Mutmaßliche Ansel-Adams-Negative Flohmarkt-Fotos könnten Millionen wert sein

Ein kalifornischer Anstreicher fand vor zehn Jahren zwei Schachteln mit Negativen. Seither bemüht er sich um den Nachweis, dass die Aufnahmen von dem großen Landschaftsfotografen Ansel Adams gemacht wurden. Ein Expertenteam bestätigt ihn nun - er könnte reich werden.

courtesy of Rick Norsigian

Los Angeles/Hamburg - An einem sonnigen Frühjahrssamstag im Jahr 2000 besuchte Rick Norsigian einen privaten Flohmarkt. Die Suche nach Antiquitäten am Wochenende entspannte ihn von der Arbeit als Anstreicher im Dienste der Schulbehörde im kalifornischen Fresno. Norsigian fand zwei Schachteln mit alten Glasplatten, Fotonegativen aus dem frühen 20. Jahrhundert, Landschaftsfotografien, die einen nostalgischen Reiz auf ihn ausübten. Der damals 53-Jährige handelte den Verkäufer von 70 auf 45 Dollar herunter - nun könnte sich herausstellen, dass sein Fund Millionen wert ist.

Als Rick Norsigian seine Trouvaille Freunden und Verwandten vorführte, bemerkten etliche, wie sehr die Fotografien denen von Ansel Adams ähnelten. Adams, der 1984 mit 82 Jahren gestorben war, galt als Vertreter der "Straight Photography", eine sachliche Form der Fotografie, bei der die Positive nicht manipuliert werden. Er wurde berühmt mit Landschaftsaufnahmen, besonders aus dem Yosemite-Nationalpark in der kalifornischen Sierra Nevada. Er hatte "wesentlich dazu beigetragen, die Fotografie als eigenständige Kunstform zu etablieren", schrieb der SPIEGEL 1984; der langjährige Leiter der Fotografiesammlung des New Yorker Museum of Modern Art, John Swarkowski, befand, es sei schwierig, sich einen Künstler vorzustellen, der in seiner Kunst und Persönlichkeit amerikanischer sei. Abzüge von Adams' Werken wurden für bis zu 722.500 Dollar versteigert.

Hatte der Schulmaler also Werke des Meisterfotografen erstanden? Rick Norsigian, der bisher wenig über Ansel Adams wusste, arbeitete sich ins Thema ein und erfuhr, dass seit einem Brand im Jahre 1937 zahlreiche Negative von Adams vermisst wurden - einige der Fundstücke wiesen Brandspuren auf. So begann eine jahrelange Jagd nach Bestätigung, die Norsigian 2007 ausführlich der "Los Angeles Times" schilderte . Ansel Adams' Sohn begutachtete die Fotos, hielt die Qualität vergleichbar mit der von den Bildern seines Vaters, doch er stolperte über die handschriftlichen Notizen auf den Umschlägen, in denen die Glasplatten eingepackt waren: Die hatte nicht sein Vater geschrieben. Adams' Biografin suggerierte allerdings, es könnte die Handschrift seiner Ehefrau sein. Doch keiner der Adams-Verwandten und -Kenner wollte sich schriftlich festlegen. Und von den Nachlassverwaltern des Fotografen kamen schroffe, abweisende Nachrichten.

Schließlich heuerte Rick Norsigian eine Anwaltskanzlei an, die mehrere Experten fand, die in Norsigians Sinne aussagen, wie die Website des Fernsehsenders CNN berichtet. Zwei Handschriftenexperten bestätigten, dass die Beschriftung der Umschläge von Ansel Adams' Frau Virginia stammt. Ein Meteorologe verglich eines von Norsigians Negativen mit einem der bekanntesten Werke von Adams und stellte anhand der Wolkenformationen, der Schneehöhe und des Schattenfalls fest, die Fotos seien nahezu gleichzeitig aufgenommen worden. Ein ehemaliger Museumskurator und ein erfahrener Fotograf bestätigten die Echtheit der Bilder; ein ehemaliger FBI-Agent und ein Ex-Staatsanwalt befanden, die Gutachten seien ausreichender Beleg für die Urheberschaft Adams'. Der Galerist David W. Streets sagte CNN.com, er schätze, die investierten 45 Dollar könnten Norsigian nun "leicht bis zu 200 Millionen Dollar" einbringen.

Fürs erste verkauft Rick Norsigian auf seiner Website limitierte Abzüge der Fotografien - ein digitaler Abzug kostet 1500 Dollar, einer von 50 Dunkelkammerdrucken 7500 Dollar. Und wer doch zweifelt, dass die Schwarzweiß-Aufnahmen kalifornischer Landschaften wirklich von Ansel Adams stammen, gibt sich vielleicht auch mit einem Poster für 45 Dollar zufrieden.

feb

Mehr zum Thema


insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
lemmy01 27.07.2010
1. Faszinierende Bilder
Die Bilder, die hier von Ansel Adams gezeigt werden, sind wirklich fantastisch. Sie saugen mich beim Betrachten förmlich in die Landschaft hinein. Leider scheinen keine Bilder aus dem umstrittenen Fund dabei zu sein. Dann könnte jeder Leser selber spekulieren, ob diese vom Meister stammen.
h0l0fernes 27.07.2010
2. Was ist das für eine armselige Kulturgemeinde,
die den Wert eines Kunstwerkes - oder was dafür gehalten wird - nicht nach dessen Qualität bemisst, sondern nach dem Namen dessen, der das Werk geschaffen hat?! Die Tatsache, dass dieser grobe Unfug weit verbreitet ist, macht die Sache auch nicht besser, nur noch schlimmer. Nur kein eigenes Urteil bilden! Immer zusammen mit den anderen Schafen in der Herde trotten! Künstlern, die "keinen Namen haben", nur ja keine Chance geben! Widerlich und armselig!
Intelligenz_93 27.07.2010
3. Kunst
Zitat von h0l0fernesdie den Wert eines Kunstwerkes - oder was dafür gehalten wird - nicht nach dessen Qualität bemisst, sondern nach dem Namen dessen, der das Werk geschaffen hat?! Die Tatsache, dass dieser grobe Unfug weit verbreitet ist, macht die Sache auch nicht besser, nur noch schlimmer. Nur kein eigenes Urteil bilden! Immer zusammen mit den anderen Schafen in der Herde trotten! Künstlern, die "keinen Namen haben", nur ja keine Chance geben! Widerlich und armselig!
Wie Recht Sie doch haben! - Da gehe ich letztens durchs Guggenheim und denke mir: 'Sind schon ´n paar schöne Sachen dabei. Aber auch ´ne Menge Mist'. Der Name zählt. Leider; viel zu oft. Und ach - ich hätt' auch gern so viel Glück wie dieser (L)An(d)streicher! 200 Millionen!
sternenfan 27.07.2010
4. Null Ahnung, aber Blähungen
Zitat von h0l0fernesdie den Wert eines Kunstwerkes - oder was dafür gehalten wird - nicht nach dessen Qualität bemisst, sondern nach dem Namen dessen, der das Werk geschaffen hat?! Die Tatsache, dass dieser grobe Unfug weit verbreitet ist, macht die Sache auch nicht besser, nur noch schlimmer. Nur kein eigenes Urteil bilden! Immer zusammen mit den anderen Schafen in der Herde trotten! Künstlern, die "keinen Namen haben", nur ja keine Chance geben! Widerlich und armselig!
Wer keine Ahnung hat, lieber mal die F. halten. Ansel Adams ist nicht irgendein namenloser Künstler, der sich mit ein paar Pinselstrichen einen Namen geschaffen hat. A.A. ist der Wegbereiter der modernen Fotografie. Mit seinem Zonensystem hat er erstmalig ein heute noch gültiges Verfahren der Tonwertkontrolle geschaffen. Und sollte sich herausstellen, dass diese Bilder von ihm sind, hat das nicht nur künstlerisch sondern auch fotohistorisch einen unschätzbaren Wert.
lernunfaehig, 27.07.2010
5. photography pure
Ich war vor kurzem in Athen in einer Ausstellung von Ansel Adams.Wenn man diese Bilder aus der Naehe betrachtet,dann schaetzt den Meister noch mehr...unbeschreiblich der Tonumfang,die Weissen und Schwaerzen der Bildder! Im uebrigen goenne ich dem guten Rick Norsigian alles Geld,was er fuer AA's Bilder bekommen kann!Wie war es noch,er hat von 70 auf 45 Dollar runtergehandelt?Genial!!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.