Anti-Spar-Protest: Museumsdirektor fackelt Bilder ab

Die Aktion trägt den Titel "Art War": Ein italienischer Museumsdirektor verbrennt Kunstwerke, um auf die Finanznot seiner Institution aufmerksam zu machen. Sogar Angela Merkel bat der Leiter der Sammlung zuvor schon um Hilfe.

Bildverbrennung in Neapel: "Notwendige politische Aktion" Fotos
AFP

Casoria/Neapel - Eine rosafarbene Blüte in Flammen - mit diesem symbolhaften Zeichen hat am Dienstag ein Museumsdirektor in Italien seinen "Kunstkrieg" begonnen. Durch die finanzielle Not seiner Einrichtung seien die Werke der Sammlung sowieso dem Verfall ausgesetzt, heißt es zur Begründung. Antonio Manfredi protestiert mit der drastischen Aktion gegen die Vernachlässigung durch die Politik - und gegen den Druck durch die Mafia.

Er setze auf die Unterstützung "europäischer Künstler, die dieselben wirtschaftlichen Probleme haben wie wir", sagt Manfredi. Er leitet das Museum für zeitgenössische Kunst in Casoria bei Neapel ("Contemporary Art Museum", CAM). Zum Auftakt des "Art War" ließ er am Dienstag ein Bild der französischen Künstlerin Séverine Bourguignon in Flammen aufgehen.

Bourguignon, die zuvor ihr Einverständnis gegeben hatte, verfolgte die Bildverbrennung live über Skype. Sie nannte die Tat des Museums eine "notwendige politische Aktion". Ihre Acrylmalerei mit rosafarbener Blüte trägt den Titel "La Promenade", sie soll bis zu 10.000 Euro wert gewesen sein. Manfredi sprach von einem "Opfer zum Wohle von Kunst und Kultur", berichtet der Mailänder "Corriere della Sera" am Mittwoch.

Manfredi sieht sich als Vorreiter des Kampfes gegen die Kunstkrise. Denn auch andere Museen in Italien stecken in Schwierigkeiten. Einen Notstand der zeitgenössischen Kunst in Zeiten der wirtschaftlichen Rezession beklagt etwa die Vereinigung Amaci. In dem Verband haben sich laut dessen Internetauftritt 26 zeitgenössische Kunsteinrichtungen zu einer Non-Profit-Organisation zusammengeschlossen, darunter das von einer staatlichen Stiftung getragene Maxxi-Museum für die Kunst des 21. Jahrhunderts in Rom.

Das Maxxi (Museo nazionale delle arti del XXI secolo) solle Amaci zufolge wegen finanzieller Probleme stärker staatlich kontrolliert werden. In Trient beschneide die Kommune die Mittel für die Galleria Civica, und ein Museum in der sardischen Hauptstadt Cagliari warte seit Monaten auf einen Leiter. Auch in Palermo und Neapel kämpften Museen mit Problemen. Der Verband dringt darauf, von Regierungschef Mario Monti angehört zu werden.

Kunst-Asyl bei Kanzlerin Merkel

Manfredi hatte bereits im vergangenen Jahr die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als er in Deutschland Asyl für seine Sammlung beantragte - und sein gesamtes Museum mitbringen wollte. Er wandte sich im Jahr 2011 direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel, um zu verhindern, "dass ein bedeutendes kulturelles Erbe verloren geht".

Er habe vor der Aktion noch auf ein Zeichen der Unterstützung von staatlicher Seite gehofft, sagt Manfredi. Dem Museum fehle es an allem, an Geld und an Räumen für die Kunstwerke. Doch das Kultusministerium in Rom erklärt sich für nicht zuständig.

Woche für Woche sollen nun drei Werke verbrannt werden. Das Museum der 80.000-Einwohner-Stadt Casoria hat dafür ein Dutzend Werke internationaler Künstler ausgesucht, darunter eines der Deutschen Astrid Stöfhas. Alle Künstler seien während der Aktion anwesend oder via Internet dabei. Man mache weiter, bis Hilfe komme, sagte Manfredi. Am Mittwochabend will die Künstlerin Rosaria Matarese aus Neapel eines ihrer Bilder anzünden.

Nach Manfredis Darstellung hat das 2005 gegründete Museum zwei Jahre der Drohungen und des Vandalismus hinter sich. Er führt diese feindseligen Akte auf Ausstellungen zur Mafia, zur Immigration, zur Zensur und Pädophilie zurück. Das nicht subventionierte Museum ist den Angaben zufolge auf einer Fläche von etwa 3000 Quadratmetern in einer ehemaligen Schule entstanden. Rund 1000 Kunstwerke seien dort zu sehen. Sie stammten von Künstlern aus mehr als 60 Nationen.

bos/dpa/AFP

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1. Mal ehrlich
chagall1985 18.04.2012
Wenn zur Hölle interessiert das und wer zahlt für sowas Eintritt? Und wieso soll die Allgemeinheit dafür blechen? Kunst die Ihren Namen verdient findet auch Interessenten und Zuschauer. Nur was bitte ist ein Bild das 10.000 € kosten soll bitte Wert? Selbst wenn ich ein Bild malen und in einer Galerie verkaufen wollte würde das da schon für 3-4.000€ angeboten. Ganz einfach weil der Galerist das braucht. Somit sind solche Werke in der Preisklasse einfach völlig uninteressant. Gibt es wie Sand am Meer und kein Mensch zahlt Eintritt um sie zu sehen. Ich kriege genauso immer einen Hals wenn ich in Kleinstätten Diskussionen höre ob das örtliche Krepelmuseum 20.000 € für 1 Bild bekommt oder die ganze Schule Renoviert wird. Überlasst das dem Markt und kümmert euch um die wirklichen Probleme der Menschen!
2. HaHa!
barragan 18.04.2012
Als ich Teenager war, hatte ich auch den Traum Rockstar zu werden. Den ganzen Tag an was Kreatives arbeiten, abends auf Konzerten meine Werke verbreiten und dafür von allen bewundert zu werden. Irgendwann habe ich dann allerdings gemerkt, dass mich niemand dafür bezahlt und Proll-Oi-Musik leider auch nicht von öffentlicher Seite subventioniert wird. Ich glaub viele "Künstler" (im Schnitt €13000 brutto im Jahr) haben da irgendwie den Absprung verpasst und wundern sich jetzt. Aber wenigstens können die sich noch an ihrem brennendem Gestusse die Hände wärmen...
3. sehr suspekt
MrStoneStupid 19.04.2012
Ein Museumsdirektor, der ein hübsches Bild verbrennt, um den Staat zu erpressen, ist mir suspekt. Ansonsten bin ich für staatliche Unterstützung der Kunst aber das bedeutet nicht, dass der Staat Geld an Private verschenken muss - eine Lösung sind staatliche Museen mit Angestellten und Kunstwerken als Leihgaben oder in Staatsbesitz. (imho)
4. ?
Herr Hold 19.04.2012
Zitat von sysopAFPDie Aktion trägt den Titel "Art War": Ein italienischer Museumsdirektor verbrennt Kunstwerke, um auf die Finanznot seiner Institution aufmerksam zu machen. Sogar Angela Merkel bat der Leiter der Sammlung zuvor schon um Hilfe. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,828281,00.html
Verstehe ich nicht. Wenn das Bild doch 10.000,00 € wert war, hätte er das doch verkaufen und damit den Rest der Bilder erhalten könnnen. oder wollte es weder jemand sehen noch kaufen?
5. ...
miss_moffett 19.04.2012
Zitat von Herr HoldVerstehe ich nicht. Wenn das Bild doch 10.000,00 € wert war, hätte er das doch verkaufen und damit den Rest der Bilder erhalten könnnen. oder wollte es weder jemand sehen noch kaufen?
Es gäbe wohl kaum europaweit Schlagzeilen "Museumsdirektor verkauft Bilder". Ich halte ihn für einen Selbstdarsteller, dem es nicht wirklich um sein Museum geht sondern um die mediale Aufmerksamkeit.
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