Netzwerk Recherche Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Leif

Vorsitzender zurückgetreten, Geld wiedergegeben, Wirtschaftsprüfer eingeschaltet: Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche machte eigentlich alles richtig, nachdem sie Abrechnungsunregelmäßigkeiten festgestellt hatte. Trotzdem gibt es nun Ermittlungen.

Thomas Leif, ehemaliger Vorsitzender von Netzwerk Recherche: Integer trotz Unregelmäßigkeiten
DPA

Thomas Leif, ehemaliger Vorsitzender von Netzwerk Recherche: Integer trotz Unregelmäßigkeiten


Hamburg/Wiesbaden - Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden ermittelt gegen den ehemaligen Vorsitzenden von Netzwerk Recherche. Gegen Thomas Leif bestehe der Verdacht des Betrugs beziehungsweise der Untreue, weil das Netzwerk Fördergelder der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) womöglich zu Unrecht vereinnahmt habe, erklärte ein Sprecher der Anklagebehörde.

Anlass für die Ermittlungen war die Strafanzeige eines Rechtsanwalts, die bei der Staatsanwaltschaft Bonn eingegangen sei und die die Staatsanwaltschaft Wiesbaden nun übernommen habe, wie Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse zu SPIEGEL ONLINE sagte. Weil das Netzwerk Recherche im Vereinsregister des Amtsgerichts Wiesbaden eingetragen ist, ist die dortige Staatsanwaltschaft für ein eventuelles Verfahren gegen Leif zuständig.

Anzeige wegen Medienberichten

Der Rechtsanwalt, der Leif angezeigt habe, habe sich selbst als "Zeitungsleser" präsentiert und habe zur Begründung seiner Anzeige auf Medienberichte über die fehlerhafte Abrechnung der Fördergelder verwiesen, sagte der Behördensprecher. Ob der Mann in einer Verbindung zur Bundeszentrale für politische Bildung oder zu der Journalistenorganisation steht, ist nicht bekannt.

Anfang Juli hatte Netzwerk Recherche seine Mitglieder darüber informiert, dass es Fördergelder der Bundeszentrale für politische Bildung im Jahre 2010 fehlerhaft abgerechnet hatte. Nach einigem Hin und Her hatte der Vorsitzende Thomas Leif die Verantwortung für mögliche Abrechnungsfehler übernommen und war aus dem Vorstand ausgeschieden.

Netzwerk Recherche stellte nach dem Rücktritt in einer Erklärung klar, an der persönlichen Integrität Thomas Leifs gebe es keine Zweifel. Vom Verein beauftragte Wirtschaftsprüfer hatten in einem Zwischenbericht festgestellt, dass es keinen Hinweis auf persönliche Bereicherungen durch ein Mitglied des Vereins gebe.

Vorsorglich zahlte der Verein alle erhaltenen Fördermittel der BPB für die Jahre 2007 bis 2010 zurück. Insgesamt sei ein Gesamtbetrag in Höhe von rund 75.000 Euro an die BPB überwiesen worden, so das Netzwerk.

twi/dapd

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