Mütter unter Hitler: Herman widerspricht sich selbst

Buch-Autorin Eva Herman stellt ein kryptisches Zitat auf ihre Webseite. Es soll beweisen, dass ihre Aussagen zum Familienbild in der Nazi-Zeit verkürzt dargestellt wurden - tatsächlich ist es vor allem widersprüchlich und wirft Nazis und 68er in einen Topf.

Hamburg - Die frühere "Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman, 48, wehrt sich vehement gegen die Berichterstattung über ihre Äußerungen zum Familienbild im Nationalsozialismus. "Ich bin falsch wiedergegeben worden", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa - und präsentierte auf ihrer Webseite, einen Text, der nach ihren Angaben wiedergeben soll, was sie auf einer Pressekonferenz in Berlin bei der Vorstellung ihres neusten Buchs "Das Prinzip Arche Noah" tatsächlich sagte.

Das vollständige, grammatisch eher undurchsichtige Zitat ist auch als MP3-Datei abrufbar, nach Hermans Angaben ist es das Originalzitat der Pressekonferenz. Es lautet:

"Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch 'ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war 'ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben…."

Abgesehen davon, dass dieses neue Zitat Nationalsozialisten und die 68er-Generation ungeschickt in einen Topf wirft, deckt es sich nicht mit früheren Aussagen Hermans. Nachdem das "Hamburger Abendblatt" nach der Berliner Pressekonferenz in einem Artikel angedeutet hatte, Eva Herman heiße die Familienpolitik der Nazis gut, fragte die "Bild am Sonntag" bei der Ex-NDR-Moderatorin nach - und zitierte sie am 9. September mit folgenden Worten:

"Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder, und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden. Vieles, was in dieser Zeit hochgehalten wurde, wurde danach abgeschafft."

Herman erwägt "arbeitsrechtliche Schritte"

Nach ihren umstrittenen Äußerungen hatte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) die Zusammenarbeit mit seiner freien Mitarbeiterin und Moderatorin der damaligen Talk-Show "Herman und Tietjen" beendet. Herman kündigte an, "sehr stark arbeitsrechtliche Schritte in Erwägung" zu ziehen.

Gegen Medien, die ihrer Ansicht nach ihre Formulierungen verzerrt wiedergegeben haben, will die Autorin offenbar nicht juristisch vorgehen. "Es hat aber keinen Sinn das Land mit Klagen zu überziehen. Die Wahrheit soll an den Tag kommen", sagte sie.

Herman hatte sich nach den Medienberichten über die aus ihrer Sicht aus dem Zusammenhang gerissenen "Halbsätze" bei denjenigen entschuldigt, deren Gefühle sie verletzt haben sollte. "Ich habe nichts Verwerfliches gesagt - und nichts Falsches", sagte sie, "durch die Pervertierung gesellschaftlicher Werte im Nationalsozialismus wurde das Ansehen der Familie abgeschafft."

ssu/dpa

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