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NDR-Film über Suchmaschine: Google = Internet?

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Heute Abend zeigt der NDR einen halbstündigen Beitrag über Google. Die Suchmaschine wird darin als allwissender Datenkrake porträtiert, so nützlich wie gefährlich. Die Konkurrenz wird sich freuen - sie kommt kaum vor.

Wenn das Fernsehen vom Internet spricht, hat das oft etwas Rührendes. Einerseits gibt es wohl kaum einen Internetnutzer, der nicht gelegentlich fernsieht - andererseits muss das Fernsehen auch alle jene zumindest theoretisch mitnehmen, die noch nie eine Maus angefasst haben. Was dabei herauskommt, klingt dann gerne so, als ob Mutti versucht, Oma zu erklären, was das Enkelchen da macht am PC.

Google-Hauptquartier: Größte Erfindung seit dem Buchdruck?
AP

Google-Hauptquartier: Größte Erfindung seit dem Buchdruck?

Wenn sich das NDR-Medienmagazin "Zapp" mit Google beschäftigt (heute, 23.00 Uhr, N3), lauern natürlich die gleichen Probleme: In 27 Minuten erklären zu müssen, was eine Suchmaschine ist, was sie tut, was sie inzwischen noch alles kann und welche Gefahren für die Welt damit verbunden sind, ist keine leichte Aufgabe. Und doch gelingt sie Julia Salden in ihrem Beitrag "Google - die Macht einer Suchmaschine" erstaunlich gut - nur dass es am Ende für den unbedarften Zuschauer so aussehen könnte, als sei Google das ganze Internet, und das Internet nichts außer Google.

Wie im Fernsehen üblich, wird das Netz erstmal als grüne Computergrafik-Science-Fiction-Stadt dargestellt, in der - sicherheitshalber mit der erläuternden Unterschrift "Animation" - Datenpäckchen auf Autobahnen herumfahren. Die Off-Stimme erklärt dazu, was man eigentlich sehen soll: dass jeder Daten hineintun und anderswo wieder herausholen kann und dass man diese Daten irgendwie wiederfinden muss. Und dann kam Google.

Die Weltkultur nicht den USA überlassen

Gut, es gab durchaus auch vorher schon Suchmaschinen, und deren Algorithmen funktionieren auch irgendwie, aber das würde jetzt zu weit führen. Der Google-Buchautor und Pulitzer-Preisträger David A. Vise erklärt die Suchmaschine aus Kalifornien dann auch gleich zur größten Erfindung seit dem Buchdruck. Dafür darf Jean-Noël Jeanneney, Präsident der französischen Nationalbibliothek, zu Recht mal wieder darauf pochen, dass auch die Europäer Bücher digitalisieren müssen, weil man die Katalogisierung der Weltkultur nicht den USA überlassen darf.

Anhand des Alltags einer jungen Frau wird Google/das Internet vorgeführt - da kann man Lebensläufe von Gesprächspartnern nachschauen, Bahntickets buchen, das Haus der Tante in den USA von oben anschauen und gleich mal ein schönes Restaurant in der Nähe aussuchen. Oma müsste sich an dieser Stelle denken: "Toll, was dieses Googledings alles kann, auch wenn ich nicht verstehe, wie das geht."

Experten verraten zwischendurch Dinge, die Leser von SPIEGEL ONLINE längst wissen - dass Google wie wild private Daten sammelt, dass man in China beim Zensieren hilft (auch wenn Mitbegründer Sergey Brin im Moment laut darüber nachdenkt, ob das vielleicht ein Fehler ist), dass ein unvorsichtiger Google-Nutzer eine Unmenge an Privatem und Privatestem von sich preisgibt, Stichworte wie Toolbar, MySearchHistory, Googlemail und so weiter.

Die neuesten Datensammler sind noch gar nicht dabei

Die neuesten Datensammeltechnologien aus der Google-Zentrale in Mountain View, der Kalender und die Tabellenkalkulationsanwendung, die auch noch das Taschengeld des Sohnes nachprüfbar machen könnte, kommen bei "Zapp" noch gar nicht vor.

In einem Aufwasch werden indes die Vertreter der Konkurrenz durchgereicht, MSN, Lycos und Yahoo, jeder darf einmal sagen, dass man hofft, demnächst die Nummer eins zu sein, und dass das bestimmt auch bald klappt. Damit ist den Wettbewerbern ein echter Gefallen getan - denn Themen wie Yahoos dubiose Rolle bei Verhaftungen chinesischer Dissidenten oder die MSN-Selbstzensur in China kommen so gar nicht erst zur Sprache. Google ist laut "Zapp" das Internet, und damit auch alles, was gefährlich sein könnte.

In einem kurzen Schlenker erklärt der Beitrag dann auch noch das Google-Geschäftsmodell, streift das Thema Klickbetrug und endet mit der drohenden Feststellung, "noch" sei Google nichts anderes als eine Suchmaschine.

Der Beitrag ist eine hübsche Zusammenfassung des Themas für Unkundige. Fernsehberichterstattung über das Internet eben. Dass die Konkurrenz genau das gleiche tut, dass auch Angebote wie die von Windows Live, MySpace oder Yahoo Datenkraken sind, denen man mit größter Vorsicht begegnen sollte - darüber wird beim NDR hinweggesehen. Aber das wäre Oma vielleicht auch zu kompliziert geworden.

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