NDR: Suspendierte "Tatort"-Chefin kaufte auch eigene Drehbücher ein

Von Markus Brauck

Die suspendierte NDR-Fernsehfilmchefin Doris Heinze hat nicht nur ihrem Ehemann verdeckt Aufträge verschafft, sondern auch eigene Drehbücher eingeschleust. Nach Informationen des SPIEGEL legte sie sich dafür das Pseudonym Marie Funder-Donoghue zu und erfand wiederum eine Biografie.

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Suspendierte Fernsehfilmchefin Doris Heinze: Selbst auch als Autorin aktiv gewesen

Hamburg - Die Affäre um die suspendierte NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze weitet sich aus: Sie habe dem NDR unter einem Pseudonym zwei fertige Drehbücher und ein Kurz-Drehbuch verkauft, ohne dies dem Sender mitzuteilen, hat der Norddeutsche Rundfunk am Montag bekanntgegeben. "Der NDR geht deshalb nunmehr davon aus, dass ihm auch ein materieller Schaden entstanden ist", heißt es in der Mitteilung. Als NDR-Redakteurin hätten Heinze für ein von ihr verfilmtes Drehbuch lediglich 50 Prozent der üblichen Drehbuchhonorare zugestanden.

Nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich bei dem einen Film um die NDR-Produktion "Die Freundin der Tochter", die am 23. September in der ARD laufen soll. Darin spielen unter anderem Edgar Selge und Katrin Saß mit. Die ARD prüft derzeit, ob sie den Film ausstrahlen will.

Komplette Biografie erfunden

Heinze gab sich für das Drehbuch den Autorennamen Marie Funder-Donoghue und erdachte sich dafür - wie schon im Fall des Pseudonyms ihres Mannes - eine Biografie. Diesmal die einer Anfängerin: "Marie Funder-Donoghue, geboren 1981 in Heidelberg, studiert Wirtschaftswissenschaften und Jura in Dublin, lebt mit Ehemann David und Sohn Sean an der Ostküste, schreibt Kurzgeschichten", heißt es im ARD-Presseheft. "Die Freundin der Tochter" sei Funder-Donoghues erstes Drehbuch.

Auch wird die angebliche Autorin dort mit dem Statement zitiert: "Ich schreibe Drehbücher, weil ich es liebe, Menschen zu beobachten und in ihre emotionalen Welten einzutauchen. Ich mag meine Figuren, die guten wie die bösen, weiß fast alles über sie, kenne ihre Abgründe, ihre Hoffnungen und Träume."

Die unter anderem für den Nord-"Tatort" zuständige Redaktionsleiterin war in der vergangenen Woche suspendiert worden, weil sie Drehbücher ihres Mannes für den NDR verfilmen ließ, ohne dies offenzulegen. Im Kern geht es um vier Drehbücher, die Heinzes Ehemann unter dem Pseudonym Niklas Becker geschrieben und die Münchner Produktionsfirma AllMedia für den NDR verfilmt hatte. Dies räumte Heinze selbst ein. Die Auftragserteilung an direkte Angehörige ist nach den Vorschriften des NDR nicht erlaubt.

Der NDR teilte außerdem mit, in engem Kontakt mit der Hamburger Staatsanwaltschaft zu stehen. Diese hat bereits ein Vorermittlungsverfahren gegen Heinze aufgenommen.

Der Sender bereitet außerdem eine fristlose Kündigung Heinzes vor und prüft auch mögliche Schadensersatzforderungen gegen sie. Kritik äußerte Pressesprecher Martin Gartzke an dem Vorstandsmitglied des Verbandes Deutscher Drehbuchautoren, Pim Richter. Er wurde im SPIEGEL mit der Aussage zitiert, sein Verband habe schon seit fast drei Jahren Hinweise auf "Niklas Becker" gehabt. Gartzke sagte: "Wenn der Verband Wissen, das der Sender nicht hat, zurückhält, dann ist das für die Aufklärung des Sachverhalts nicht hilfreich. Der Verband muss sich bei einer solchen Untätigkeit nach seinem Selbstverständnis fragen lassen."

Heinzes Anwalt Gerd Benoit sagte dem SPIEGEL, seine Mandantin habe die Vorwürfe gegenüber dem NDR zurückgewiesen. "Der NDR versucht, eine strafbare Handlung zu konstruieren." Heinze habe lediglich gegen eine Dienstanweisung verstoßen, als sie dem Sender nicht mitteilte, dass sich hinter dem Pseudonym Niklas Becker ihr Ehemann verberge.

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