Merkels Wunschkandidat Direktor des British Museum wird Intendant im Berliner Stadtschloss

Ein Konzept für das Humboldtforum im Berliner Stadtschloss gibt es noch nicht, dafür jetzt einen, der es entwickeln soll: Neil MacGregor, Direktor des British Museum, ist offiziell zum Gründungsintendanten berufen worden.

Neil MacGregor: Ab Oktober Leiter des Humboldtforums
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Neil MacGregor: Ab Oktober Leiter des Humboldtforums


Angela Merkel hat ihren Wunschkandidaten überzeugen können: Der renommierte britische Museumdirektor Neil MacGregor ist zum Leiter der Gründungsintendanz für das Humboldtforum, das Kulturzentrum im rekonstruierten Berliner Stadtschloss, berufen worden. Kulturstaatsministerin Monika Grütters berief den 68-Jährigen offiziell am Mittwoch, zuvor war er schon als Favorit von Bundeskanzlerin Merkel für den prestigereichen Posten gehandelt worden.

Seine Tätigkeit als Direktor des British Museum will MacGregor Ende 2015 niederlegen, wie er in London mitteilte. Neben der Beratungsarbeit in Berlin will er weiter für die BBC tätig bleiben und für ein Museum im indischen Mumbai. "Auch wenn ich nicht mehr Vollzeit arbeite, werde ich in mehrere Projekte eingebunden bleiben", erklärte er.

Unter MacGregors Leitung soll die Gründungsintendanz von Oktober an für zunächst zwei Jahre inhaltliche Schwerpunkte für das Humboldtforum entwickeln. Außer MacGregor werden dem dreiköpfigen Gremium auch der Kunsthistoriker Horst Bredekamp ("Der schwimmende Souverän") und der Archäologe Hermann Parzinger angehören. Bislang liegt noch kein Gesamtkonzept für das Humboldtforum vor. Das Haus soll mit Baukosten von 590 Millionen Euro voraussichtlich 2019 eröffnet werden. Nutzer werden die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Humboldt-Universität und das Land Berlin sein.

Grütters nannte MacGregor einen exzellenten Deutschlandkenner und international versierten Museumsexperten, der sein "universales Wissen" für das Projekt zur Verfügung stelle. MacGregor erklärte, mit den außereuropäischen Sammlungen der Berliner Museen werde es wie nirgends sonst möglich sein, im Humboldtforum auf die Kulturen der Welt zu schauen. "Das ist eine historische Chance für Deutschland, für Europa, für die ganze Welt."

MacGregor war der langjährige Direktor der National Gallery in London, ehe er 2002 die Führung des British Museum übernahm. Seine Begabung für die Vermittlung von Kunst und Kultur bewies er mit seinem Wissensbuch "Geschichte der Welt in 100 Objekten", das auch als BBC-Radioserie ein großer Erfolg war. Für Aufsehen sorgte im vergangenen Jahr seine Ausstellung "Germany: Memories of a Nation".

hpi/AP/dpa

insgesamt 14 Beiträge
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Endlager 08.04.2015
1. Überflüssiges Humboldtforum,
wenn die Wellt etwas nicht braucht, dann ist es etwas, was nur dazu dient das Stadtschloss als solches historisch zu relativieren. Und mit einem Briten ist sichergestellt, dass jedwede deutsche Perspektive ausgemerzt sein wird. Armselig, einfach nur armselig.
Tulipana 08.04.2015
2. Absolutely Fabulous!
Wer "Germany, Memories of a Nation" gehört hat, kann über diese Besetzung nur glücklich sein.
UCL 08.04.2015
3. sehr gute Wahl
Ein enormer Besucherzuwachs, nebenan, im British Museum ist seit seinem Engagement zu verzeichnen -- ohne MacGregor kaum vorstellbar, daß Qualität sich so gut an so exponierter Stelle sehr eindrücklich statt tönend laut inszenieren lässt. Und das alles ohne 'Knighthood'; die Nummer lehnte er Ende der 90iger ab. Viele Künstler schätzen ihn und im Gegensatz zu anderen, die in einschlägigen Clubs gegenüber der Royal Society nur unangenehm laut auffallen, ein Charakter eben, ein sehr angenehmer, ohne den die BBC wohl nie den ausserordentlichen Drive entwickelt hätte, diese exquisiten Kunst & Wisssenschafts-Sendungen/Programme zu entwickeln --- allenfalls 'arte' kommt da noch mit.
igelfeld 08.04.2015
4. Eine gute Nachricht
Wer seinen Vortrag im vergangenen Herbst am Großbritannien-Zentrum der Humboldt-Universität gehört hat, braucht sich über seine "Perspektive" keine Sorgen zu machen. Ein ausgezeichneter Mann!
wolf.bonitz 08.04.2015
5.
Eine sehr gute Nachricht. Jeden Tag eine solche, und es ginge uns besser in Deutschland.
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