humor vom Feinsten, Situationskomik die mühelos scheint. Wohltuendes Kontrastprogram zu den Billigwitzen und Beleidigungsorgien auf Kosten von Minderheiten oder Einzelpersonen a`la Pocher, Appelt und Co. Und ein alterskluger Loriot sitzt auf seiner Wolke und lächelt.
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