Nahost-Konflikt: ARD und ZDF wehren sich gegen Vorwurf der Einseitigkeit

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden und Israels Botschafter Schimon Stein haben die Berichterstattung der deutschen Medien kritisiert. Die Darstellung des Nahostkonflikts sei "einseitig". Die Chefredakteure von ARD und ZDF wiesen die Vorwürfe zurück.

Mainz - Salomon Korn hatte kritisiert, dass in den Fernsehbildern "die Israelis meist nur die Täter und die Libanesen immer nur die Opfer" seien. Er hatte im SPIEGEL die Fragen aufgeworfen: "Wo sind denn die Bilder von den Toten und Verwundeten auf israelischer Seite? Wer zeigt denn die israelischen Kinder, die seit Jahren traumatisiert in den Bunker müssen? ARD und ZDF jedenfalls nicht ausreichend." Auch was gesagt werde, sei einseitig, kritisierte Korn. "Nirgends wird mehr erwähnt, dass die Hisbollah eine Terrororganisation ist und dass sie einen demokratischen Staat angegriffen hat. Beide werden in den Nachrichten unzulässigerweise auf eine Stufe gestellt."

Salomon Korn: "Wer zeigt die israelischen Kinder?"
DPA

Salomon Korn: "Wer zeigt die israelischen Kinder?"

Botschafter Schimon Stein sagte im "Handelsblatt": "Wenn Gewaltaktionen gezeigt werden, ist überwiegend die israelische Armee zu sehen, die Hisbollah kaum." Er fügte hinzu: "Wenn es aber um Opfer geht, dann sieht man überwiegend Libanesen und viel weniger Israelis." So entstehe in der Öffentlichkeit eine klare Vorstellung, wer Angreifer und wer Angegriffener seit.

Thomas Baumann (ARD) und Nikolaus Brender (ZDF) betonten dagegen die Ausgewogenheit der Berichterstattung. "ARD und ZDF gehen in ihren Nachrichtensendungen stets auf beide Seiten ein. Unsere Korrespondenten erwähnen und zeigen die Opfer auf beiden Seiten." Der Eindruck Korns, Israel werde vor allem als Angreifer gezeigt, könnte daran liegen, dass es sich bei diesem Krieg um einen asymmetrischen Konflikt handele, heißt es in der Stellungnahme der Sender. Eine reguläre Armee stehe einer bewaffneten Miliz gegenüber.

Es könne nicht Aufgabe von ARD und ZDF sein, wegen der Asymmetrie dieses Krieges Bilder, über die sie verfügen, bewusst zurückzuhalten. "Das wäre Nachrichtenmanipulation", erklärten Baumann und Brender.

Weil Bilder aber nicht die ganze Wahrheit dieses Konfliktes zeigen könnten, hätten ARD und ZDF von Anfang an ihre Korrespondenten Hintergründe erklären lassen, um die Ursachen verständlich zu machen. In Sondersendungen habe die Argumentation der israelischen Regierung einen breiten Raum eingenommen, und immer wieder seien alle Facetten des Konflikts beleuchtet worden.

cis/AP

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