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13. November 2012, 18:37 Uhr

Zum Ende des Stadtmagazins "Prinz"

Die Spaß-Krake

Von Arno Frank

Deutschland ohne "Prinz": Ausgehwütige Menschen irren ziellos durch die Städte, auf der Suche nach den coolsten Party-Locations? Wohl kaum. Denn die "Mutter aller Stadtmagazine" war eigentlich schon immer nutzlos. Ihr Verschwinden ist eine Chance für echte, verwurzelte Regionalhefte.

Wenn die "Frankfurter Rundschau" eines der letzten stolzen Flaggschiffe der deutschen Printflottille gewesen ist, dann war "Prinz" der Jet-Ski - grell, laut und im Grunde völlig nutzlos. Weil es neben der publizistischen nun offenbar auch keine wirtschaftliche Perspektive mehr gibt, stellt der Jahreszeiten-Verlag die "Mutter aller Stadtmagazine" zum Jahresende ein.

Betroffen sind neben den 60 Mitarbeitern in Redaktion, Vertrieb und Verwaltung vor allem ausgehwütige Menschen "zwischen 25 und 35", die jetzt orientierungslos durch Düsseldorf, Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart, Bremen, Köln, Hannover, Berlin, Dresden, Leipzig und Nürnberg irren werden.

Dabei war "Prinz" nicht immer die seelenlose Spaß-Krake, als die sie nun in den Orkus fährt. Unter dem Namen "Guckloch" wurde das Magazin 1986 in Bochum mit dem bescheidenen Zweck gegründet, auf kulturelle Veranstaltungen in der Stadt hinzuweisen. Schon drei Jahre später schlug der Jahreszeiten-Verlag zu und schluckte die Mehrheit der Anteile. "Prinz" passte perfekt in ein Portfolio, das sich unter anderem mit Magazinen wie "Tempo" schmücken konnte.

In den folgenden Jahren entwickelte sich das Magazin zu einer Gebrauchsanweisung für die Zerstreuungsangebote der Städte, in denen es erschien. Die zahlreichen Ressorts deckten souverän Themenfelder ab wie Mode, Musik, Auto, Kino, Reise, Gastro, Sport, Clubs und Paaaarty.

Die "chilligsten Bars" und "leckersten Asia-Lieferdienste"

Für Stimmungskiller wie etwa Lokalpolitik war da kaum mehr Platz, wie überhaupt der "Lifestyle" der neunziger Jahre in "Prinz" so etwas wie sein beschwipstes Zentralorgan gefunden hatte. Regionale Unterschiede wurden zugunsten eines heiteren Hedonismus' publizistisch eingeebnet, zumal sich heute in jeder größeren Stadt die gleichen, weil genormten Segnungen der Konsumgesellschaft genießen lassen. Nur in "Prinz" aber standen sie, die "leckersten Asia-Lieferdienste", die "chilligsten Bars", die billigsten Angebote von Wodka-Red-Bull und was sich sonst noch alles in lustige Listen fassen ließ.

Die glühende Verheißung, die jede Metropole für einen jungen Menschen sein kann - hier wurde sie bonbonbunt portioniert und mit mundgerechten Kurztexten serviert.

Doch das ursprüngliche "Prinz"-Publikum entwuchs dem Heftchen. Die neuen 25- bis 35-Jährigen vertrauten in Sachen "Wo geht's ab?" eher ihrem Smartphone als einer Illustrierten, an der die Zeit vorbeigegangen war. Rabatt-Coupons, auf denen der Erfolg von Zeitschriften wie "Glamour" aufbaut, mögen praktisch sein - cool sind sie nicht.

Zuletzt verkaufte "Prinz" nur noch knapp 150.000 Exemplare, schaltete erotisch aufgeladene Kinowerbung ("Prinz dich glücklich"), schrumpfte ein und präsentierte sich mit wachsender Verzweiflung als "erste Uni-Sex-Zeitschrift im Pocketformat", die ihren nutzwertigen Schwerpunkt zum Motto gemacht hat: "Prinz - schnapp Dir Deine Stadt!"

Das Heft ist immer ein charmefreier Parvenu geblieben. Seine Einstellung ist eine Chance für echte Stadtmagazine mit wirklich lokalen Wurzeln.

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