Münster "MZ" wird zum "Zeitungszombie"

Die "Münstersche Zeitung" erscheint zukünftig ohne eigene Redaktion. So will es der neue Eigner des defizitären Blatts, die Aschendorff-Gruppe. Die Entscheidung folgt auf das Okay des Kartellamts zur "Sanierungsfusion" mit der lokalen Konkurrenz.

Bisheriger Redaktionssitz der "MZ": Zukünftig gemeinsamer Newsroom mit den "WN"
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Bisheriger Redaktionssitz der "MZ": Zukünftig gemeinsamer Newsroom mit den "WN"


Münster - Die Meldungen in eigener Sache waren vielleicht schon ein Vorgeschmack darauf, wie sich die Tageszeitungen im westfälischen Münster zukünftig lesen werden: Bis auf den letzten Absatz wortgleich wurde in den "Westfälischen Nachrichten" (WN) und der "Münsterschen Zeitung" (MZ) verkündet, dass die Zukunft der "MZ" gesichert sei. Allerdings seien dazu "gravierende Sanierungsschritte notwendig".

Knapp der Hälfte der bisher bei der "MZ" Beschäftigten und zwei Dritteln der Zusteller könne die Unternehmensgruppe Aschendorff Arbeitsplätze anbieten, heißt es. Für die anderen seien betriebsbedingte Kündigungen "wahrscheinlich unvermeidlich". Der Verlag, der bisher schon die "Westfälischen Nachrichten" herausgab, übernahm das lokale Konkurrenzblatt im August vom Medienhaus Lensing.

Die verbliebenen Mitarbeiter werden aber keine eigene Redaktion der "Münsterschen Zeitung" mehr bilden können: Zukünftig wird es für die lokalen Inhalte einen gemeinsamen Newsroom mit den "WN" geben. Überregionale Inhalte wird die "MZ" wie bisher von den Dortmunder "Ruhr-Nachrichten" erhalten.

Dass die 1897 erstmals unter diesem Namen erschienene "Münstersche Zeitung" zukünftig also komplett ohne eigenes Redaktionsteam produziert wird, macht sie in den Augen des Bloggers Thomas Knüwer zum Kandidaten für eine weitere Umbenennung: Nun stehe "MZ" "für 'Münsterscher Zombie'".

Eine Übernahme der "MZ" war vom Bundeskartellamt im September gestattet worden, obwohl man die Gefahr einer Monopolbildung auf dem Zeitungsmarkt in Münster sah. Allerdings sei das seit Jahren defizitäre Blatt derart von der Insolvenz bedroht gewesen, dass "seine Marktposition in diesem Fall ohnehin dem Erwerber zufallen würde". Unter diesen Umständen sei eine sogenannte Sanierungsfusion zulässig.

Ob die politisch eher links stehende Leserschaft der "Münsterschen Zeitung" und die der konservativen "Westfälischen Nachrichten" sich mit "Seiten mit anderer Optik, aber ich sag mal vorsichtig, mit nicht immer unterschiedlichem Inhalt" zufrieden geben werden? So zitiert der ehemalige "MZ"-Redakteur Ralf Heimann den Übergangsverwalter Thilo Grickschat aus der Betriebsversammlung, bei der diese Zukunftsperspektive beschrieben wurde.

Der Mediendienst "Meedia" glaubt, es ginge dem Aschendorff-Verlag nur darum, irgendwie den Abonnenten-Stamm von rund 20.000 "MZ"-Lesern zu sichern. Ralf Heimann vermutet, man wolle "mit einem Zombie-Titel" die verbliebenen Leser des zugekauften Blattes zum Wechsel von der einen Zeitung zur anderen drängen. Sicher scheint jedenfalls: Mit der "Sanierungsfusion" mag eine Insolvenz verhindert worden sein - aber der "Münstersche Zeitung" blüht wohl keine goldene Zukunft.

feb/dpa



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weissenberg.peter 04.11.2014
1. Was soll daran Sanierung sein?
Geheilt wird dadurch ja eben nichts.
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