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Nahost-Debatte: Mit Steve Jobs zum iPeace

Frieden für Nahost durch Vertreibung von Journalisten? Dies forderte polemisch der Publizist Henryk M. Broder. Sein Buch-Co-Autor Erich Follath vom SPIEGEL präsentiert nun eine Lösung mit Hightech: iPeace muss her - mit Steve Jobs als Verhandlungsführer.

Apple-Chef Steve Jobs: Mit einem Tablett die Menschheit ändern Zur Großansicht
REUTERS

Apple-Chef Steve Jobs: Mit einem Tablett die Menschheit ändern

Nur wenn TV-Journalisten, westliche Stiftungen und Uno-Berater dem Nahen Osten den Rücken kehren und Israelis wie Palästinenser sich selbst überlassen, gibt es eine Chance auf Fortschritt zum Frieden - so hat gestern Henryk M. Broder an dieser Stelle argumentiert. Heute legt sein Buch-Co-Autor Erich Follath einen mindestens ebenso ungewöhnlichen und radikalen Friedensplan vor. Die Schlüsselbegriffe: iPod und iPeace.

Lieber Kollege Broder,

ja, das haben Sie jetzt davon, dass Sie gemeinsam mit mir ein Buch veröffentlicht haben: Bindungen, Abhängigkeiten, Ketten, wohin man sieht.

Danke übrigens für die Blumen: Auch mir hat es großen Spaß gemacht, mich mit ihnen zu fetzen, selbst wenn mir deshalb einige eine masochistische Ader unterstellen dürften. Ich kenne keinen, der mit seinen Ansichten so krachend falsch liegt - und diese Ansichten so wunderbar eingängig formuliert. "Sie sehen das wahrscheinlich genau umgekehrt", schreiben Sie mir in einem Ihrer ganz hellsichtigen Momente: Mensch, Broder, so ist es, ich darf das ausdrücklich bestätigen!

Und so soll es bleiben: Bei allem gegenseitigen Respekt bloß keine falschen Freundlichkeiten. In diesem Sinne habe ich mir auch ihre nahöstliche Nachrichten-Zusammenfassung und ihren kühnen Friedensplan angeschaut.

Zunächst zu Ihrer Analyse der Lage. Sie sprechen von der Überbewertung des menschlichen Faktors für den Verlauf der Geschichte. Mag so sein, wundert mich als Ihr Standpunkt aber doch, weil sonst fast nur die Ihnen ideologisch so verhassten Linken mit der Gesetzmäßigkeit historischer Prozesse argumentieren.

Ich weiß nicht, ob es ein Naturgesetz gibt, marxistisch oder sonst wie determiniert, das den Juden die Opferrolle im Weltgeschehen zuweist; mit der Feststellung, dass es sie nur allzu oft mit Pogromen und anderen Verfolgungen getroffen hat, haben Sie recht. Dass die "Wiedergutmachung" dieses historischen Unrechts nun allerdings so ausschließlich auf Kosten der Palästinenser gehen muss, will denen nicht einleuchten. Das ist, von deren Standpunkt aus gesehen, irgendwie nachvollziehbar.

Apropos Überbewertung und inakzeptable Gleichsetzung von Politikern. Da schießt Israels Premier Netanjahu den Vogel ab: Ahmadinedschad gleich Hitler, Iran heute gleich München 1938 - was für ein Unsinn. Und ich muss Sie dann doch nochmals mit dem derzeitigen Jerusalemer Horror-Kabinett konfrontieren: mit Außenminister Lieberman, der gerne palästinensische Gefangene erschießen und den Assuan-Staudamm sprengen möchte; mit Justizminister Ne'eman, der nach eigenen Aussagen am liebsten die Tora als Gesetz in Israel einführen würde - wohl ohne die dort vorgesehenen Steinigungen gegen Sünder, aber das hat er nicht im Einzelnen erklärt.

Netanjahu hat es sich sogar mit Angela Merkel verdorben

Mit Vizepremier Jaalon, der die friedensbewegte israelische Linke im Nazi-Jargon als "Virus" der Gesellschaft diffamiert hat. Und dazu noch die menschenverachtenden Hamas-Radikalen in Gaza und die Korruptionsanfälligen von Ramallah: Man möchte sie alle, da bin ich Ihrer Meinung, gern im eigenen Saft schmoren lassen. Wenn nur nicht so viel für den Rest der Welt dranhinge, dass es Frieden gibt in Nahost.

Haben Sie übrigens mitgekriegt, wie Ministerpräsident Netanjahu sich es jetzt auch noch mit Angela Merkel verdorben hat, mit seiner besten, weil Israel-unkritischsten Freundin in der westlichen Welt? Nein? Muss ich erzählen.

US-Präsident Obama hat Anfang April die Kanzlerin dringend darum gebeten, doch nun endlich auch einmal klar Stellung gegen die illegale israelische Siedlungspolitik zu beziehen - sie war die einzige in der EU, die das bis dahin noch nicht getan hatte. Wie widerstrebend auch immer rief sie daraufhin ihren israelischen Kollegen an und redete ihm ins Gewissen, doch wenigstens einem umfassenden Bau-Moratorium zuzustimmen. Netanjahu nahm das höflich zur Kenntnis, hielt sich bedeckt. Vereinbart war strikte Vertraulichkeit. Tags darauf wunderte man sich in Berlin, dass Netanjahu über das Telefonat mit Merkel mit israelischen Journalisten geplaudert hatte.

Aber noch mehr wunderte man sich über seine Zusammenfassung des Gesprächsinhalts; weitgehende Einigkeit habe geherrscht, behauptete Israels Premier. Die "FAZ" bekam von dem Vorgang Wind, selbst der sonst immer mit Israel solidarischen Merkel reichte es und sie geißelte, im Beisein des libanesischen Staatsgasts Hariri, den Netanjahu-Siedlungswahn. Der ließ anschließend sein Bedauern über den "Irrtum" verbreiten: Er habe den Inhalt zweier Telefongespräche verwechselt, Merkel mit - ausgerechnet - Berlusconi.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
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1. ...
mbberlin, 12.05.2010
Überflüssig wie ein Kropf.
2. ...
taiga, 12.05.2010
Zitat von sysopFrieden für Nahost durch Vertreibung von Journalisten? Dies forderte polemisch der Publizist Henryk M. Broder. Sein Buch-Koautor Erich Follath vom SPIEGEL präsentiert nun eine Lösung mit Hightech: iPeace muss her - mit Steve Jobs als Verhandlungsführer. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,694502,00.html
Wenn das Apple-Engagement generell für kluges bilaterales Investment stehen soll, OK. Ich würde das Ganze aber zwei Nummern tiefer hängen. Denn zur Herstellung solcher Produkte braucht es qualifizierte Mitarbeiter, die gibt es sicherlich in Israel in ausreichender Menge, aber in Gaza??
3. Erich Follath - Der Versager
KHJ, 13.05.2010
Nun konnte Erich Follath, sein Broder-Bshing im Nahost-Konflikt betreiben, aber scheiterte dabei kläglich. Statt dem Leser zu erklären, das Palästinenser nicht gleich Palästinenser bedeutet, räsoniert er über belanglose Sachen wie Friedenstauben im Anflug. "Think different" Denn die Deutsche sind nicht alle links oder Recht. Sie sind nicht alle christlich und sind nicht alle gewaltbereit. Und so ist das auch bei den Palästinenser. Denn ein großer Teil der Bevölkerung der Palästinenser sind islamistisch, gewaltbereit und gehören der Terrorgruppe der Hamas an. Die wenigsten Palästinenser sind christlich, jüdisch oder Atheisten. Warum ist das so? Vor dieser Frage hat sich Erich Follath herumgedrückt, als müsste er bei einem Pfarrer die Beichte ableisten. Und deshalb macht Erich Follath sich die Welt - so wie sie ihm gefällt. KHJ aus Köln
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Zur Person
Erich Follath, Jahrgang 1949, in Schwaben geborener Sohn ungarndeutscher Flüchtlinge, reiste als 19-Jähriger erstmals nach Israel, um dort sechs Wochen lang in einem Kibbuz zu arbeiten. Als Journalist hat er später Titelgeschichten über Israel geschrieben, israelische Politiker wie Schimon Peres und Benjamin Netanjahu interviewt und ein Buch zum Thema verfasst ("Das Auge Davids").
Zum Autor
DPA
Henryk M. Broder wurde 1946 in Kattowitz als Sohn jüdischer Eltern geboren. Broder, der von 1981 bis 1990 in Jerusalem lebte, gilt als einer der streitbarsten Autoren Deutschlands, der schon früh der Linken vorwarf, den traditionellen Antisemitismus ihrer Eltern gegen einen politisch korrekten Antizionismus eingetauscht zu haben. Sein Buch "Hurra, wir kapitulieren" über den Umgang Europas mit den Islamisten wurde 2006 ein Bestseller.

Die Streitpunkte zwischen Israelis und Palästinensern
Klicken Sie auf die Überschriften, um Details zu erfahren:
Grenzen
Palästinensische Politiker fordern, dass Israel sich aus den seit 1967 besetzten palästinensischen Gebieten zurückzieht. Das Westjordanland und Gaza sollen Staatsgebiet des unabhängigen Staates Palästina sein - mit der Hauptstadt Jerusalem.

Israel wäre wohl bereit, sich aus mehr als 90 Prozent des Westjordanlands zurückzuziehen und einen Kompromiss einzugehen: Israel behält die großen Siedlungsblöcke und entschädigt die Palästinenser dafür mit Land in der Wüste Negev, das an Gaza grenzt.
Rückkehrrecht der Flüchtlinge
Israel soll das Recht auf Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge anerkennen, so wie es die Resolution 194 der Vollversammlung der Vereinten Nationen beschreibt. Wie das Recht praktisch umgesetzt wird, soll in einem bilateralen Abkommen geregelt werden.

Israel will das Recht auf Rückkehr nur für die Gebiete eines zukünftigen Staates Palästina in die Praxis umsetzen. Es soll keine Rückkehr in israelisches Territorium geben.
Verbindung zwischen Gaza und dem Westjordanland
Die Palästinenser fordern einen Landweg zwischen den räumlich getrennten Territorien des Gaza-Streifens und des Westjordanlands, der vom Staat Palästina verwaltet und gesichert wird.

Israel will das Westjordanland und Gaza durch hohe Brücken oder Tunnel miteinander verbinden. Israel verwaltet und sichert den Verbindungsweg.
Jerusalem
Die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem als Hauptstadt des zu gründenden palästinensischen Staates. Der gesamte Tempelberg würde dann vom Staat Palästina kontrolliert, nur die Klagemauer stünde weiterhin unter israelischer Hoheit.

Israel will die Mehrheit der palästinensischen Viertel Jerusalems vom Staat Palästina verwalten lassen, die jüdischen Enklaven in Ost-Jerusalem stehen unter israelischer Verwaltung. Beide Staaten kontrollieren den Tempelberg gemeinsam, möglicherweise mit internationaler Beteiligung.

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