Nahost-Konflikt Schriftstellerin Fallaci warnt vor Neo-Faschismus

Die italienische Schriftstellerin Oriana Fallaci warnt angesichts des eskalierenden Nahost-Konflikts vor antisemitischen Tendenzen. Die ehemalige Widerstandskämpferin befürchtet einen neuen Faschismus.


Polemikerin Fallaci: "Angewidert von diesem Antisemitismus"
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Polemikerin Fallaci: "Angewidert von diesem Antisemitismus"

Rom - In einem teilweise polemischen Beitrag namens "Zum Antisemitismus", der in der Mailänder Zeitschrift "Panorama" veröffentlicht wurde, beklagt die 71-jährige Schriftstellerin, dass sich die italienischen Medien, die katholische Kirche sowie linke Intellektuelle und Pazifisten angesichts des Nahost-Konflikts zu voreilig auf die Seite der Palästinenser schlügen. "Ich sehe in all dem das Entstehen eines neuen Faschismus, eines neuen Nazismus", schreibt sie in dem Beitrag. "Ein Faschismus, der umso niederträchtiger und abstoßender ist, da er von denjenigen geführt und genährt wird, die scheinheilig als Gutmenschen, Progressive, Kommunisten, Pazifisten sowie Katholiken, sogar als Christen auftreten."

Kritiker der israelischen Militäraktionen übersähen die derzeitige Bedrohung des jüdischen Staates durch den Terror. Fallaci verweist auch auf die jüngste Serie von Anschlägen auf jüdische Einrichtungen in Frankreich. "Ich bin angewidert von diesem Antisemitismus."

Fallaci, die einst im antifaschistischen Widerstand in Italien mitgewirkt hat, hatte in den vergangenen Jahrzehnten vor allem durch spektakuläre Interviews etwa mit dem libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi und dem letzten äthiopischen Kaiser Haile Selassie international Schlagzeilen gemacht. Weltbekannt wurde ihr Buch "Ein Mann" über die Diktatur in Griechenland. Nach den Terroranschlägen vom 11. September erregte sie Aufsehen mit scharfen Äußerungen gegen den Islam.



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