Morddrohungen Internetseite entfernt koranfeindlichen Wilders-Film

Nur gut einen Tag stand der Film "Fitna" des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders im Netz - jetzt hat das Internetportal Liveleak das koranfeindliche Video gelöscht. Begründung: Wegen Drohungen "sehr ernster Natur" sei das Leben der Mitarbeiter in Gefahr.


Hamburg - Knapp einen Tag nach der Veröffentlichung des anti-islamischen Films "Fitna" im Internet hat die Web-Site LiveLeak.com das Video von ihren Servern entfernt. Nachdem keine Fernsehanstalt den Streifen des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders zeigen wollte, hatte Liveleak - eine Videoplattform ähnlich wie YouTube - den Film online gestellt. Dort wurde er bereits in der ersten Stunde über eine Million mal abgerufen.

Standbild aus "Fitna": "Trauriger Tag für die Menschenrechte"
AFP

Standbild aus "Fitna": "Trauriger Tag für die Menschenrechte"

Jetzt öffnet sich anstelle des Videos eine stumme Erklärung der Seitenbetreiber, in der sie den Usern die "Entfernung von Fitna" mit weißen Buchstaben auf schwarzem Grund erklären. Unmittelbar nach Veröffentlichung des Films seien Drohungen gegen die Mitarbeiter von Liveleak eingegangen, diese seien "sehr ernster Natur" gewesen. Würde das Video länger online stehen, sei "direkt das Leben unserer Mitarbeiter gefährdet", heißt es in der Erklärung weiter. Liveleak bleibe "nichts anderes übrig, als Fitna von unserer Seite zu nehmen".

Die Seitenbetreiber bringen in dem Statement ihr Bedauern über diesen Schritt zum Ausdruck: "Dies ist ein trauriger Tag für die Menschenrechte im Internet - aber die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter stehen über allem", schreiben sie. "Wir stehen dazu, dass wir den Film veröffentlicht haben", heißt es weiter, "aber am Ende war der Preis zu hoch."

Allerdings ist der Film bereits über andere Internetseiten verbreitet worden. In dem seit Monaten angekündigten Film bringt Wilders Terroraktionen muslimischer Extremisten in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Koran und ruft dazu auf, den Islam zu besiegen. Mehrere muslimische Länder reagierten mit Protesten auf den 15-minütigen Film.

Unterdessen verurteilte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon den anti-islamischen Film "in schärfster Form". Es gebe keinerlei Rechtfertigung für Hasspredigten und das Anstacheln von Gewalt, erklärte Ban in New York. "Das Recht auf freie Meinungsäußerung steht hier nicht zur Debatte", so Ban. "Freiheit muss immer mit sozialer Verantwortung einhergehen."

Der Spitzendiplomat mahnte einen gegenseitigen Respekt der Religionen an. Die wahre Trennlinie verlaufe nicht zwischen der islamischen und der westlichen Welt, sondern zwischen einer kleinen Zahl von Extremisten und dem Rest der Welt, sagte Ban.

amz/Reuters



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