Nazi-Erbstücke: Eva Brauns Uhr und Görings Brillanten lagern in Münchner Museum

Hitlers Uhr und die Beutekunst: Nazi-Schätze in deutschen Museen Fotos
Getty Images

Deutschland sitzt noch immer auf NS-Schätzen: In Museen lagern nach SPIEGEL-Informationen erbeutete Kunstwerke und Schmuckstücke von Nazi-Größen. In München fanden die Rechercheure eine Uhr, die Hitler an seine Geliebte Eva Braun verschenkte.

Hamburg - In deutschen Museen lagern nach SPIEGEL-Informationen noch immer jede Menge Kunstschätze, die von den Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 zusammengerafft wurden. Darunter sind auch Tausende Gegenstände, die während des Zweiten Weltkriegs in ganz Europa geraubt und nach Deutschland geschafft wurden.

In Bayern stieß der SPIEGEL bei seinen Recherchen auf zahlreiche Erbstücke führender Nationalsozialisten. Im Depot der Pinakothek der Moderne in München fand sich unter der Inventarnummer 471/96 eine Platinuhr, die Adolf Hitler 1939 seiner Geliebten Eva Braun schenkte. Auf der Rückseite des brillantbesetzten Geschmeides steht eine persönliche Widmung des Diktators: "Zum 6.2.1939 herzlichst A. Hitler" - also gedacht für den 27. Geburtstag von Hitlers Lebensgefährtin. Hergestellt hatte das Schmuckstück eine Manufaktur in Pforzheim. Derzeit liegt das Kleinod als "Verwahrgut 3. Reich" in dem Münchner Museum, registriert als "Nachlass Eva Hitler, vorm. Eva Braun".

Die Münchner verwahren auch zahlreiche Stücke aus dem Besitz Hermann Görings: Krawattenringe aus Platin, Manschettenknöpfe aus Gold, einen Ring mit Brillanten sowie einen goldenen Champagnerbecher. Außerdem stieß der SPIEGEL auf eine goldene, brillantverzierte Zigarettendose mit Widmung von 1940: "Voller Glück und Stolz gratulieren zum 'Reichsmarschall' in inniger Liebe Emmy und Edda" - Görings Ehefrau und seine Tochter. In München liegt auch ein silbernes Essbesteck des "Führers".

Göring-Teppich im Bundeskanzleramt

Pikant ist außerdem: Nachdem die von direkt nach dem Krieg begonnene Suche nach den rechtmäßigen Vorbesitzern 1966 für beendet erklärt war, gingen viele Kunstgegenstände als Leihgabe an Museen. 660 Kunstgegenstände landeten in 18 Bundesdienststellen. So kommt es, dass heute noch ein Teppich aus der Sammlung Hermann Görings im Bundeskanzleramt liegt. Wandteppich aus der gleichen Sammlung ziert das Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg bei Bonn. Ein Sekretär aus dem Besitz des nationalsozialistischen Kunsträubers Hans Posse steht im Bundespräsidialamt.

Bei vielen Kunstschätzen, die die Nationalsozialisten in Museen und privat anhäuften, ist die Herkunft noch immer nicht geklärt ist. Der Bund hat bisher 84 Projekte zur Provenienzforschung angeschoben, allerdings gibt es in Deutschland 6300 Museen. Der Personalmangel ist dramatisch: In den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen soll eine einzige Fachkraft die Herkunft von 4400 Gemälden und 770 Skulpturen prüfen, die nach dem Machtantritt der Nazis 1933 in die Bestände aufgenommen wurden.

Der ehemalige Kulturstaatsminister Michael Naumann fordert die Bundesregierung auf, die Rückgabe der von den Nazis geraubten Kunstgüter zu forcieren. "Der Gesetzgeber muss die Rückgabeansprüche konkretisieren", sagte Naumann dem SPIEGEL. Zudem müsse mehr Geld für Provenienzforschung an deutschen Museen eingesetzt werden. Naumann regt an, zehn Millionen Euro aus dem Etat für das geplante Sudetendeutsche Museum für diesen Zweck zu verwenden.

Der Freistaat Bayern verkaufte nach SPIEGEL-Informationen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Villen aus dem ehemaligen Besitz führender Nationalsozialisten unter Wert. Damit wurden die Opfer des Hitler-Regimes oder deren Erben um höhere Entschädigungssummen gebracht.

DER SPIEGEL

Sie wollen wissen, was im neuen SPIEGEL steht? Bestellen Sie den kostenlosen SPIEGEL-Brief. Die Redaktion des Magazins informiert Sie persönlich per E-Mail.

Jetzt hier anmelden.

Lesen Sie den neuen SPIEGEL diese Woche schon ab Samstag, 8 Uhr.

Laden Sie hier die neue Ausgabe des Digitalen SPIEGEL.

cht

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Was soll mit der NS-Raubkunst in deutschen Archiven und Museen geschehen?
insgesamt 57 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
vielflieger_1970 26.01.2013
Zitat von sysopKunstwerke aus privatem Besitz sowie als Kriegsbeute wechselten unter der Naziherrschaft in großer Zahl unrechtmäßig den Besitzer. Sie landeten in deutschen Archiven, wurden oft nicht einmal korrekt erfasst und liegen dort bis heute. Andere Objekte schmücken Sammlungen und Museen. Juristisch oft nicht geklärte Verhältnisse sorgen für berechtigte Klagen: Was soll mit der NS-Raubkunst in deutschen Archiven und Museen geschehen?
Liegen lassen! Die Geschichte ist voll von Kriegen und den damit verbundenen Räubereien. Die NS-Herrschaft war ein grauenhaftes Regime und die dunkelste Zeit unserer Nation, aber ich für meinen Teil kann da nichts dafür und bin es leid, immer wieder mit diesem Thema konfrontiert zu werden!
2. Rezidiv
pcpero 26.01.2013
Zitat von vielflieger_1970Liegen lassen! Die Geschichte ist voll von Kriegen und den damit verbundenen Räubereien. Die NS-Herrschaft war ein grauenhaftes Regime und die dunkelste Zeit unserer Nation, aber ich für meinen Teil kann da nichts dafür und bin es leid, immer wieder mit diesem Thema konfrontiert zu werden!
Solange es solche unaufgearbeiteten Gegenstände aus dieser Zeit gibt, solange kann und wird die Zeit die Wunden nicht entgültig heilen können! Diese Asservate müssen aus dem Dunkel ans Licht befördert, ausgestellt zum Zwecke der Darbietung an Eigentümer, und nach fundierten rechtlichen Besitzfragen an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden! Wo ist der Unterschied zwischen dem Raub von Kunstgegenständen, und Dem von Haaren, Goldzähnen, Schuhen? Um diese Frage grundlegend zu beantworten, möge man bitte das Museum auf dem Auschwitz-Gelände besuchen!
3. Nazi-Erbstücke: Eva Brauns Uhr und Görings Brillanten lagern in Münchner Museum
sysop 27.01.2013
Deutschland sitzt noch immer auf NS-Schätzen: In Museen lagern nach SPIEGEL-Informationen erbeutete Kunstwerke und Schmuckstücke von Nazi-Größen. In München fanden die Rechercheure eine Uhr, die Hitler an seine Geliebte Eva Braun verschenkte. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/nazi-beute-goering-brillianten-und-eva-braun-uhr-in-muenchner-museum-a-879901.html
4. Winterloch????
ede1103 27.01.2013
Zitat von sysopDeutschland sitzt noch immer auf NS-Schätzen: In Museen lagern nach SPIEGEL-Informationen erbeutete Kunstwerke und Schmuckstücke von Nazi-Größen. In München fanden die Rechercheure eine Uhr, die Hitler an seine Geliebte Eva Braun verschenkte. Nazi-Beute: Göring-Brillianten und Eva-Braun-Uhr in Münchner Museum - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/nazi-beute-goering-brillianten-und-eva-braun-uhr-in-muenchner-museum-a-879901.html)
Warum werden die Stücke wie die Uhr der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht?? Wer meint denn immer noch uns im Umgang mit unserer Geschichte bevormunden zu wollen - oder ist das einer versuche eine alternative Geschichtsschreibung zu etablieren? die Zeit von 33-45 und auch alle Akteure dieser Periode gehören zu unserer Vergangenheit und sollten auch so behandelt werden.
5. Tja, was tun?
BettyB. 27.01.2013
Soll man die Uhren und den Schmuck als Erinnerungsstücke an Alt- oder Neu-Nazis versteigern, wenn Vorbesitzer nicht ausgemacht werden können oder es keine entsprechende Ansprüche gibt?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Nationalsozialismus
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Umstrittene Statue: Der betende Hitler