"Nach dem Terror" Honderich attackiert seine Kritiker

In einem offenen Brief weist Ted Honderich, Autor des umstrittenen Buchs „Nach dem Terror“, die Antisemitismus-Vorwürfe gegen ihn zurück. Sein Kritiker Micha Brumlik, Direktor des Fritz-Brauer-Instituts, solle umgehend von seinem Amt entbunden werden.


Frankfurt/Main - "Die Unverfrorenheit und Dummheit der Anschuldigung des Antisemitismus lässt für mich nur einen Schluss zu: Nämlich den, dass es falsch wäre, auch nur einen einzigen Satz in Brumliks Brief ernst zu nehmen. Darüber hinaus halte ich es für widerwärtig, mich mit Personen in Beziehung zu setzen, deren politische Ansichten ich nicht teile", schreibt Honderich in der "Frankfurter Rundschau".

Micha Brumlik, Direktor des Fritz-Brauer Instituts in Frankfurt, hatte zuvor gegen Honderichs Buch "Nach dem Terror" protestiert und erklärt, das Traktat "verbreite antisemitischen Antizionismus" und rechtfertige die "Ermordung jüdischer Zivilisten in Israel". Im Zuge der nachfolgenden Diskussion hatte der Suhrkamp-Verlag, der Honderichs Buch in seiner Jubiläumsreihe "40 Jahre edition suhrkamp" herausgegeben hat, auf eine erneute Auflage des vergriffenen Titels verzichtet. Der Verlag äußerte sein Bedauern, dass Suhrkamp die Haltung des Autors zum palästinensischen Terrorismus nicht rechtzeitig deutlich geworden sei. Mit der Erklärung, der Autor habe "seine Einstellung im Internet radikalisiert" distanzierte sich Suhrkamp von seinem Autor.

Honderich zeigte sich empört über die jüngsten Ereignisse: "Niemand kann mein Buch lesen und solche Dinge behaupten, sofern er nicht bereits dem 'Neuen Zionismus' angehört". Brumliks Anklage werde nun wohl psychoanalytische Untersuchungen nach sich ziehen, warum er wohl mit einer jüdischen Frau verheiratet war und warum er sich wegen des Holocaust weigere, in Deutschland Vorträge zu halten. "Die einzig mögliche Konsequenz ist meines Erachtens, Micha Brumlik umgehend von den akademischen Positionen, die er bekleidet, zu entbinden.

Weniger hart geht der kanadisch-britische Philosoph mit dem Suhrkamp-Verlag ins Gericht. Es ist unwürdig, "wenn versucht wird, Druck auf ein Verlagshaus von exzellentem internationalen Ruf auszuüben", erklärt Honderich. Dort allerdings ändert diese Sympathie-Bekundung nichts. "Der Suhrkamp-Verlag wird bei seiner Entscheidung bleiben", erklärt Pressesprecherin Heide Grasnick. Das Frankfurter Verlaghaus wird Honderichs Buch nicht wieder auflegen.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.