Ärger um Goebbels-Nachlass Tantiemen für einen Nazi

Der Verlag Random House ist von der Nachlassverwalterin von Joseph Goebbels verklagt worden - weil er ihr nicht Tantiemen aus einer Biografie des Propagandaministers zahlt. Die Klägerin ist pikanterweise auch noch die Tochter von Hitlers ehemaligem Wirtschaftsminister.

Hitlers Einpeitscher:    Joseph Goebbels und der Schutz des geistigen Eigentums
AP

Hitlers Einpeitscher: Joseph Goebbels und der Schutz des geistigen Eigentums


München/Hamburg - So ist das mit dem Recht am eigenen Wort und dem Schutz des, nun ja, geistigen Eigentums: Sie betreffen auch die Schriften eines Joseph Goebbels. Vor dem Münchner Landgericht wurde nun der Fall Cordula Schacht vs. Random House verhandelt. Es ging um eine Biografie über Hitlers Propagandaminister, die 2011 in dem in München ansässigen Verlag veröffentlicht wurde - samt Zitaten aus dem Goebbels-Tagebuch.

Auf deren Vergütung erhebt die Juristin Cordula Schacht Anspruch. Sie ist nicht nur die Tochter von Hitlers ehemaligem Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht, sondern auch die Goebbels-Nachlassverwalterin. Zu der wurde die 71-Jährige, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, im Jahr 1996, als der Schweizer Unternehmer und Alt-Nazi François Genoud ihr die Verwertungsrechte an den Texten Goebbels' vermachte.

1985 hatte Schacht als Anwältin im Auftrag ihres Klienten Genoud mit dem Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Bayern einen Vertrag über die Goebbels-Tagebücher ausgehandelt und damit rechtlich bindend in Paragrafen gefasst, dass Goebbels tantiemenpflichtig ist. Zuletzt funktionierte das problemlos: Der Piper-Verlag führt einen Teil der Einnahmen einer älteren Goebbels-Biografie immer noch brav an die Nachlassverwalterin ab.

Das ist diesmal nicht der Fall, weil, wie es in der "SZ" heißt, der Verlag "wenig Lust zeige", seinen Verpflichtungen nachzukommen. Cordula Schacht, deren Vater 1946 bei den Nürnberger Prozessen freigesprochen wurde, geht es um eine Summe in Höhe von ganz genau 6507,87 Euro. Die Entscheidung, was mit den Tantiemen, die Schacht zustehen, geschehen soll, wurde vertagt und soll nun im September gefällt werden. Einen Vorschlag des Richters, die Summe an eine Holocaust-Stiftung zu überweisen, lehnte die Klägerin allerdings ab.

tha

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