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Nach Unfall von Michael Schumacher: "taz" und ZDF durften Krankenhaus-Fotos zeigen

Medienauftrieb vor dem Krankenhaus in Grenoble am 1. Januar 2014, im Zentrum Michael Schumachers Managerin Sabine Kehm Zur Großansicht
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Medienauftrieb vor dem Krankenhaus in Grenoble am 1. Januar 2014, im Zentrum Michael Schumachers Managerin Sabine Kehm

Darf Corinna Schumacher gezeigt werden, wie sie ihren Mann Michael im Krankenhaus besucht? Nein, meint Schumacher - und klagte. Doch, meint das Gericht - weil mit dem Foto der Medienrummel vor der Klinik kritisiert wurde.

Köln - Die Frau des ehemaligen Rennfahrers Michael Schumacher ist mit einer Klage gegen die Zeitung "taz" und das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) gescheitert. Corinna Schumacher wollte den beiden Medien die Veröffentlichung von Fotos untersagen, die sie auf dem Weg zu ihrem verunglückten Mann in der Klinik von Grenoble zeigen. Das Landgericht Köln entschied am Mittwoch jedoch zugunsten der Medien.

Nach Auffassung des Gerichts sei der Besuch der Klinik zwar an sich noch kein Ereignis der Zeitgeschichte mit einem überragenden Berichterstattungsinteresse. Der nicht nachlassende Medienrummel rund um den Besuch - auch nach Corinna Schumachers Appell, sie in Ruhe zu lassen - sei jedoch durchaus ein Ereignis von zeitgeschichtlicher Bedeutung.

Nicht nur Befriedigung der Neugier

Die "taz" und das ZDF hätten das Verhalten der Medien in ihren Berichten in Frage gestellt und mit den Fotos der belagerten Corinna Schumacher die Situation vor dem Krankenhaus verdeutlicht. "Die Berichterstattung dient damit nicht lediglich der Befriedigung von Neugier und der Unterhaltung der Leser", schrieb das Gericht in seiner Urteilsbegründung. "Sie leistet vielmehr einen erheblichen Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung, indem der Leser in die Lage versetzt wird, sich selbst ein Urteil darüber zu bilden, ob er diese Berichterstattung wünscht."

Mehrere Gerichte - darunter auch das Landgericht Köln - hatten anderen Medien die Veröffentlichung der Fotos zuvor untersagt. Die Begründung lautete, der eher unterhaltende Charakter dieser Berichte rechtfertige nicht den Eingriff in Corinna Schumachers Privatsphäre. Im Fall von "taz" und ZDF sei die Berichterstattung jedoch "anders zu beurteilen" als bei "rein unterhaltenden Beiträgen", urteilten die Richter.

Schumachers Anwalt hatte die Medienkritik in den Berichten von "taz" und ZDF während einer Verhandlung als "Feigenblatt" bezeichnet. Es sei fragwürdig, eine bestimmte Art von Berichterstattung zu kritisieren und dabei das Beanstandete selbst zu reproduzieren. Kritik am Verhalten der Reporter vor der Klinik sei natürlich völlig in Ordnung, aber man hätte dafür nicht wieder das Foto veröffentlichen müssen, sagte der Anwalt.

Das Gericht sah dies anders und urteilte, dem Bild komme in diesem Fall ein eigener Informationswert zu. "Dieses Bild illustriert die Lage vor dem Krankenhaus (...). Es zeigt, wie sich die Klägerin (Corinna Schumacher) durch mehrere Fotografen hindurchdrängeln muss, um ihren Mann im Krankenhaus besuchen zu können. Sie kommt, wie es auch die Bildunterschrift darstellt, 'kaum durch zu ihrem Mann'. Diese Belagerung des Krankenhauses durch Journalisten (...) wird dem Leser durch das Bild plastisch vermittelt und setzt ihn damit besser als eine reine Wortberichterstattung in die Lage, den Hintergrund der Kritik zu erfassen und sich seine eigene Meinung zu bilden."

kuz/dpa

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1. Dieses
Checkker 27.08.2014
Gerange um Fotos von Promis ist eine einzige Farce. Wenn es ihnen nutzt, kann die Öffentlichkeit gar nicht nahe genug sein. Und wenn es ihnen nicht passt, dann wird geklagt. Man sollte die Klage alleine schon verbieten. Oder sie horrend verteuern. So ein Unsinn hält nur die Gerichte auf.
2. Gericht unterstützt Scheinheiligkeit
Klaus100 27.08.2014
Es zeigt sich immer mehr. Wir müssen unbedingt die Ausbildung der Juristen verbessern. Gerade im Medienbereich sind viele Richter ganz einfach überfordert. Die Argumentation der Schumacher-Anwälte war richtig.
3. Wer berichtet, der berichtet
arr68 27.08.2014
Der vorgeschobene Grund ist doch völlig egal. Weder ist ein Autofahrer nach einem Skiunfall eine "zeitgeschichtliche Person", noch ist ein Bericht über berichtende Konkurrente wertvoller als dieser selbst. Schumacher darf seine Privatsphäre schützen und ich hoffe, dass die Polizei bald auch in solchen Fällen wie bei Demos reagiert, dann dürfen Reporter heulen.
4.
mm71 27.08.2014
Zitat von CheckkerGerange um Fotos von Promis ist eine einzige Farce. Wenn es ihnen nutzt, kann die Öffentlichkeit gar nicht nahe genug sein. Und wenn es ihnen nicht passt, dann wird geklagt. Man sollte die Klage alleine schon verbieten. Oder sie horrend verteuern. So ein Unsinn hält nur die Gerichte auf.
Ausgerechnet im Fall Schuhmacher greift diese Argumentation nicht, da er sein Privatleben immer aus den Medien rausgehalten hat. Dann während der Mann wehrlos im Koma liegt, darein einzudringen ist unethisch. Den "Rummel vorm Krankenhaus" hätte man auch anders dokumentieren können.
5. Die Geister, die ich rief
jorgeG 27.08.2014
Man muss bedenken, dass der weitaus größte Teil des Vermögens der Schumachers nicht aus den Gagen als Sportler besteht, sondern aus Werbeeinnahmen. Der Medienhype um M. Schumacher war strategisch geplant als Einnahmequelle. In einer Situation wie der gegebenen nervt das dann sicherlich gigantisch, aber das ist die Kehrseite der Medaille. Ohne diesen Hype könnte Frau Schumacher nicht die besten Ärzte mit dem Privatjet einfliegen lassen.
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