Nervsprech-Wettbewerb Herzlichen Glühstrumpf, liebe Leser!

Das kann doch nicht Warstein! Fast 5000 Zusendungen erreichten uns - Nervsprüche ohne Ende. Eine Menge Arbeit für die Kulturredaktion. Aber, hey, da muss man durch als Lurch! Und jetzt stehen sie fest: die zehn Gewinner mit den härtesten Sprüchen. Wir sagen: schönen Schrank für so viel Einsatz!


Prostata: Oktoberfestbesucher mit Hopfenkaltschale
DPA

Prostata: Oktoberfestbesucher mit Hopfenkaltschale

Fast 5000 Mails mit Nervsprech - ich glaub, mein Server jodelt! Da bleibt uns wohl nichts Walter Ulbricht, als ein paar Überstunden zu machen, seufzten die Kollegen und pflügten sich durchs sprachliche Grauen von "Fit im Schritt" bis "Bis später, Peter!"

Was da alles zusammen kam: Abschieds- und Grußformeln ("Tschüssikowski", "Bis dannimanski"), Lautspielereien ("Alles in Dortmund" für alles in Ordnung; "Alaska" für alles klar), Verniedlichungen ("Wunderbärchen", "Alles Klärchen"), Verdrehungen ("ramontisch"), Namensklamauk ("Alles Roger in Kambodscha", "Bis später, Peter") , Drohsprüche ("Noch so'n Ding - Augenring"), Rede-und-Antwort-Kalauer ("Sag Bescheid" - "Bescheid!"), Spaß-Übersetzungen ("Sellerie" für c'est la vie), Ersetzungen ("Kuh-Saft" für Milch; "Hopfenkaltschale" für Bier), Beschwerden ("Tolle Wurst!"), Kombinationen ("Auf Wiedertschüss!") und Paradoxien ("Alle Klarheiten beseitigt").

Und dann die Klassiker: das angestaubte "See you later, Alligator", das harmlose "Alter Schwede!", der kulturpessimistische Dauerbrenner "Muss ja!" und sein optimistisches Pendant "Geht nicht gibt's nicht", das joviale "Unter uns Pastorentöchtern" und die Sponti-Reminiszenz "Keine Panik auf der Titanic". Auch die moderne Technologie hat den Nervsprech beeinflusst: Wer einmal ein "Schlepptop" oder ein "Notbuch" (Notebook) bedient hat, weiß, wo der Hammer hängt.

Der Anglizismus, an und Pfirsich höchst nervsprechtauglich, kam erstaunlich gut weg: Dass sich so mancher heutzutage nach langen Meetings, Briefings und Shootings auf Projekte committed, die dann eventuell ewig in der Pipeline schmoren, um schließlich - ist es denn die possibility! - doch noch gegreenlighted zu werden, störte nur wenige.

Dafür ist so manche Lebensweisheit in Verruf geraten: "So jung kommen wir nie wieder zusammen", diese zentrale Einsicht in die Entwicklungslogik menschlichen Daseins, hat ebenso ausgespielt wie das realistische Grundaxiom "Das Leben ist kein Ponyhof". Auch "Schieß mich tot!" und "Nicht wirklich", zwei Floskelantiquitäten im Geiste existentialistischer Skepsis, landeten auf dem Index.

Kein Zweifel: Für den Nervsprech ist Schicht im Schacht. Das Wortdezernat hat ermittelt - die schlimmsten Floskeln sind raus. Die zehn Gewinner von Bastian Sicks "Zwiebelfisch"-Buch "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" werden per Los ermittelt und ratzfatz, stantepede, cool vom Stuhl und locker vom Hocker benachrichtigt.

Die Besten der Schlechten:
1. Herzlichen Glühstrumpf!
2. Mach's gut - aber nicht zu oft
3. Prostata!
4. Schankedön
5. Zum Bleistift
6. Schönen Gruß vom Getriebe (beim Autofahren)
7. Wunderbärchen!
8. Alles Klärchen!
9. Okäse! (für okay)
10. Leg dich wieder hin (am Ende eines Telefonats)



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