"Mr. Palästina in Amerika" Intellektueller Edward Said gestorben

Die einen verehrten ihn als "Mr. Palästina in Amerika", die anderen sahen ihn als "Terror-Professor": Edward Said war bekannt als leidenschaftlicher Kritiker der israelischen Nahost-Politik. Mit seinem Tod hat Palästina sein wohl wichtigstes Sprachrohr in den USA verloren.


Edward Said: "Mr. Palästina in den USA"
AFP

Edward Said: "Mr. Palästina in den USA"

New York - Said war am Mittwoch im Alter von 67 Jahren in New York an Leukämie gestorben, wie die Columbia-University jetzt in New York mitteilte, wo Said Literatur- und Kulturwissenschaften lehrte. Er war einer der bekanntesten Kritiker der israelischen Nahost-Politik. Said gehörte 14 Jahre lang dem palästinensischen Exilparlament an.

In der arabischen Welt wurde Said auch als "Mr. Palästina in Amerika" verehrt. "Er hat Palästina zum Gegenstand der öffentlichen Diskussion gemacht, besonders im Westen", sagte die palästinensische Politikerin Hanan Ashrawi am Donnerstag gegenüber der "Los Angeles Times". Andere hingegen sahen ihn als "Terror-Professor" - so die Schlagzeile eines Artikels in der amerikanischen Zeitschrift "Commentary" vor einigen Jahren - wegen seiner engen Verbindungen zum palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat und der leidenschaftlichen Verteidigung palästinensischer Rechte. Said distanzierte sich von Arafat nach dem Osloer Friedensabkommen von 1993: Er warf Arafat vor, sich Israel unterworfen und angepasst zu haben.

Said wurde 1935 in Jerusalem geboren, lebte als Erwachsener aber überwiegend in den USA. Er studierte an der Princeton University und promovierte an der amerikanischen Elite-Universität Harvard. Zeit seines Lebens engagierte er sich für die palästinensische Sache. In Deutschland wurde er mit seiner Autobiografie "Am falschen Ort" (2000 im Berlin Verlag) bekannt. Insgesamt veröffentlichte Said mehr als 20 Bücher, darunter den Klassiker "Orientalismus", in dem er die westliche Sichtweise auf die islamische Welt analysiert.

Im vergangenen Jahr erhielt er zusammen mit dem israelischen Dirigenten Daniel Barenboim den Prinz-von-Asturien-Preis in der Kategorie "Internationale Zusammenarbeit". Die Jury würdigte damit ihr Engagement für den Nahostfriedensprozess. Said und Barenboim leiteten zusammen Workshops für junge Musiker aus Israel und den arabischen Ländern.



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