Nahost-Konflikt Barenboim kritisiert israelische Politik

Der Star-Dirigent Daniel Barenboim hat sein Unverständnis gegenüber der Politik des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon geäußert. Im Konflikt mit den Palästinensern könne es keine militärische Lösung geben, sagte der aus Israel stammende Musiker.


Dirigent Barenboim: "Israel zu kritisieren ist nicht antisemitisch"
ZDF

Dirigent Barenboim: "Israel zu kritisieren ist nicht antisemitisch"

Paris - "Ich verstehe Scharons Politik weder in moralischer noch in strategischer Hinsicht", sagte der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper der Pariser Zeitung "Le Figaro". "In dem Konflikt gibt es keine militärische Lösung. Jedes Volk hat ein Recht auf seine nationalen Bestrebungen", sagte Barenboim, der vor einigen Wochen in Ramallah in den palästinensischen Autonomiegebieten ein Konzert als Zeichen der Verbundenheit geben wollte, was aber wegen fehlender Sicherheitsgarantien der israelischen Behörden nicht zu Stande kam.

"Das Drama besteht darin, dass das nationale Streben der Juden und das der Palästinenser ungefähr zur selben Zeit geweckt worden ist und dass nur das der Juden auch befriedigt worden ist", sagte Barenboim. Mehr als 50 Jahre nach der Unabhängigkeit Israels müsse man sich die Frage stellen, "für welchen Preis diese Rückkehr vollzogen wurde - ein Preis, den jene bezahlen, die bereits dort waren". Es sei nicht antisemitisch, Israels Regierung zu kritisieren, sagte der Star-Dirigent angesichts der "tragischen" Lage in Nahost.



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