Zum Ende des Stadtmagazins "Prinz": Die Spaß-Krake

Von Arno Frank

Deutschland ohne "Prinz": Ausgehwütige Menschen irren ziellos durch die Städte, auf der Suche nach den coolsten Party-Locations? Wohl kaum. Denn die "Mutter aller Stadtmagazine" war eigentlich schon immer nutzlos. Ihr Verschwinden ist eine Chance für echte, verwurzelte Regionalhefte.

Stadtmagazin: "Prinz" stoppt Print Fotos

Wenn die "Frankfurter Rundschau" eines der letzten stolzen Flaggschiffe der deutschen Printflottille gewesen ist, dann war "Prinz" der Jet-Ski - grell, laut und im Grunde völlig nutzlos. Weil es neben der publizistischen nun offenbar auch keine wirtschaftliche Perspektive mehr gibt, stellt der Jahreszeiten-Verlag die "Mutter aller Stadtmagazine" zum Jahresende ein.

Betroffen sind neben den 60 Mitarbeitern in Redaktion, Vertrieb und Verwaltung vor allem ausgehwütige Menschen "zwischen 25 und 35", die jetzt orientierungslos durch Düsseldorf, Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart, Bremen, Köln, Hannover, Berlin, Dresden, Leipzig und Nürnberg irren werden.

Dabei war "Prinz" nicht immer die seelenlose Spaß-Krake, als die sie nun in den Orkus fährt. Unter dem Namen "Guckloch" wurde das Magazin 1986 in Bochum mit dem bescheidenen Zweck gegründet, auf kulturelle Veranstaltungen in der Stadt hinzuweisen. Schon drei Jahre später schlug der Jahreszeiten-Verlag zu und schluckte die Mehrheit der Anteile. "Prinz" passte perfekt in ein Portfolio, das sich unter anderem mit Magazinen wie "Tempo" schmücken konnte.

In den folgenden Jahren entwickelte sich das Magazin zu einer Gebrauchsanweisung für die Zerstreuungsangebote der Städte, in denen es erschien. Die zahlreichen Ressorts deckten souverän Themenfelder ab wie Mode, Musik, Auto, Kino, Reise, Gastro, Sport, Clubs und Paaaarty.

Die "chilligsten Bars" und "leckersten Asia-Lieferdienste"

Für Stimmungskiller wie etwa Lokalpolitik war da kaum mehr Platz, wie überhaupt der "Lifestyle" der neunziger Jahre in "Prinz" so etwas wie sein beschwipstes Zentralorgan gefunden hatte. Regionale Unterschiede wurden zugunsten eines heiteren Hedonismus' publizistisch eingeebnet, zumal sich heute in jeder größeren Stadt die gleichen, weil genormten Segnungen der Konsumgesellschaft genießen lassen. Nur in "Prinz" aber standen sie, die "leckersten Asia-Lieferdienste", die "chilligsten Bars", die billigsten Angebote von Wodka-Red-Bull und was sich sonst noch alles in lustige Listen fassen ließ.

Die glühende Verheißung, die jede Metropole für einen jungen Menschen sein kann - hier wurde sie bonbonbunt portioniert und mit mundgerechten Kurztexten serviert.

Doch das ursprüngliche "Prinz"-Publikum entwuchs dem Heftchen. Die neuen 25- bis 35-Jährigen vertrauten in Sachen "Wo geht's ab?" eher ihrem Smartphone als einer Illustrierten, an der die Zeit vorbeigegangen war. Rabatt-Coupons, auf denen der Erfolg von Zeitschriften wie "Glamour" aufbaut, mögen praktisch sein - cool sind sie nicht.

Zuletzt verkaufte "Prinz" nur noch knapp 150.000 Exemplare, schaltete erotisch aufgeladene Kinowerbung ("Prinz dich glücklich"), schrumpfte ein und präsentierte sich mit wachsender Verzweiflung als "erste Uni-Sex-Zeitschrift im Pocketformat", die ihren nutzwertigen Schwerpunkt zum Motto gemacht hat: "Prinz - schnapp Dir Deine Stadt!"

Das Heft ist immer ein charmefreier Parvenu geblieben. Seine Einstellung ist eine Chance für echte Stadtmagazine mit wirklich lokalen Wurzeln.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. failed globalization ?!?
autocrator 13.11.2012
Zitat von sysop[...] die "Mutter aller Stadtmagazine" war eigentlich schon immer nutzlos. Ihr Verschwinden ist eine Chance für echte, verwurzelte Regionalhefte.
"Prinz" war die globalisierung in klein: einheitliche bars & cafés, teilweise international verankert (bsp. "Hardrock-C."), für den genormten preisoptimierten einheits-spass, unabhängig von lokalen besonderheiten, egal ob an der waterkant oder im alpenvorland, dafür jedoch mit denglish und dem lebensgefühl, überall auf der welt zuhause zu sein. dieser 'internationalismus' ist nicht nutzlos. (was auch immer man davon halten magin bezug auf eliten und ressourcen.) "regionalhefte" wird es allerdings auch nicht geben: der Prinz ist nicht an seiner nutzlosigkeit eingegangen. Er geht ein, weil verschlafene redaktionen und verleger mit der überheblichkeit der jahrhundertealten printmedien-traditionen weder die möglichkeiten, noch die mechanismen der sog. "neuen medien" begriffen haben, geschweige denn für sich nutzen konnten.
2. "TIP" und "ZITTY" immer um Längen besser
Demokrator2007 13.11.2012
Zitat von sysopDeutschland ohne "Prinz": Ausgehwütige Menschen irren ziellos durch die Städte, auf der Suche nach den coolsten Party-Locations? Wohl kaum. Denn die "Mutter aller Stadtmagazine" war eigentlich schon immer nutzlos. Ihr Verschwinden ist eine Chance für echte, verwurzelte Regionalhefte. Nachruf auf das eingestellte Stadtmagazin "Prinz" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/nachruf-auf-das-eingestellte-stadtmagazin-prinz-a-867073.html)
"Prinz" hatte in Berlin nie eine Chance-gottseidank. Sowohl "TIP" wie "ZITTY" waren um Längen besser, kultiger und informativer. Ciao DerDemokrator
3. schade ...
sebastiandresel 13.11.2012
... steht da nicht wegen des beschriebenen Prinz-Untergangs. Sondern weil leider just gerade zumindest in Mannheim/Heidelberg bewiesen wurde, dass die Kernthese ausgesprochen wackelig ist. Wird mit dem Dezemberheft doch auch das seit 26-Jahren erscheinende Stadtmagazin "Meier" eingestellt. Trotz kaum zu bezweifelnder "lokaler Wurzeln". Schade ... aber voll an der hiesigen Realität vorbeianalysiert.
4. Später Sieg der
xynias 13.11.2012
Mit Prinz veränderte sich die Sicht auf die Stadt. Anstatt seine eigene Hilflosigkeit dauernd zu bejammern, brachte Prinz das lebens bejahende Momentum einer Generation zum Ausdruck, die Spaß am Ausgehen, Flirten und Stadtleben hatte. Die Professionalisierung von Prinz ist in der Tat von Anfang misstrauisch und eben mit Neid begleitet worden von all denen, die ihre Glaubwürdigkeit an ihrer Trostlosigkeit ausmachten und ihr Motto gefährdet sahen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, aber Prinz war zur rechten Zeit das Facebook einer fröhlichen Gemeinschaft, die nun tatsächlich auch im Internet angekommen ist.
5. Welche Professionalisierung?
Bernadotte 13.11.2012
.. Infantilisierung wäre wohl passender. Im Text steht die Auflage von 150.000, aber auch die hatte mit der Realität wohl wenig zu tun. Tatsächlich wurden am Kiosk im letzten Quartal nicht einmal 20.000 Hefte in 13 Städten verkauft - das ist unter jeder Wahrnehmungsgrenze (Quelle: IVW). Die oben genante Auflage umfasst auch Bordexemplare, Freiexemplare, sonstige Verkäufe und andere Tresenaktiuonen, die offensichtlich notwendig wurden, um die Anzeigenpreise zu halten. Doch die harte Währung ist der Kisk und dort zeigte sich in der Tat: Dieses Blatt braucht keiner!
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