Monty Python in London Der Zirkus fliegt wieder

Scherze über Katar, die Rolling Stones und das eigene Alter: Bei einer Pressekonferenz in London machten Monty Python Werbung für ihre Comeback-Show - der berühmte tote Papagei soll auch wieder dabei sein.

Von , London


Sie können's noch. Die Journalisten im Saal des Londoner Playhouse Theatre hörten nicht auf zu kichern, als die Komikertruppe Monty Python am Donnerstag ihre Pläne für ein Bühnen-Comeback konkretisierte.

Schon die Ankündigung des Veranstaltungsortes geriet zur Farce. Moderator Warwick Davis öffnete einen großen goldenen Umschlag und verkündete feierlich: "Der Gewinner ist Katar". Gemurmel unter den Pythons: "Nein, das war nur das zweitgrößte Schmiergeld". Beim zweiten Anlauf dann: "Der Gewinner ist Meryl Streep".

Die Show findet natürlich in London statt, der Heimat der Altmeister des britischen Humors. Am 1. Juli 2014 wollen sie die O2-Arena füllen. Was die Fans dort erwartet, fasste Eric Idle gewohnt trocken zusammen: "Ein bisschen Comedy, ein ganz klein wenig Musik und etwas alten Sex". Zu den Ticketpreisen sagte er, man werbe damit, dass sie "300 Pfund billiger als bei den Stones" seien. Sie kosten zwischen 27.50 und 95 Pfund.

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Monty-Python-Pressekonferenz: "So lustig wie möglich"
Ihre Schlagfertigkeit haben die inzwischen über 70-Jährigen nicht verloren. "Niemand hat mit der spanischen Inquisition gerechnet", witzelte Michael Palin, als eine spanische Reporterin fragte, warum sie ausgerechnet jetzt ihre Sketche aus den siebziger Jahren wiederbeleben wollten.

Neu werden vor allem die Spezialeffekte sein

Dutzende Reporter aus aller Welt waren ins Playhouse Theatre gekommen, um den ersten gemeinsamen Auftritt der fünf noch lebenden Mitglieder der Truppe seit Jahrzehnten zu erleben. Zudem wurde die Pressekonferenz im Internet live übertragen - unter anderem von SPIEGEL ONLINE. "Das lief doch ganz gut", twitterte Idle hinterher zufrieden.

Die Comeback-Show soll eine Mischung aus alten Sketchen und neuem Material sein. Die Leute wollten vor allem die größten Hits sehen, sagte Cleese. Er erinnere sich, wie Neil Diamond bei einem Konzert in der Royal Albert Hall mal neue Songs gespielt habe und ausgebuht wurde. "Wenn man eine Band sagen hört, jetzt spielen wir unsere neuen Songs, weiß man, es ist Zeit, auf Toilette zu gehen", sagte Idle. Neu werden wohl vor allem die Spezialeffekte sein. Die Halle ist groß, das erfordert ein gutes Händchen für Regie.

Der Papagei werde vorkommen, sagte Cleese in Anspielung auf eine der berühmtesten Python-Nummern. "Papagei?", fragte Palin. "Den hatte ich schon vergessen". Einen albernen Gang werde er allerdings nicht hinlegen, sagte Cleese, und meinte damit den Monty-Python-Sketch "Ministry of Silly Walks". Er habe schließlich ein künstliches Knie und eine künstliche Hüfte.

Weitere Auftritte nicht ausgeschlossen

Die fünf waren gut aufgelegt, die Pressekonferenz schien ihnen genauso viel Spaß zu machen wie den Reportern. Um Verwirrung zu stiften, hatten sie vor sich die Namensschilder vertauscht, so dass Idle antwortete, wenn Cleese gefragt wurde. Sie wirkten wie ein gut eingespieltes Team, obwohl sie sich nur selten sehen. Die Show werde, sagte Idle in typischem Understatement, "so lustig wie möglich." Zunächst ist nur eine Show geplant. Doch weitere Auftritte sind nicht ausgeschlossen. Sie wollten erst mal schauen, ob sie die O2-Arena füllen könnten, sagte Cleese.

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Monty-Python-Wiedervereinigung: Lang ersehntes Gag-Comeback
Die Ankündigung ihrer Rückkehr diese Woche hatte gemischte Reaktionen hervorgerufen. So wie die Konzerte der Rentnerband Rolling Stones regelmäßig für hämische Kommentare sorgen, wurden auch die Pythons mit Kritik überschüttet. "Sie sollten klug genug sein, es besser zu wissen", schrieb der "Guardian". "Ihr Ruf als wichtigste bahnbrechende britische Komiker kann durch die Wiedervereinigung nur beschädigt werden". Sie müssten sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie nur Geld mit der Nostalgie verdienen wollten.

Andere waren großzügiger. Wenn jemand ein solches Comeback mit Erfolg hinlegen könne, dann die Pythons, schrieb das Online-Magazin "Slate". Sie seien "gereift wie ein feiner Käse, mit mehr Raffinesse und Komplexität".

Mit 70 ist man schamlos

Auf die Frage, ob sie die Show wegen des Geldes machten, entgegnete Cleese: "Wir wollten mal schauen, ob wir immer noch witzig sind." Mit 70 sei man eben schamlos, sagte Terry Gilliam entwaffnend.

"Monty Python's Flying Circus" begann 1969 als BBC-Fernsehserie. Bis 1974 entstanden 45 Folgen. Sketche wie der Hundertmeterlauf der Orientierungslosen oder das Fußballspiel der Philosophen sind bis heute Hits auf YouTube. Später machten sie auch Filme, der berühmteste ("Das Leben des Brian") stammt von 1979. Das letzte Mal waren sie 1982 in Los Angeles live aufgetreten. Damals war auch Graham Chapman noch dabei, der 1989 an Krebs starb.

Das Comeback kommt nun überraschend, können die Mitglieder doch auf erfolgreiche Solo-Karrieren als Regisseur (Gilliam), Schauspieler (Cleese) und Dokumentarfilmer (Palin) zurückblicken. Offensichtlich waren auch nicht alle gleichermaßen von dem Plan überzeugt. Am längsten habe es gedauert, bis Palin an Bord war, sagte Cleese. Auch der schien am Donnerstag jedoch Gefallen an der Idee gefunden zu haben: Die Bühnenshow werde "spektakulär".



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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
twaddi 21.11.2013
1.
Jeder nur ein Ticket!
oderus 21.11.2013
2.
Mein Luftkissenfahrzeug ist voller Aale und meine Nippel explodieren vor Lust.
derjoey 21.11.2013
3.
Die Pythons! Die Pythons! Die Pythons! Nur 'ne Attrappe.
01099 21.11.2013
4.
I will not buy this record 'cause it's scratched.
reitensamos 21.11.2013
5. :-)
And now, for something completly different..... Später werden uns die Pythons wissen lassen, dass es sich hier im einen Aphorismus aufs älter werden gehandelt hat :-)
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